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Devisengeschäfte oder Aktien
Wie überlebt man den Währungskrieg?
Weltweit tobt ein neuer Krieg: der Währungskrieg. Um die heimische Wirtschaft zu stärken, liefern sich die Staaten einen Abwertungswettlauf. Während Ökonomen vor Selbstzerstörung warnen, freuen sich Hedgefonds. Wie sollten sich Anleger für den Währungskrieg rüsten?
Konflikte zwischen Japan, USA, Europa und führenden Schwellenländern werden heute nicht mehr unbedingt mit Waffengewalt ausgetragen. Kriege von heute werden auf dem Schlachtfeld der Wirtschaft oder der Währungen geführt. In den 80er und 90er Jahren lieferten sich die Industrie- und Schwellenländer einen regelrechten Wirtschaftskrieg um die billigsten Standorte und Produkte.
Nun feuern sie mit billigem Geld aus den Kanonen, um ihre Währung möglichst niedrig und damit ihre Wirtschaft international wettbewerbsfähig zu halten. "Wir befinden uns heute wohl schon mitten in einem neuen Währungskrieg", meint Chefökonom Cyrius de la Rubia von der HSH Nordbank.
Schwellenländer stemmen sich gegen Währungs-Aufwertung
In den USA bekämpft die Fed seit Jahren die Krise mit dem Drucken von Billionen Dollars und schwächt den Greenback. Viele Staaten, insbesondere Schwellenländer wie China und Brasilien wehren sich gegen die drohende Aufwertung ihrer Währung und haben Gegenmaßnahmen ergriffen. Brasiliens Finanzminister Guido Mantega, der als erster Politiker von einem "Währungskrieg" sprach, gab jüngst zu, den Wechselkurs steuern zu wollen.
Im vergangenen Jahr löste die Euro-Krise eine Flucht in "sichere Häfen" wie den Schweizer Franken oder die Norwegische Krone aus. Die Schweiz musste sich gegen die rasante Aufwertung des Frankens stemmen und legte eine Untergrenze fest, die wie ein Bollwerk verteidigt wurde. Seither hat sich die heimische Währung bei um die 1,20 Franken gegenüber dem Euro stabilisiert.
Japan heizt Abwertungswettlauf an
Angestachelt vom Beispiel der Schweiz sucht Japan nun ebenfalls die Flucht nach vorn und hat einen neuen Abwertungswettlauf gestartet. Mit einer wahren Geldschwemme will die neue Regierung um Ministerpräsident Shinzo Abe die Inflation anheizen und die lähmende Deflations-Spirale aus sinkenden Preisen und nachlassender Investitionsneigung durchbrechen. Die Notenbank wurde gezwungen, das Inflationsziel auf zwei Prozent aufzustocken. Die Folge: der Yen wertete gegenüber dem Dollar und Euro massiv ab. Japanische Waren auf dem Weltmarkt verbilligten sich.
G20-Konferenz soll Zeichen gegen Währungsdumping setzen
Japans Geldoffensive hat die Furcht vor einem neuen Abwertungswettlauf verstärkt. Politiker und Notenbanker sind besorgt. Die Weltbank hat vor einem heraufziehenden Währungskrieg gewarnt. Bei dem Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) in Moskau steht Japan am Pranger. Das Thema Währungsdumping soll kritisch erörtert werden.
Vor allem Europa fühlt sich an die Wand gedrängt. Der Euro hat in den letzten Wochen massiv aufgewertet. Dadurch droht die deutsche Exportwirtschaft an Fahrt zu verlieren. Und die Reformbemühungen der notleidenden Peripherie-Länder könnten gebremst werden. Einzelne Politiker wie Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker halten den Euro-Wechselkurs schon für gefährlich hoch. Und auch Italiens Ministerpräsident Mario Monti klagt, dass ein "all zu hoher Kurs unsere Exporte drücken" könnte.
Euro der große Verlierer?
Frankreichs Präsident Francois Hollande schlug gar Gegenmaßnahmen eine aktive Steuerung der Wechselkurspolitik vor. Deutschland sprach sich vehement dagegen aus. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) will von einem Wechselkursziel nichts wissen. Bisher zumindest.
Während Politiker, Notenbanker und einzelne Ökonomen verschreckt auf den Abwertungswettlauf reagieren, reiben sich Hedgefonds die Hände. Fondsmanager wie Legende George Soros haben mit der Wette auf den fallenden Yen enorm viel Geld verdient.
Spekulieren auf den Yen-Verfall
Privatanleger können die Strategie der Hedgefonds-Manager nachahmen und mit einer Fülle von Optionsscheinen oder Short-Zertifikaten auf einen weiteren Yen-Verfall spekulieren. So bietet beispielsweise ETF Securities einen ETC Short Yen an, der den Wertgewinn des Euro zum Yen abbildet. Allerdings sind solche Devisenspekulationen höchst riskant.
Währungskonto oder Fremdwährungsanleihen
Einfacher ist es für Anleger, ein Währungskonto bei einer Bank zu eröffnen und auf den Wertzuwachs von Euro & Co gegenüber Dollar, Yen oder Real zu setzen. Hier gilt es freilich, die hohen Gebühren zu beachten - gerade bei exotischen Währungen wie dem brasilianischen Real.
Alternativ können Anleger in Staats- oder Unternehmensanleihen in Fremdwährungen wie Dollar, Yen oder auch Renminbi investieren. Besonders Emerging-Markets-Anleihen in lokaler Währung erfreuen sich hoher Beliebtheit. Zum Risiko der Abwertung der Währung tritt hier noch das Ausfallrisiko des Emittenten.
Gute Aussichten für japanische Aktien
Ein anderer Weg, sich gegen den Währungskrieg zu rüsten, ist der Kauf von Aktien aus Ländern, deren Währung abgewertet wird. Fondsmanager oder Vermögensverwalter wie Jens Ehrhardt sehen großes Potenzial für japanische Aktien., "Japan könnte die beste Börse des Jahres werden", meint Erhardt.
Tatsächlich hat der japanische Leitindex Nikkei in den letzten Wochen kräftig zugelegt und die längste Gewinnserie seit Ende der 80er Jahre hingelegt. In den vergangen sechs Monaten hat der Tokioter Aktienmarkt über 20 Prozent an Wert gewonnen - und den höchsten Stand seit dem Krisenjahr 2008 erreicht.
Experten raten zu währungsgesicherten Japan-Investments. Denn wer ungesichert aus der Euro-Zone in japanische Aktien investiert, hat in diesem Jahr seine ganzen Gewinne durch den Yen-Verfall wieder eingebüßt.