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Geldanlage

Junge sexy Frau raucht eine Zigarre

Sündenaktien schneiden gut ab

Zaster mit dem Laster

Stand: 02.03.2016, 16:57 Uhr

Für Aktienanleger ist 2016 bisher ein schwieriges Jahr. Der Dax hinkt seinem Dezember-Niveau deutlich hinterher. In diesem unsicheren Umfeld erweisen sich lasterhafte Aktien als Stabilitätsanker. Mittelfristig lässt sich damit sogar mehr Geld verdienen als mit ethisch korrekten Papieren.

Tatsächlich müssen sich Anleger, die ausschließlich in ethisch korrekte Papiere anlegen, in der Regel mit bescheidenen Erträgen zufrieden geben. Wer dagegen in Waffenkonzerne, in Hersteller von hochprozentigen alkoholischen Getränken, in Zigarettenproduzenten, Glücksspielunternehmen oder Erotikfirmen investiert, hat in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich hohe Gewinne eingestrichen.

Zu dieser Erkenntnis kommt eine Studie der Schweizer Bank Credit Suisse und der London Business School. Die Autoren der Studie haben die Kursentwicklung eines ethisch sauberen Fonds mit einem "Sündenfonds" verglichen. Für das Gute wählten sie den Vanguard FTSE Social Index Fund, der nur in Unternehmen investiert, die bestimmte soziale und ethische Kriterien erfüllen. Die Rolle des Bösewichts übernahm der in Deutschland nicht zugelassene Fonds USA Mutuals Barrier Investor (VICEX), der vor allem in Rüstungskonzerne, Zigaretten- und Alkoholhersteller sowie in Casino-Betreiber investiert.

Eindeutiges Ergebnis

Das Ergebnis fiel eindeutig aus: Der Sündenfonds schlug den ethisch korrekten Vanguard Fund ganz deutlich. So hätte ein Anleger, der im Jahr 2002 für 10.000 Dollar in den Barrier Fonds investierte, bis Anfang 2015 33.655 Dollar gemacht. Er hätte damit auch besser abgeschnitten als der S&P 500-Index, der den US-Aktienmarkt abbildet. Aus den zum gleichen Zeitpunkt in den Social Index Fund investierten 10.000 Dollar wären "nur" 26.788 Dollar geworden. Diese ungleiche Performance hat sich bis heute fortgesetzt.

Laster schlägt Ethik

Laster schlägt Ethik. | Bildquelle: Yahoo Finance, Grafik: boerse.ARD.de

Zwar konnten sich auch die in dem Sündenfonds enthaltenen Aktien der im Januar einsetzenden Korrektur nicht entziehen, doch erweisen sich die lasterhaften Aktien als Stabilitätsanker und krisenresistenter als die ethisch korrekten Papiere. Seit Jahresbeginn hat der Barrier Fund nur 1,4 Prozent verloren, was im bisher schwachen Börsenjahr 2016 eine gute Performance ist.

Stattliche Dividenden

Die Gründe für dieses auf den ersten Blick überraschend gute Abschneiden der "Sündenaktien" sind vielfätig. Viele dieser Firmen sind in der Lage, die Preise ihrer Produkte zu erhöhen, ohne dass die Nachfrage nachhaltig sinkt. Die Ökonomen sprechen in diesem Zusammenhang von einer "Preisinelastizität der Nachfrage", die Finanzanalysten von der "Preismacht der Anbieter". Tatsächlich haben Untersuchungen festgestellt, dass bei einer Preiserhöhung für Zigaretten um zehn Prozent die Nachfrage nicht um zehn Prozent einbricht. Denn vom Rauchen loszukommen, ist nicht leicht.

Entsprechend sind viele "sündige Firmen" in der Lage, ihren Aktionären stattliche Ausschüttungen und attraktive Dividendenrenditen zu bieten. Bestes Beispiel dafür sind die Tabakkonzerne, die in den vergangenen Jahren stets hohe Dividenden zahlten und dabei Renditen von vier Prozent und mehr vorweisen konnten. Aber auch die Rüstungskonzerne können sich sehen lassen. Sie bieten laut Bloomberg im Schnitt eine Dividendenrendite von 2,74 Prozent.

Niedrigere Kosten

Außerdem müssen solche Sündenunternehmen auf Befindlichkeiten wie ethische Standards oder Nachhaltigkeit keine Rücksicht nehmen. Das sorgt für deutlich niedrigere Verwaltungskosten. Dagegen haben Firmen aus der Pharmabranche, der Nahrungsmittelindustrie oder die Banken wesentlich höhere regulatorische Auflagen, die entsprechend auf die Margen drücken.

Zigaretten

Zigaretten. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Die ehemals Aktie der Welt kommt übrigens laut der bereits zitierten Studie der Credit Suisse aus der Tabakbranche und heißt Altria (ehemals Philip Morris). Wer 1968 nur 150 Dollar in dieses Papier investiert hat, besitzt heute eine Million. Tatsächlich hat diese Aktie in dem erwähnten Zeitraum eine jährliche Rendite inklusive Dividenden von satten 20,6 Prozent erreicht.

Ausgerechnet Zigaretten

Auch ein anderer, zugegeben theoretischer Vergleich zeigt, dass sich im 20. Jahrhundert, trotz aller technologischer Neuerungen, ausgrechnet mit Zigaretten der höchste Wertzuwachs erzielen ließ: Hätte man im Jahr 1900 einen Dollar in US-Aktien investiert, wären daraus bis 2010 satte 38.255 Dollar geworden. Hätte sich der Investor auf die Lebensmittelindustrie beschränkt, wären es sogar rund 700.000 Dollar geworden. Das ist aber noch immer wenig im Vergleich zur Rendite eines Ein-Dollar-Investments in die Tabakbranche: Sie hätte ihm in 110 Jahren 6,3 Millionen Dollar gebracht. 

Trotzdem gilt auch bei Lasteraktien: genau hinschauen. So hat sich das Geschäft mit der Lust nämlich als Wertvernichter erwiesen. Einzelne Titel wie diejenigen des US-Nachtclub-Betreibers Rick’s Cabaret, RCI Hospitality, können zwar eine positive Entwicklung vorweisen, sind aber insgesamt nicht besser als die Papiere anderer Branchen. Andere "Lust-Aktien" wie Condomi, Planet Platinum oder Beate Uhse sind dagegen vom Markt verschwunden oder haben starke Verluste erlitten.

lg

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