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Dollarnoten und -kurs, darauf ein Taschenrechner

Trotz des jüngsten Kurseinbruchs

Warum die Aktienmärkte zunehmend immun gegen das Trump-Chaos sind

Stand: 19.05.2017, 14:55 Uhr

Nach der Aufregung über die chaotischen Zustände im Weißen Haus trauen sich die Anleger wieder zurück an die Börse. Dafür gibt es einen entscheidenden Grund.

Die Wahlversprechen Donald Trumps, die Unternehmenssteuern drastisch zu senken und gleichzeitig Milliarden in die Modernisierung der Infrastruktur zu investieren, haben die Aktienmärkte seit November letzten Jahres in die Höhe schnellen lassen. Ob Dow oder Dax, die Indizes eilten von Rekord zu Rekord. Nun ist die Furcht groß, dass dies alles nur heiße Luft gewesen sein könnte, die rasch wieder entweicht, sobald sich herausstellt, dass der amerikanische Präsident mehr Zeit darauf verwenden muss, sich selbst und sein Amt zu retten, als die Wirtschaft zu stimulieren.

Doch der Blick auf einen ganz anderen, vielleicht sogar viel wichtigeren Indikator sogte für eine gewisse Entwarnung. Es ist die Gewinnentwicklung der amerikanischen Unternehmen. Tatsächlich sind die Profite der 500 größten börsennotierten US-Unternehmen - sie sind im S&P 500-Index enthalten - im ersten Quartal dieses Jahres so stark gestiegen wie seit sechs Jahren nicht mehr.

Gewinnentwicklung der im S&P 500 enthaltenen Unternehmen

Gewinnentwicklung der im S&P 500 enthaltenen Unternehmen. | Bildquelle: Daten: Bloomberg

Steigende Unternehmensgewinne

Nach Berechnungen der Agentur Bloomberg legten sie im Jahresvergleich um 14 Prozent zu, soviel wie zuletzt im dritten Quartal 2011. Zudem handelt es sich dabei um das dritte Quartal in Folge mit steigenden Gewinnen. Eine gute Nachricht für die Aktienmärkte, ist die Gewinnentwicklung doch der eigentliche Treiber der Aktienkurse.

S&P 500: Kursverlauf am Börsenplatz S&P Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
2.415,82
Differenz relativ
+0,03%

Ihre überproportionale Steigerung in den ersten drei Monaten dieses Jahres dürfte auch der Grund dafür sein, warum die Märkte angesichts des anhaltenden Chaos im Weißen Haus nicht schon längst eingebrochen sind. Wie "Trump-resistent" die Märkte inzwischen sind, zeigt sich an der Reaktion der Anleger am Donnerstag. Sie ergriffen die Gelegenheit des Kurseinbruchs vom Mittwoch, um nachzukaufen oder einzusteigen. Der S&P 500 legte um ein halbes Prozent zu, nach einem Kursrutsch von 1,7 Prozent am Vortag.

"Aktienmärkte bleiben attraktiv"

"Kein Zweifel, die umstrittene Amtsführung von Donald Trump hat die Märkte ordentlich durchgerüttelt, und das dürfte auch nicht das letzte Mal gewesen sein", erklärte Richard Sichel vom Vermögensverwalter Philadelphia Trust, der zwei Milliarden Dollar verwaltet, in einem Interview. "Doch die starken Unternehmensgewinne im ersten Quartal zeigen wie attraktiv der Aktienmarkt noch immer ist - auch wenn die Schwankungen etwas zugenommen haben", so Sichel.

Tatsächlich läuft die amerikanische Wirtschaft so gut schon lange nicht mehr. Die jüngsten Daten wie der Industrieindex der Region Philadelphia oder die Arbeitsmarktzahlen sind besser ausgefallen als erwartet und deuten auf eine anhaltend robuste Konjunktur hin. Einige Experten sehen darin einen Erfolg der Nullzinspolitik der Notenbank. Sie habe dazu beigetragen, dass der Aktienmarkt in den Zeiten rückläufiger Unternehmensgewinne, von Ende 2015 bis Anfang 2016, nicht eingebrochen ist. Viele Firmen hätten diese Zeit genutzt, um eigene Aktien zurückzukaufen und damit die Kurse zu stabilisieren.

Somit sei klar, so die Experten, dass der Rekordlauf der Aktienmärkte in den letzten Monaten keineswegs nur auf den Wahlsieg von Donald Trump und seine vollmundigen Wahlversprechen zurückzuführen sei. Deshalb sei auch kein Crash zu befürchten, sollte der Präsident frühzeitig sein Amt verlassen.

lg

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