Panik an den Märkten.

Hilfe, meine Aktien fallen! Warum Panikverkäufe jetzt keine gute Idee sind

von Angela Göpfert

Stand: 29.08.2017, 11:53 Uhr

Nach dem Raketenabschuss Nordkoreas werfen Anleger panisch ihre Aktien auf den Markt. Doch bevor Sie diesem Beispiel folgen, lesen Sie besser das hier.

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.600,03
Differenz relativ
+0,25%

Zugegeben: Die Lage im Dax ist ernst. Die Bären haben durch den Raketenabschuss Nordkoreas eine 1a-Vorlage bekommen, endlich eine Richtungsentscheidung zu ihren Gunsten zu erzwingen.

Es geht abwärts bis auf 11.869 Punkte, die wichtige 200-Tage-Linie (aktuell bei 12.004 Punkten) wird nach unten klar durchbrochen. Sollte dieser Ausbruch auf der Unterseite auch auf Wochensicht Bestand haben, würde sich das mittelfristige technische Bild im Dax schlagartig eintrüben.

Das verflixte siebte Jahr…

Aus fundamentaler Perspektive gibt die aufkeimende Diskussion über die Schuldenobergrenze in den USA zusätzlich Anlass zur Sorge. Hinzu kommt der negative saisonale Aspekt: Der Herbst ist an der Börse in 7er-Jahren und Nachwahljahren in der Regel durch hohe Kurseinbrüche gekennzeichnet.

Dow Jones Durchschnittsverlauf der 7er-Jahre

Dow Jones. | Bildquelle: Wellenreiter-Invest / Grafik: boerse.ARD.de

Wir hatten an dieser Stelle mehrfach auf die Risiken im Dax und an der Wall Street hingewiesen, darunter auch auf die zahlreichen Hindenburg-Omen als vorauslaufenden Krisen-Indikator. Etwa am 22. August unter der Überschrift: Wall Street - bereit für die Korrektur?!

Kein guter Zeitpunkt für Verkäufe

Aber! Für langfristig orientierte Investoren besteht aktuell absolut kein Anlass, ihre Aktien zu verkaufen. Denn in eine Panik hinein zu verkaufen, hat sich in der Vergangenheit so gut wie nie als gute Idee erwiesen.

Das zeigt ein Blick auf eine Studie, die das amerikanische Analysehaus Ned Davis Research vor kurzem zum Aktienmarkt im Zeichen geopolitischer Krisen durchgeführt hat.

Herausragende Erholungsfähigkeiten

Demnach erholte sich der Aktienmarkt, gemessen am Dow Jones Industrial Average Index, in den folgenden Monaten von seinen Panik-Tiefständen, die auf dem Höhepunkt geopolitischer Krisen markiert wurden.

Der Rebound fiel dabei im Schnitt so deutlich aus, dass der Dow Jones sechs Monate später sogar höher stand. Um genau zu sein: sechs Prozent höher.

Durchschnittliche Veränderungen im Dow nach goepolitischen Krisen

Durchschnittliche Veränderungen im Dow nach geopolitischen Krisen. | Bildquelle: Ned Davis Research , Grafik: boerse.ARD.de

11. September ist ein gutes Beispiel

Um ein Beispiel aus der jüngeren Geschichte zu nennen: Fünf Tage nach den Anschlägen vom 11. September notierte der Dow Jones 17,5 Prozent unterhalb seines Schlusskurses vom 10. September.

Anfang November, weniger als zwei Monate nach der Terrorattacke, stand der Dow Jones schon wieder höher als am 10. September.

Und der Dax? Wahrscheinlich dasselbe in grün

Anleger, die nun einwenden, dass sich diese Statistik auf den Dow Jones und nicht den Dax bezieht, sollten Folgendes bedenken: Erstens, sind statischen Datenreihen für den Dow Jones wegen seiner längeren Existenz einfach aussagekräftiger als für den Dax, der nur auf eine knapp 30-jährige Geschichte zurückblicken kann.

Zweitens, hat der Dax in seiner Geschichte niemals über einen längeren Zeitraum hinweg ein nennenswertes Eigenleben entwickelt.

Panik-Tage als Kaufgegelegenheit

Verkaufen in eine Panik hinein ist also für alle, die keine Daytrader, sondern eher mittel- bis langfristig orientiert sind, keine gute Idee.

Im Gegenteil: Im Rückblick haben sich solche Panik-Tage häufig als gute Kaufgelegenheiten erwiesen. Nicht umsonst gibt es die Börsenregel: "Kaufen, wenn die Kanonen donnern!"

Etwas Abkühlung tut gut

Panik-Tage, also Tage mit einem Abwärtsvolumen von 90 oder besser: 95 Prozent und mehr an der NYSE, leiten zudem auch kurzfristig häufig einen kleinen Turnaround ein. Denn dann haben zunächst erst einmal alle verkauft, die verkaufen wollten.

Sie sehen: Es gibt gute Gründe, jetzt einen kühlen Kopf zu bewahren. Auch wenn unsere Psyche uns unter Druck setzt: Begehen Sie bloß nicht den typischen Anlegerfehler, teuer zu kaufen und billig zu verkaufen.

Die „Fieberkurve“ des typischen Anlegers

Die „Fieberkurve“ des typischen Anlegers. | Bildquelle: Universität Zürich

Auf der Jagd nach Rendite…

Zahlreiche Studien haben die Überrenditen erforscht, die Anleger mit einer Buy-and-Hold-Strategie bei Investments einfahren konnten.

Anleger, die trotzdem verunsichert sind und nun weitere Kursverluste befürchten, können über den Kauf eines Short-Zertifikates nachdenken. Mit diesem ließen sich weitere Kursverluste im Depot abfedern.

Vielleicht sollten Sie das Ganze aber auch einfach einmal aus einer anderen Perspektive betrachten: Vielleicht gibt es jetzt die eine Aktie, die Sie schon so lange auf Ihrer Watchlist haben, gerade günstiger zu haben…

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