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Wall Street: Bereit für die Korrektur?! Warnsignale mehren sich

Luftschiff Hindenburg

Hindenburg-Omen en masse

Die Marktbreite an der Wall Street lässt nach: Im S&P 500 haben sich jüngst zahlreiche Hindenburg-Omen gebildet, darunter fünf an nur sechs Handelstagen in Folge.

Es ist diese Dichte, die nun unter Experten Sorgen schürt: Zuletzt hatte es im November 2007 so viele Hindenburg-Omen in so kurzer Zeit gegeben. Kurz darauf brach die Finanzkrise aus.

Wall Street: Bereit für die Korrektur?! Warnsignale mehren sich

Luftschiff Hindenburg

Hindenburg-Omen en masse

Die Marktbreite an der Wall Street lässt nach: Im S&P 500 haben sich jüngst zahlreiche Hindenburg-Omen gebildet, darunter fünf an nur sechs Handelstagen in Folge.

Es ist diese Dichte, die nun unter Experten Sorgen schürt: Zuletzt hatte es im November 2007 so viele Hindenburg-Omen in so kurzer Zeit gegeben. Kurz darauf brach die Finanzkrise aus.

S&P 500 versus S&P 500 gleichgewichtet

Interne Marktschwäche

Dass die Marktbreite immer mehr schwindet, zeigt auch ein Blick auf den gleichgewichteten S&P 500. Dieser hat seit Jahresbeginn rund sieben Prozent eingebüßt, während der "normale", nach Marktkapitalisierung seiner Mitglieder gewichtete, S&P 500 knapp acht Prozent im Plus notiert.

Die auf den ersten Blick gute Performance des S&P 500 wird also nur von wenigen Unternehmen getragen: Konzerne wie Apple, Microsoft, Facebook und Amazon stehen alleine für rund 10 Prozent des Index – obwohl sie weniger als 1 Prozent der Unternehmen im S&P 500 ausmachen.

Eine Korrektur ist längst überfällig

Größere Rückschläge, Korrekturen und auch Crashs gehören zu einem "normalen" Börsenleben einfach dazu. Doch die laufende Aktien-Rally in den USA dauert laut der Schweizer Bank Julius Bär bereits rund 440 Wochen an.

Damit ist sie die längste Aktienrally seit 1930 ohne einen Rückschlag von mehr als zehn Prozent ("Korrektur"). Die zweitlängste Aktien-Rally ab 1990 dauerte 406 Wochen, die drittlängste ab 1982 lediglich 263 Wochen.

Dow Jones Durchschnittsverlauf der 7er-Jahre

Das "verflixte" 7. Jahr

Auch diese Statistik verheißt für die Wall Street nicht Gutes: In Börsenjahren, die auf "7" enden, geraten die Aktienmärkte im Spätsommer/Herbst für gewöhnlich in schwieriges Fahrwasser.

Üblicherweise bildet sich in 7er-Jahren nämlich Anfang August ein Aktienhoch aus, bevor es dann im Rahmen einer Herbstkorrektur im September/Oktober scharf nach unten geht. Man denke nur an den Crash im Oktober 1987…

Late Day Index versus Dow Jones

Schlaues Geld auf dem Rückzug

Auch der "Late Day Index" von Robert Rethfeld, "Wellenreiter-Invest", sticht als Problemanzeiger hervor. Dieser misst die Performance des Dow Jones Index in den letzten beiden Handelsstunden. In dieser Zeit sind besonders viele professionelle Investoren ("smart money") unterwegs.

Er zeigt seit April eine strukturelle Schwäche: Während der Dow immer weiter gestiegen ist, überwogen in den letzten beiden Handelsstunden die Verkäufe. Dies bedeutet Gewinnmitnahmen des smarten Geldes.

Nebenwerte senden SOS: Kursverlauf am Börsenplatz Nyse für den Zeitraum 1 Jahr

Nebenwerte senden SOS

Die im Russell 2000 notierten Nebenwerte sind jüngst unter ihre 200-Tage-Linie gefallen und senden damit ein technisches Verkaufssignal. Mittlerweile notiert der Index für das Jahr 2017 sogar in der Verlustzone.

Die amerikanischen mittleren und kleineren Unternehmen gelten als wichtiger Maßstab für den Zustand der amerikanischen Wirtschaft. Häufig haben sie eine Vorläuferfunktion für den Gesamtmarkt.

Charles Henry Dow

Das dürfte Charles Dow nicht gefallen

Auch der Dow Jones Transportation Index ist unter den gleitenden Durchschnitt der vergangenen 200 Tage gefallen.

Gemäß der Dow-Theorie bestätigen die Transport-Aktien damit den mittel- bis langfristige Aufwärtstrend im Dow Jones Industrial Index nicht. Eine negative Divergenz hat sich ausgebildet, die für den Gesamtmarkt nichts Gutes verheißt.

Kurzfristig negative Charttechnik : Kursverlauf am Börsenplatz S&P Indizes für den Zeitraum 1 Jahr

Kurzfristig negative Charttechnik

Auch die großen Indizes wie der S&P 500 haben jüngst ein tieferes Hoch unterhalb des Hochs von Anfang August ausgebildet. Ein solch sekundäres Hoch hat das Potenzial, eine Abwärtsbewegung in Schwung zu bringen.

Kurzfristig hat sich ein Abwärtstrendkanal ausgebildet. Mittel- bis langfristig ist der Aufwärtstrend allerdings weiter intakt. Doch nicht nur technisch, auch fundamental haben sich die Perspektiven für den US-Markt zuletzt eingetrübt…

Shiller PE Ratio

Gnadenlos überbewertet

Der US-Markt ist nach allen Regeln der Kunst überbewertet. Egal, ob man auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis, das Kurs-Umsatz-Verhältnis oder das Shiller-KGV blickt: Die Bewertungen für den amerikanischen Aktienmarkt haben sich im Zuge des laufenden Bullenmarktes in schwindelerregende Höhen geschraubt.

Der breite Markt in den USA ist aktuell stärker überbewertet als 2007 vor Ausbruch der Finanzkrise. Das Shiller-KGV für den S&P 500 notiert sogar fast so hoch wie vor dem Schwarzen Dienstag 1929, der die Große Weltwirtschaftskrise einläutete.

Würfel

Und trotzdem…

Die Würfel sind noch nicht gefallen. Die aktuelle Phase der Überbewertung könnte noch eine gute Weile andauern. Denn wie schon John Maynard Keynes wusste: "Märkte können viel länger irrational sein, als man selber liquide ist." Auch Saisonalitäten und statistische Wahrscheinlichkeiten sind keine Einbahnstraße an der Börse.

Umgekehrt gilt aber auch: Eine Korrektur kann sich in solch einem Umfeld jederzeit ihre Bahn brechen. Dazu bedarf es dann unter Umständen nicht einmal mehr eines besonderen Auslösers. Darauf sollten Anleger besser vorbereitet sein.

Angela Göpfert, boerse.ARD.de

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