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Niederländischer Ministerpräsident Mark Rutte

Niederlage von Geert Wilders in Holland

Aufatmen an den Märkten

Stand: 16.03.2017, 11:06 Uhr

Die Aktienmärkte in ganz Europa reagieren mit Erleichterung auf den Ausgang der Parlamentswahlen in den Niederlanden. Der EuroStoxx 50 schnellte auf den höchsten Stand seit zwei Jahren. Auch der Euro hält sich wacker.

Die Gemeinschaftswährung wird am Morgen bei bis zu 1,0739 Dollar gehandelt und damit deutlich höher als gestern. Am Vorabend hatte die Zinsanhebung der Fed für einen ersten Schub gesorgt. Die Fed hatte den Leitzins wie erwartet erneut erhöht, will sich aber im laufenden Jahr mit zwei weiteren Zinsanhebungen begnügen. Weil Anleger mit einer restriktiveren Gedlpolitik gerechnet hatten, geriet der Dollar nach den Beschlüssen unter Druck und der Euro konnte im Gegenzug zulegen.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Einen weiteren Schub erhielt der Euro in der Nacht nach Veröffentlichung der ersten Ergebnisse der Parlamentswahl in den Niederlanden. Danach ist die rechtsliberale Partei von Ministerpräsident Rutte als klarer Wahlsieger hervorgegangen. Der Rechtspopulist und Europa-Gegner Geert Wilders hat hingegen einen deutlichen Dämpfer erhalten und liegt abgeschlagen auf dem zweiten Platz. Insgesamt kletterte die Gemeinschaftswährung nach den beiden Ereignissen - Leitzinserhöhung und Wahlen - in der Nacht über ein Prozent. Das war der stärkste Anstieg seit Juni.

Aktienmärkte steigen

EuroStoxx 50: Kursverlauf am Börsenplatz DJ Stoxx für den Zeitraum Intraday
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Auch an den Aktienmärkten reagieren die Anleger mit Erleichterung auf die Niederlange des Rechtspopulisten Wilders. Vielen Anlegern fiel am Morgen ein Stein vom Herzen. Der europäische Bluechip-Index EuroStoxx 50 legt um gut ein Prozent zu, auf bis zu 3.347 Punkte. Entsprechend aufwärts geht es auch an der Börse in Frankfurt, wo der Dax nach Tagen der Stagnation deutlich über die Schwelle von 12.000 Punkten geklettert ist.

Für Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP-Bank besteht nach der Niederlage Wilders die "Hoffnung, dass die politischen Erdbeben von 2016 in diesem Jahr ausbleiben werden". Möglicherweise komme es sogar zu einer erfreulichen Wende – auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Denn sollte in Frankreich der unabhängige Kandidat Emmanuel Macron die Präsidentschaftswahl gewinnen, könnte ein frischer Wind im Élysée-Palast wehen.

Hoffnung auf Wahlsieg Macrons

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Aussichten dafür stehen gut. Macron könnte den jüngsten Umfragen zufolge als Sieger im ersten Wahlgang hervorgehen und auch bei der Stichwahl am 7. Mai die Rechtspopulistin Marine Le Pen weit hinter sich lassen. Der 39-Jährige schlägt einen Ton an, der in Berlin gut ankommen dürfte. Offensiv wirbt er für ein besseres Verhältnis zu Deutschland. Er verspricht Reformen und solide Finanzen in Frankeich, das unter hoher Arbeitslosigkeit leidet und zuletzt 2007 die europäische Defizitgrenze eingehalten hatte. "Zuerst einmal muss Frankreich seine eigene Verantwortung übernehmen und sich reformieren", sagte er in einem ZDF-Interview vor seiner heutigen Reise zu Bundeskanzlerin Merkel.

Macron sieht das Ergebnis in den Niederlanden als Signal, dass ein Erfolg von Rechtsaußen-Parteien nicht unabwendbar ist. "Die Niederlande zeigen uns, dass der Durchbruch der extremen Rechten keine Fatalität ist und dass die europäischen Progressisten stärker werden", schrieb der 39-Jährige am Morgen auf seinem Twitter-Account.

Superwahljahr 2017

Nach dem Brexit-Referendum und dem Wahlsieg von US-Präsident Donald Trump war die Abstimmung in den Niederlanden der Auftakt des europäischen Superwahljahrs 2017 - ein großer Erfolg von Wilders wäre als weiterer Rückschlag für die Europäische Union gewertet worden. Ein Wilders-Effekt hätte außerdem populistischen Parteien und Bewegungen vor den kommenden Wahlen Aufwind gegeben. Weitere Etappen sind jetzt die Präsidentschaftswahlen in Frankreich im April/Mai und die Bundestagswahl im September.

lg

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Das sagen Ökonomen zur Holland-Wahl

Von Jörg Krämer bis Thomas Gitzel

 Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer

"Das Wahlergebnis aus den Niederlanden bringt der
französischen Rechtspopulistin Le Pen für die
Präsidentschaftswahl keinen Rückenwind. Aber aus Sicht der Finanzmärkte ist das Risiko Le Pen noch nicht gebannt. Und selbst wenn sie die Wahl verliert, dürfte die Währungsunion wegen der unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Auffassungen seiner Mitglieder nicht zur Ruhe kommen. Schließlich bestünde das eigentliche Problem der Währungsunion fort: Unterschiedliche Grundvorstellungen über die Haushalts- und Geldpolitik. Während die Länder im Süden und ihr inoffizielles Sprachrohr Frankreich eine von den Politikern dominierte Zentralbank wollen, die eine lockere Haushaltspolitik alimentiert, präferieren die meisten Wähler in Deutschland, Österreich und den Niederlanden eine unabhängige Zentralbank und eine solide Haushaltspolitik."

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