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EZB-Gebäude am frühen Morgen

UBS-Ökonomen sehen geldpolitischen Schwenk

EZB stellt die Weichen im September

Stand: 05.04.2017, 11:48 Uhr

Die Zeit der ultralockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank neigt sich dem Ende zu. Nach einer Phase des "Taperings" im kommenden Jahr drohen dann auch erste Zinsanhebungen, so prognostiziert es der Schweizer Finanzgigant UBS. Zunächst dürften erste Signale der EZB erfolgen.

In knapp einem halben Jahr ist es soweit, meint Reinhard Cluse, Chefökonom der UBS für Europa, vor Medienvertretern am Mittwoch. Das Wirtschaftswachstum in der Eurozone habe ein Niveau erreicht, das ein langsames Auslaufen der Geldflut durch die EZB ermöglicht. Im ersten Quartal rechnet der Experte mit einem Wachstum von 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal. "Annualisiert", also auf das Gesamtjahr gerechnet, steuert die Eurozone auf Zuwächse zwischen 1,7 und 2,0 Prozent zu.

Falken in der EZB gewinnen die Oberhand

Reinhard Cluse

Reinhard Cluse. | Bildquelle: UBS

Offenbar ein willkommener Anlass für die Währungshüter, die Geldpolitik nach der jahrelangen Niedrigstzins-Phase und der Milliarden Euro an Anleihenkäufen endlich neu zu justieren. Die "Falken" im EZB-Rat gewännen nun langsam die Oberhand über die "Tauben" in dem Entscheidungsgremium. Einen härteren geldpolitischen Kurs fordern neben den deutschen und dem österreichischen Vertreter nach Enschätzung der UBS-Ökonomen auch die Vertreter der balitischen Staaten und Finnland. Die robuste Wirtschaft im Euroraum könnte nun den Startschuss für den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik bedeuten.

Und auch die Preisentwicklung im Euroraum scheint den Weg dafür zu ebnen. Die Inflationsrate scheint sich in der zweiten Jahreshälfte bei 1,7 bis 1,9 Prozent einzupendeln, offenbar nahe genug an der Zielvorgabe von zwei Prozent, um den Strategieschwenk begründen zu können.

Tapering ab Anfang 2017...

Doch bis zu einer Leitzinserhöhung durch die EZB dürfte noch eine Weile vergehen, so UBS-Chefvolkswirt Felix Hüfner. Zunächst wird wohl ein "Tapering" auch offiziell durch die Währungshüter angekündigt. Das Zurückfahren der Wertpapierkäufe werde wohl in der Sitzung des EZB-Rats am 7. September angekündigt. De facto reduziert die Notenbank die Anleihenkäufe bereits seit Anfang April von 80 auf 60 Milliarden Euro monatlich. Die EZB hatte allerdings stets vermieden, dies als Tapering, den Einstieg aus dem Ausstieg der Milliardenankäufe zu bezeichnen. "Möglichst schonend", so Clu, werde die EZB nun auch die geldpolitische Wende einleiten.

Neben der besser laufenden Konjunktur hat das Zurückfahren der Wertpapierkäufe auch "technische" Gründe. Es gibt schlicht am Anleihenmarkt nicht mehr ausreichend Papiere, die die Kriterien der EZB erfüllen, der Markt sie quasi "leergekauft".

... Zinserhöhung ab Ende 2017

Felix Hüfner

Felix Hüfner. | Bildquelle: Ubs

Trifft die Szenariorechnung der UBS zu, dann könnten ab dem Beginn des kommenden Jahres die Anleihen-Käufe in den ersten zwei bis drei Quartalen komplett eingestellt werden. Dass dann die EZB unmittelbar an der Zinsschraube dreht, glauben Hüfner und Cluse nicht. Die Sprachregelung in der EZB lautet hier schließlich, dass man eine ganze Weile nach Auslaufen des "QE"-Programms (des Quantitative Easing, also der extremen geldpolitischen Lockerung) erst einen Zinsschritt unternehmen werde. Damit könnte ein solcher Schritt wohl nicht vor Ende 2018 erfolgen.

Anleiherenditen steigen langsam aber sicher

Die Finanzmärkte preisten die Entwicklung bereits jetzt mehr und mehr ein, so die Ökonomen. Bis zum Jahresende 2017 werde sich die Rendite deutscher zehnjähriger Bundesanleihen auf 0,6 Prozent erholt haben, Ende 2018 soll sie 1,0 Prozent erreichen. Auch die Zeiten von Negativzinsen gehören damit bald der Vergangenheit an.

AB

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