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Geldpolitik

Janet Yellen

Rede der US-Notenbankchefin

Der seltsame Eiertanz der Janet Yellen

von Lothar Gries

Stand: 07.05.2015, 11:27 Uhr

Nur wenige Worte waren nötig, um die Kurse an der New Yorker Wall Street am Abend ins Minus zu schicken. Kein Wunder, kamen die Aussagen doch von einer der mächtigsten Frauen der Welt: Fed-Chefin Janet Yellen. Doch warum macht sie das bloß?

Für die US-Notenbankchefin sind die derzeitigen Aktienkurse "allgemein ziemlich hoch". Das könnte zu "potenziellen Gefahren" führen, sagte Janet Yellen am Mittwoch bei einer Diskussionsveranstaltung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington.

Um keine Panik zu verursachen, fügte sie jedoch rasch an, dass die Risiken für die Stabilität des Finanzsystems eher moderat seien. Auch könne sie keine Anzeichen für eine Blase erkennen. Dennoch weiteten die Aktienmärkte an der Wall Street ihre anfänglich moderaten Verluste deutlich aus. Der Dow-Jones-Index verlor zeitweise mehr als ein Prozent.

Bereits Greenspan warnte

Denn es ist nicht das erste Mal, dass ein Notenbanker vor Übertreibungen am Aktienmarkt warnt. 1996 hatte der damalige Fed-Chef Alan Greenspan die Aktienkurse für überteuert erklärt. Drei Jahre später platzte die Dotcom-Blase und riss die Märkte weltweit in die Tiefe.

Viele Experten hatten sich damals gewünscht, dass Greenspan deutlicher und wiederholter vor den Folgen einer Blase an den Märkten gewarnt hätte. Diese Lektion scheint Janet Yellen gelernt zu haben. Sie versprach die Investoren rechtzeitig und so offen wie möglich über mögliche Gefahren zu informieren - und entsprechend früh zu handeln.

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Geduld verloren, aber nicht ungeduldig

Damit war Janet Yellen wieder bei der Geldpolitik angelangt und den einzigen Instrumenten einer Notenbank, um Übertreibungen an den Märkten zu korrigieren: der Zinspolitik. Angaben darüber, wann die von ihr selbst angekündigte Anhebung des US-Leitzinses kommen könnte, machte die Notenbankerin natürlich nicht.

Sie betonte lediglich, dass die Fed die Märkte nicht überraschen wolle und eine Zinsanhebung rechtzeitig angekündigt werde. Die Geduld mit der Nullzinspoltik ihres Vorgängers hat Janet Yellen bekanntlich schon verloren, ungeduldig sei sie aber auch nicht, betonte sie.

Alle Türen offen

Nach den enttäuschenden US-Konjunkturdaten der letzten Wochen sind viele Experten inzwischen der Meinung, dass die für Juni erwartete Zinswende möglicherweise auf September verschoben wird. Die Notenbankchefin lässt sich in dieser Frage alle Türen offen. Doch ihre jüngsten Aussagen signalisieren erneut ihre Handlungsbereitschaft - jederzeit, vielleicht auch schon im Juni. Somit bleibt die Unsicherheit erhalten.

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