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Geldpolitik

Fed-Chef Ben Bernanke

Fed-Chef unter Beschuss

Hat Bernanke einen historischen Fehler gemacht?

von Angela Göpfert

Seit dem FOMC-Statement der Fed stehen die weltweiten Kapitalmärkte Kopf. Die Kritik an Notenbankchef Ben Bernanke wird immer lauter. Nobelpreis-Träger Paul Krugman spricht von einem "völlig falschen Signal" an die Märkte.

Die Fed habe offenbar den Blick fürs Wesentliche verloren, moniert Krugman in seinem "New York Times"-Blog "The Conscience of a Liberal". "Sollte sich die Wirtschaft tatsächlich erholen, dann wunderbar, die Fed würde damit davonkommen", so der Ökonom.

Doch leider scheine genau das Gegenteil der Fall: Die US-Konjunktur steuere derzeit auf eine milde Form der Deflation zu – und die Fed verhindere mit ihren falschen Botschaften, dass die USA daraus rasch wieder herausfinden.

»"Die Fed hat den Märkten die Punschschüssel weggenommen, bevor die Party richtig angefangen hat."«

Paul Krugman in der "New York Times"

Brauchen wir eine "verantwortungslose" Fed?

Verteidiger der Fed mögen anführen, dass die Fed ja jederzeit bei Bedarf wieder auf den QE-Zug aufspringen könnte, sollte sich die US-Wirtschaft nicht so positiv entwickeln wie erhofft. Diese Möglichkeit haben sich Bernanke & Co. in ihrem FOMC-Statement schließlich ganz explizit eingeräumt.

Doch Krugman meint: Die Fed müsste sich geradezu "verantwortungslos" verhalten, um eine Deflation zu vermeiden. Sie müsste den Märkten glaubhaft versichern können, dass sie selbst bei drohender Inflationsgefahr nicht vom Gaspedal gehen würde, solange die Konjunktur nicht wieder voll anspringt.

Dollarschein USA Amerika Dollar 1408. | Quelle: colourbox

Eine Notenbank in der "Glaubwürdigkeitskrise"

Doch dieser Glaubwürdigkeit habe sich die Fed ein für alle Mal beraubt, indem sie sich plötzlich wieder wie eine traditionelle, verantwortungsvolle Notenbank aufführte, deren Ziel es nun einmal ist, Inflation zu vermeiden und Blasenbildung an den Märkten vorzubeugen.

Krugmans Fazit ist vernichtend: "Ich fürchte, dass die Fed mehr Schaden angerichtet hat, als sie selbst zu erkennen vermag."

Auch Kritiker in den eigenen Reihen

Ganz so offen und direkt vertritt James Bullard seine Meinung nicht. Als Präsident der Notenbank von St. Louis und stimmberechtigtes Mitglied des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) ist er schließlich zur Zurückhaltung verpflichtet.

Federal Reserve-Gebäude in Washington D. C.

FED Federal Reserve. | Quelle: picture-alliance/dpa

Nichtsdestotrotz: Mit seiner Kritik an dem neuen Fed-Kurs hält auch Bullard nicht wirklich hinterm Berg. Bereits in der entscheidenden FOMC-Sitzung stimmte er gegen den Exit aus der ultralockeren Geldpolitik.

In einem aktuellen Paper legte er nun nochmals nach und unterstrich: Weit besser wäre es gewesen, erst einmal abzuwarten, ob sich Wachstums- und Inflationsdynamik tatsächlich erhöhen. Dann hätte man ja immer noch reagieren können.

Das sieht so gar nicht nach Inflation aus!

In früheren Statements hatte Bullard bereits an seinem Ruf als Täubchen gefeilt und klargestellt, dass er QE nicht eher absetzen würde, bis die US-Inflationsrate über die Marke von 2,5 Prozent hinaus ansteigt.

Aktuell liegt die von Bullard betrachtete PCE-Inflationsrate (inklusive Lebensmittel und Energie) wohlgemerkt bei 0,7 Prozent! Sollten die Rohstoffpreise nicht anziehen, könnte sie sogar unter 0,5 Prozent fallen, so Experten.

"Ein Abgang für die Geschichtsbücher"?

Marktbeobachter Robert Rethfeld von Wellenreiter Invest reiht sich ebenfalls in die Riege der Fed-Kritiker ein. Die Vorgehensweise der Fed erscheint ihm "unlogisch".

»Persönliche Gründe wie ein Abgang ohne 'schmutzige Hinterlassenschaften' mögen Bernanke dazu bewogen haben, diesen Weg einzuschlagen. Aber es ist immer gefährlich, den Wunsch nach einem Abgang für die Geschichtsbücher dem tatsächlich Notwendigen vorzuziehen.«

Robert Rethfeld, Wellenreiter Invest

Wie wohl die Welt mit Bullard an der Fed-Spitze aussehen würde…

Spannend bleibt nun, wie sich die US-Konjunktur in den kommenden Monaten tatsächlich entwickelt.

Sollte Bullard mit seinem "Dissent" Recht behalten, so würde er sich damit automatisch als Nachfolger von Bernanke ins Spiel bringen. Für diesen Fall wären steigende Aktien- und Rohstoffkurse sowie fallende US-Anleiherenditen so gut wie sicher.

Stand: 24.06.2013, 14:52 Uhr

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