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Anlagestrategie

Lahme Ente

"Lahme Enten" sind schlecht für Aktien

Steht uns das Schlimmste noch bevor?

von Angela Göpfert

Stand: 26.01.2016, 11:45 Uhr

Ist es naiv zu glauben, die Aktienmärkte hätten ihr Tief schon hinter sich? Der typische Kursverlauf in "Lame Duck"-Wahljahren lässt jedenfalls Böses ahnen.

Für gewöhnlich sind US-Wahljahre an der Börse mit einem positiven Nimbus versehen. Laut dem Präsidentschaftszyklus – einer der wenigen gut funktionierenden Zyklen in der Finanzwelt – können Anleger in einem Wahljahr auf Kursgewinne hoffen.

Nicht aber so in einem "Lame Duck"-Wahljahr. Seit 1900 ist der S&P 500 in Jahren, in denen der amtierende Präsident nicht mehr zur Wahl steht, im Schnitt um 1,2 Prozent gefallen. Nur in 44 Prozent aller Fälle kam es zu Kursanstiegen.

Letztes Bush-Jahr? Der blanke Horror!

Zum Vergleich: Steht der amtierende Präsident zur Wiederwahl, steigen in einem Wahljahr in 83 Prozent aller Fälle die Kurse.

Den tiefsten Fall in einem Lame-Duck-Wahljahr erlebte der S&P 500 im letzten Amtsjahr von George W. Bush: Im Finanzkrisenjahr 2008 brach der US-Aktienindex um rund 41 Prozent ein.

Aktientief im Februar?

Der bisherige desaströse Januar passt übrigens hervorragend in den typischen Kursverlauf eines Lame-Duck-Wahljahres. Demzufolge bildet sich ein erstes vorläufiges Tief zu Beginn des letzten Januar-Drittels aus. Tatsächlich startete die laufende Gegenbewegung just am 21. Januar.

Doch schon Anfang Februar – das wäre nächste Woche, nach der Fed-Sitzung – startet üblicherweise die nächste Verkaufswelle (siehe unsere Grafik). Erst Ende Februar/Anfang März wird das Jahrestief markiert.

Dow Jones Index in Lame-Duck-Wahljahren

Erst ab März geht es in Wahljahren aufwärts, in denen sich der amtierende Präsident in seiner zweiten und damit letzten Amtszeit befindet. | Bildquelle: Wellenreiter-Invest, Grafik: boerse.ARD.de

Nur Geduld!

Robert Rethfeld von "Wellenreiter-Invest" rät vor diesem Hintergrund vor voreiligen Einstiegen in den Aktienmarkt zum jetzigen Zeitpunkt ab. Schnäppchenjäger sollten sich besser noch ein wenig gedulden.

»Ein selektiver Einstieg Richtung Ende Februar/Anfang März sollte ein besseres Chance-/Risiko-Verhältnis offerieren.«

Robert Rethfeld, Wellenreiter-Invest

Robert Rethfeld

Kennt sich aus mit Saisonalitäten: Robert Rethfeld von Wellenreiter Invest . | Bildquelle: Robert Rethfeld, Wellenreiter-Invest; Quelle: Unternehmen

Dow-Theorie funkt SOS

Natürlich macht es wenig Sinn, an der Börse einzig und allein auf Basis statistischer Verlaufswahrscheinlichkeiten zu handeln. Interessant wird es aber dann, wenn Saisonalität und Charttechnik in die gleiche Richtung deuten.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum 2 Jahre
Kurs
17.873,22
Differenz absolut
44,93
Differenz relativ
+0,25%

So funkt die Dow-Theorie schon seit langem SOS, hat doch der Dow Transportation Index den Ausbruch des Dow Jones Index auf ein neues Allzeithoch im Mai nicht mit vollzogen. Auch jetzt ist eine Umkehr im Dow Transportation nicht erkennbar, die negative Divergenz bleibt bestehen.

Sollten die US-Märkte ihre August-/September-Tiefs im zweiten Anlauf nachhaltig unterschreiten – ein erster Test in der Vorwoche führte noch zu einer kleinen Bärenmarktrally, dann würden Charttechnik und Saisonalität Hand in Hand gehen. Richtung: Süden.

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