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Nebenwerte

Jeder hat mal klein angefangen

MDax und SDax hängen Dax ab

Kleine Werte, große Performance

von Notker Blechner

Stand: 15.08.2016, 16:15 Uhr

Nebenwerte laufen auch 2016 besser als Standardwerte. Während der Dax gerade mal seine Jahresverluste wettgemacht hat, sind MDax und SDax auf neue Rekordhochs geklettert. Denn die zweite Börsenliga ist das Spiegelbild des deutschen Mittelstands.

Wer nur auf den Dax starrt, dem entgeht viel Rendite. Seit Jahren stellen nämlich die Nebenwerte-Indizes den deutschen Leitindex in den Schatten. So hat seit 2000 der MDax durchschnittlich um 10,4 Prozent pro Jahr zugelegt, während der große Bruder Dax im Schnitt nur 2,4 Prozent stieg. Das hat die Fondsgesellschaft Lupus Alpha jüngst in einer Studie ermittelt. In den letzten 15 Jahren schnitt der MDax zwölf Mal besser ab als der Dax.

MDax und SDax auf Rekordhoch

MDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
23.378,11
Differenz relativ
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Ähnlich klar ist das Bild in diesem Jahr: Seit Anfang Januar hat der MDax rund fünf Prozent gewonnen und eilt von Rekordhoch zu Rekordhoch. Am Montag wurde mit 21.947 Zählern eine neue Bestmarke erreicht, die 22.000 Punkte liegen in Reichweite. Der Dax hingegen notiert momentan nur knapp über dem Niveau von Ende 2015 und hat mit 10.802 Punkten allenfalls ein Jahreshoch erklommen. Zum Allzeitrekord fehlen noch gut 15 Prozent.

SDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9.977,93
Differenz relativ
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Auch der SDax hat den Dax klar abgehängt. Seit Jahresanfang ist der Kleinwerte-Index um knapp fünf Prozent nach oben geklettert und hat mit 9.535 Punkten ebenfalls eine neue historische Rekordmarke geschafft.

Das Rückgrat der deutschen Wirtschaft

Für Experten ist die Überlegenheit der Nebenwerte nicht verwunderlich. In der zweiten und dritten Börsenliga tummeln sich viele Mittelständler, die Marktführer in Nischenbereichen sind. Sie wachsen schneller und gelten als besonders anpassungsfähig und flexibel. Fondsmanager Tim Albrecht, Leiter deutsche Aktien der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank, sieht den MDax als "Spiegelbild des deutschen Mittelstands". Die oft familiengeführten Unternehmen seien langfristig meist erfolgreicher als große Konglomerate wie im Dax.

Die MDax- und SDax-Firmen sind teils deutlich exportorientierter als die MDax-Konzerne. Der schwache Euro half ihnen zuletzt. Besonders Spezialchemiefirmen, Maschinenbauer und Autozulieferer liefen gut.

Im Sog der Übernahmewelle

In den letzten Monaten profitierten viele deutsche Nebenwerte auch von der grassierenden Übernahmefantasie. Mehrere MDax-Firmen wie Hochtief, die frühere Gildemeister (jetzt DMG Mori Seiki) und Kuka wurden übernommen.

Zudem hat der MDax keinen Problemsektor wie die Versorger. Die Aktien von RWE und Eon belasteten in den letzten drei Jahren den Dax.

Anfälliger für Rückschläge?

Die höhere Konjunkturabhängigkeit macht die Nebenwerte allerdings für Rückschläge anfälliger. Das zeigte sich 2008, als sich der Dax besser entwickelte als der MDax.

Einige Experten warnen auch vor höheren Kursschwankungen bei Nebenwerten im Vergleich zu Blue Chips. In der  Realität stimme das jedoch nicht, hat Björn Glück, Fondsmanager von Lupus Alpha, herausgefunden. Beim langfristigen Vergleich von 2000 bis heute habe die Volatilität im MDax mit 20,9 Prozent niedriger gewesen als im Dax mit 24,5 Prozent. "Das robustere Ergebniswachstum führt dazu, dass Nebenwerte im Schnitt weniger schwanken als breit diversifizierte Großkonzerne", meint Glück im "Handelsblatt".

Europäische Small Caps sind ebenfalls besser als Large Caps

Auch europaweit haben Nebenwerte die Nase vorn. Laut einer Studie der französischen Fondsgesellschaft La Financière de l'Echiquier wiesen europäische Small Caps in den letzten drei Jahren eine Performance von 20,6 Prozent bei 12 Prozent Volatilität auf. Europäische Large Caps dagegen schafften im Schnitt "nur" eine jährliche Rendite von 11,5 Prozent – bei einer Volatilität von 13 Prozent. Klein, aber oho!

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