Russell 2000 saisonal 30 Jahre

Blick auf den Russell-2000-Index Vorsicht! Jetzt beginnt die Sommerflaute

Stand: 20.07.2017, 13:29 Uhr

Wer sich bei Anlageentscheidungen von Börsenweisheiten leiten lässt, kann sich schnell eine blutige Nase holen. In diesem Jahr galt das etwa bisher für den Spruch "Sell in May and go away". Dennoch kommt es in den Sommermonaten häufig zu Kurseinbrüchen, wie die Statistik zeigt.

Der hier betrachtete Russell-2000-Index bietet besonders ausgeprägte saisonale Trends. Bei den darin enthaltenen Nebenwerten ist es in den vergangenen 20 Jahren zwischen Juli und Oktober häufig zu Kursrückgängen, ja Einbrüchen, gekommen. Marktanalyst Dimitri Speck hat sich die Entwicklung des weltweit beachteten US-Aktienindex zwischen 1987 und 2015 angeschaut und dabei herausgefunden, dass die Kurse in der Zeit zwischen Mitte Juli und dem 27. Oktober in 17 von 30 Fällen rückläufig waren.

Dabei seien die Verluste stets höher gewesen als die Gewinne in den Zeiträumen mit steigenden Kursen. Wer also zwischen Mitte Juli und Ende Oktober "short" geht, das heißt auf fallende Kurse wettet, oder sein Geld von der Börse abzieht, hat gute Chancen, Überrenditen zu erzielen.

Nicht nur Nebenwerte betroffen

Im Russell 2000 sind die 2.000 kleinsten nach Marktkapitalisierung gewichteten US-Unternehmen gelistet. Der Index repräsentiert zehn Prozent der Marktkapitalisierung der US-amerikanischen Aktienmärkte.

Doch die saisonabhängige Entwicklung der Aktienmärkte trifft nicht nur auf Nebenwerte zu. Auch für die meisten Leitindizes gilt: August und September sind die schwächsten Börsenmonate. Dieses Sommerloch an den Börsen ist über lange Zeiträume statistisch gut belegt. "Wer das saisonale Muster beherzigt, kann deutliche Überrenditen erzielen“, erklärt Speck, der die Site seasonalcharts.de betreibt.

Keine Regel ohne Ausnahme

Und aus der Statistik ist zu entnehmen, dass mehr als 90 Prozent der jährlichen Kursgewinne in den sechs Monaten November bis Ende April entstehen. Es kann also durchaus Sinn machen, dass risikoaverse Anleger in den Sommermonaten ihr Geld auf Tagesgeldkonten parken.

Allerdings gibt es keine Regel ohne Ausnahmen. "In manchen Phasen werden die Märkte durch andere Faktoren dominiert“, so der Dimitri Speck. Der Brexit, die anhaltende Schuldenkrise oder die Unberechenbarkeit des amerikanischen Präsidenten können für Unsicherheit im Markt sorgen, andere politische Signale oder das Handeln der Notenbanken können die Kurse explodieren oder einbrechen lassen – unabhängig von der Jahreszeit. Anleger sollten deshalb in jedem Fall wachsam bleiben.

lg

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