Seitenueberschrift

Vermögensverwalter Bert Flossbach

Repression treibt Anleger-Karawane in Aktien und Gold

nb

Die Niedrigzinsen machen auch renommierten Vermögensverwaltern wie Bert Flossbach Sorge. Selbst Firmenanleihen und Schwellenländer-Papiere seien kaum noch eine Alternative. Einzig Qualitätsaktien und Gold versprechen langfristig gute Renditen.

Die Hysterie um die Fiskal-Klippe kann der Vorstand von Flossbach von Storch nicht so recht verstehen. Die Fiskalklippe, moniert Flossbach in seinem Jahresbericht, habe eine ganze andere Klippe in den Hintergrund gedrängt: die Zinsklippe. Anleger müssten sich künftig auf eine ganz lange Zeit extrem niedriger Nominalzinsen und negativer Realzinsen einstellen. Nach Abzug der Inflation verliere ein Sparbuch oder eine Anlage in Bundesanleihen jedes Jahr an Wert, auch wenn der Depotauszug Kapitalerhalt suggeriere. Das, so Flossbach, sei die "Nominalwert-Illusion". "Statt eines risikolosen Zinses gibt es jetzt das zinslose Risiko."

Ein Trauerspiel für Neuanleger: Die Rendite zehnjähriger Bundespapiere

Konnten Anleger bisher beispielsweise mit einer im Mai 2007 aufgelegten zehnjährigen Bundesanleihe bei einem jährlichen Kupon von 4,25 Prozent eine stolze Gesamtrendite von 6,4 Prozent p.a. erzielen, droht ihnen mit dem Tag der Fälligkeit das böse Erwachen. Die Anleihe muss dann durch eine Neuanlage ersetzt werden. Und die brächte eben nur noch Mini-Zinsen und magere Renditen.

Renditen von Firmen- und Schwellenländer-Papieren gesunken

Wegen dieser Zinsklippe müssen Anleger Ausschau nach neuen Ertragsmöglichkeiten halten. Und da wird es knifflig. Bisher boten noch Unternehmens- oder Schwellenländer-Anleihen eine renditeträchtige Alternative. Doch diese schönen Zeiten sind vorbei. Unternehmensanleihen bringen laut Flossbach nur noch eine Durchschnittsrendite von 2,6 Prozent. Und selbst Anleihen der Schwellenländer seien kaum lukrativer, dafür aber riskanter. Eine sechsjährige Brasilien-Anleihe werfe nur noch eine Rendite von 1,7 Prozent ab. Und eine achtjährige Nigeria-Anleihe biete gerade mal 4,1 Prozent. Selbst Anleihen von Spanien sind mit gut 5,0 Prozent attraktiver als Staatstitel von Nigeria.

Die Finanzrepression mit Niedrig- oder gar Negativ-Zinsen sowie die ständige Ausweitung der Geldmenge wird das Augenmerk der Anleger zukünftig noch stärker auf Sachwerte richten. Als größten Nutznießer sieht Flossbach… Aktien.

Aktien sind erste Wahl

Deren Dividendenrenditen lägen inzwischen deutlich über dem Renditeniveau von Renten und schützen zudem vor Inflation. Mit gut vier Prozent sei die Dividendenrendite eines diversifizierten Portfolios inzwischen doppelt so hoch wie die Rendite von erstklassigen Firmenanleihen. Der Vermögensverwalter hält Aktien nach wie vor für günstig bewertet. Das KGV an den meisten Börsen betrage zwischen dem 10,5 und 12,5-fachen der für 2013 erwarteten Gewinne - ein Niveau deutlich unter dem historischen Durchschnitt.

Flossbach prophezeit bis zu zweistellige Kursgewinne mit Aktien in den nächsten fünf Jahren. Der MSCI Weltindex könnte seiner Prognose zufolge um 59 Prozent oder 9,7 Prozent jährlich steigen. Inklusive Dividenden ließe sich gar eine Rendite von fast 12 Prozent jährlich erwirtschaften. Mit Qualitätsaktien sogar noch mehr.

Gold als "Anker einer neuen Weltwährungsordnung"

Auch Gold sieht Vermögensverwalter Flossbach als Profiteur der Finanzrepression. Das Edelmetall "wird die Währung der letzten Instanz in einem globalen Abwertungswettlauf der Papierwährungen", glaubt der Experte. Gold könnte in den nächsten Jahren zu einer Parallelwährung werden, die als Anker einer neuen Weltwährungsordnung dient.

Für den ehemaligen Goldman-Sachs-Banker war 2012 "das Jahr der irreversiblen Öffnung der Geldschleusen". Nun erleben wir den Anfang vom Ende des "Fiat-Geldsystems", bei dem Geld nicht durch Sachwerte gedeckt, sondern beliebig vermehrbar ist. Diese Entwicklung werde sich fortsetzen. Auch 2013 werde ein Jahr der Notenbanken, prophezeit Flossbach. "Ohne das billige Geld der Währungshüter ist kein Staat mehr zu machen."

Darstellung: