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Geldpolitik

Europäische Zentralbank in Frankfurt

Erste Ratssitzung des Jahres

Draghi: Weitere Geldgeschenke möglich

Stand: 21.01.2016, 15:21 Uhr

Die Inflation im Euroraum verharrt deutlich unter 2,00 Prozent und die Wirtschaft kommt nur langsam in Gang. Doch Notenbankchef Mario Draghi zeigt sich zuversichtlich. Das kommt bei den Anlegern gut an.

Der Dax baut seine Gewinne kräftig aus und überspringt mit 9.600 Punkten die nächste Hunderter-Marke. Gleichzeitig rauscht der Euro um einen Cent auf zeitweise unter 1,08 Dollar in die Tiefe. Dabei hat EZB-Präsident Mario Draghi keine neuen geldpolitischen Maßnahmen verkündet. Anleihekaufprogramm und Leitzins bleiben unverändert.

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Doch die Anleger goutieren Draghis Zuversicht. Dieser versichert, dass die geldpolitischen Maßnahmen - Nullzinspolitik und milliardenschweres Anleihekaufprogramm - keineswegs wirkungslos seien.

So hätten sich die Kredit- und Finanzierungsbedingungen für die Unternehmen verbessert, die realwirtschaftliche Lage sich aufgehellt. Auch habe die EZB die Kraft, Entschlossenheit und den Willen zu handeln, falls es notwendig werde. Tatsächlich hätten sich die Rahmenbedingungen seit Dezember verändert, die Risiken für die Wirtschaft seien größer geworden. Als weitere Gefahren nannte der Italiener die Turbulenzen an den Finanzmärkten und geopolitische Krisen.

Instrumente noch nicht erschöpft

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Seit der vorigen Sitzung der Währungshüter Anfang Dezember ist der bereits lange Zeit auf Talfahrt befindliche Ölpreis nochmals um rund 30 Prozent abgestürzt. Dieser Effekt hält auch die Inflation in der Euro-Zone am Boden. Die Preise stiegen im Dezember nur um 0,2 Prozent, womit die EZB ihr Ziel von knapp 2,00 Prozent weiterhin deutlich verfehlt.

Draghi versicherte, dass die der Notenbank zur Verfügung stehenden Instrumente für eine noch expansivere Geldpolitik keineswegs erschöpft seien, wie Kritiker behaupten. Die Bank sei also in der Lage zu handeln. Welche Instrumente die Notenbank allerdings einsetzen könnte, um die Geldpolitik noch expansiver zu gestalten, sagte Draghi freilich nicht.

GeldpolitischeTaube

Damit bleibe der EZB-Präsident seinem Ruf als "geldpolitische Taube" gerecht und halte die Tür für weitere Lockerungsmaßnahmen offen, erklärt Ulrich Wortberg, Marktexperte der Helaba. Mit dem Hinweis, dass im März die Geldpolitik erneut überprüft und möglicherweise angepasst würden, verstärke er die Spekulationen auf weitere Lockerungsmaßnahmen.

Die Aussagen von Draghi stehen unter erhöhter Beobachtung, nachdem die Notenbank die im Vorfeld der Ratssitzung Anfang Dezember geschürten Erwartungen nicht erfüllt hatte. Besonders Deutschland und seine Verbündeten Österreich und die Niederlande verkünden immer wieder ihren Unmut gegen weitere Maßnahmen zur Lockerung der Geldpolitik. Aus dem Umfeld des Berliner Finanzministeriums werden sogar Forderungen nach einer Anhebung des Leitzinses laut.

lg

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