Eine riesige Seifenblase schwebt vor dem Turm der Europäischen Zentralbank

Kein Signal von Zinsende Der locker-leichte Kurs der EZB

Stand: 08.06.2017, 15:02 Uhr

Die Europäische Zentralbank bleibt auf Kurs mit ihrer ultralockeren Geldpolitik. Kein Signal von Zinswende, kein Signal, auf den Kurs der amerikanischen Notenbank Fed einzuschwenken. Die EZB will noch bis Ende 2017 weiter Anleihen im großen Stil kaufen - und vielleicht sogar noch mehr.

Trotz stabiler Konjunktur - die Europäische Zentralbank (EZB) ändert ihren Kurs des Billig-Geldes nicht. Europas Währungshüter wollen noch bis mindestens Ende 2017 weiterhin monatlich 60 Milliarden Euro in den Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen stecken. Sie sind sogar im Notfall bereit, das Kaufprogramm hinsichtlich Umfang und/oder Dauer zu verstärken.

"Per saldo weist dies auf eine sehr zögerliche Wende der Geldpolitik hin", sagte Analyst Ralf Umlauf von der Helaba, es sei nur "ein weiterer Trippelschritt in Richtung geldpolitischer Normalisierung".

Außerdem bekräftigte die EZB nach der auswärtigen Sitzung in der estnischen Hauptstadt Tallinn am Donnerstag, dass sie den Banken weiterhin frisches Zentralbankgeld zu null Prozent Zinsen zur Verfügung stellt, der Leitzins im Euroraum bleibt vorerst auf diesem Rekordtief. Der Leitzins würden länger und weit über das Ende der Anleihekäufe hinaus auf aktuellem Niveau liegen.

"Oder tiefer" - ersatzslos gestrichen

Eine Kleinigkeit an dieser Stelle ließ aber aufhorchen: Die EZB strich hier die Option "oder tiefer". Weitere Lockerungsübungen haben die Notenbanker also nicht vor. Analysten hatten gleichwohl eine Änderung in der Wortwahl erwartet.

Ansonsten alles unverändert: Auch am Strafzins ändert sich nichts: Parken Finanzinstitute überschüssiges Geld bei der EZB, müssen sie dafür nach wie vor 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen.

Wachstumsrisiken "weitgehend ausgeglichen"

Auf der anschließenden Pressekonferenz gab es allerdings einen kleinen Hinweis auf ein Ende der vor allem in Deutschland kritisierten ultralockeren Geldpolitik. Erstmals seit langem beurteilt die EZB die Wachstumsrisiken für den Euroraum als "weitgehend ausgeglichen" statt "abwärtsgerichtet". Zudem betont sie die verbesserten konjunkturellen Rahmenbedingungen stärker.

Die EZB hob auch ihre Wachstumsprognosen für die Euro-Zone für die Zeit bis 2019 leicht an. Für 2017 wird eine Steigerung des Bruttoinlandsproduktes um 1,9 Prozent erwartet. Noch im März wurden 1,8 Prozent vorhergesagt. Für 2018 rechnen die Währunghüter dann mit 1,8 (März: 1,7) Prozent, für 2019 mit 1,7 (1,6) Prozent. Das Wachstum in der Euro-Zone sei stärker als bislang angenommen, sagte EZB-Präsident Mario Draghi.

Inflation zu gering

Allerdings zieht die Inflation noch nicht mit. Die Notenbank erwartet nunmehr langsamer steigende Verbraucherpreise in Europa. Für das laufende Jahr rechnet die Notenbank nun mit einer Teuerungsrate von 1,5 Prozent (März-Prognose: 1,7 Prozent). Für 2018 erwartet sie 1,3 (1,6) Prozent Teuerung. Hauptgrund sei der niedrige Ölpreis.

Auch die Kerninflation sei gering und werde nur allmählich steigen. Ein sehr substanzieller geldpolitischer Stimulus sei weiterhin nötig.

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Kleine Euro-Zuckungen

Am Devisenmarkt gab es kurzzeitig heftige Schwankungen. Der Euro sprang direkt nach der Entscheidung zunächst bis auf 1,1263 Dollar, sank dann aber auf ein Tagestief von 1,1216 Dollar. Der Dax hingegen reagierte kaum.

bs

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