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Anlagestrategie

Rätselnder Mann und Frau vor Dax-Kurve

Börsenjahr 2016 mit Katastrophenstart

Quo vadis, Dax?

Stand: 04.01.2016, 15:44 Uhr

Der "gute Rutsch" kam nicht zum Jahreswechsel, sondern zum Start des Börsenjahres an diesem Montag - und er war auch nicht gut. Für Anleger deutet sich ein holpriges Jahr an den Finanzmärkten an.

"Ein Traumstart ins Jahr sieht anders aus", sagte ein Händler am Montagmorgen gleich zu Handelsbeginn in Frankfurt. Mit zwischenzeitlich rund 4,5 Prozent Verlust steuerte der Dax bis zum Nachmittag gar auf einen noch schwächeren Jahresstart als 1988 hin, damals hatte der Leitindex 4,8 Prozent tiefer geschlossen.

Mit hohem Volumen abwärts

Viel besser dürfte die Tagesbilanz zum Handelsauftakt anno 2016 wohl trotz leichter Erholung am Nachmittag nicht ausfallen. Besorgniserregend ist neben dem Ausmaß der Verluste auch das Handelsvolumen. Bereits am Mittag hatte es mit 2,1 Milliarden Euro im Dax höher gelegen als das des gesamten letzten vollen Handelstages 2015 am vergangenen Dienstag.

Ein schwacher Januar, so zeigt es die Börsenhistorie, ist mehrheitlich auch ein Gradmesser für das gesamte Börsenjahr. Und um die Verluste des ersten Handelstages wieder wett zu machen, fehlt dem Dax wohl auch in den kommenden Tagen der Schwung.

Weite Spanne an Banken-Prognosen

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Börsenexperten in den Bankentürmen waren sich schon zum Ende des vergangenen Jahres unsicher wie selten, was dem Dax 2016 zuzutrauen sei. Allzu optimistisch erscheinen positive Prognosen wie die von der Helaba, die beim Index bis zum Jahresende bis zu 12.400 Punkte für möglich halten. Chefökonomin Gertrud Traud meint: "Das fortgesetzte Anleihekaufprogramm der EZB ermöglicht den europäischen Aktienmärkten neue Rekorde." Ob das eher pessimistich eingestellte Bankaus Lampe besser liegt (Prognose. 8.500 Punkte), bleibt abzuwarten.

China-Crash als Katalysator?

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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In aktuellen Stellungnahmen sind die Experten deutlich risikobewusster. Jochen Stanzl, Chef-Stratege beim Brokerhaus CMC Markets, unterstreicht die "Ansteckungsgefahren", die von einer schwächelnden chinesischen Wirtschaft ausgehen könnten. Schwache Industriedaten hatten am Morgen einen Crash an der Shanghaier Börse ausgelöst. Gemeint sind mit Ansteckung aber nicht nur reflexartig fallende Aktienkurse in Europa, sondern Auswirkungen auf die "Realwirtschaft" und vielleicht sogar die Geldpolitik der Notenbanken.

Exportwerte unter Beobachtung

Konkret dürfte die anhaltende Schwäche in China vor allem die exportorientierten deutschen Konzerne betreffen, dazu gehören Autokonzerne, aber auch Chemie- und Pharma-Hersteller. CMC-Analyst Stanzl weist jedoch außerdem darauf hin, dass der Dollar am Montag gegenüber dem Euro kaum zulegen konnte. Dies wertet er als Zeichen, dass "die neuerlichen Tumulte aus China den Zinsanhebungskurs der US-Notenbank erneut durchkreuzen könnten". Zu deutsch: Selbst die Zinswende, die die US-Notenbank Fed im Dezember nach langer Hängepartie eingeleitet hatte, steht wieder in Frage, sollte der Börsencrash in China weitergehen. Auch das Wachstum in den USA ist nicht losgelöst von der lahmenden Konjunkturlok im Reich der Mitte.

Zinsspirale auf der Kippe?

Zur wackelnden Konjunkur und Geldpolitik kommen derzeit auch noch geopolitische Problemstellungen größeren Ausmaßes. Der Terror des IS in Syrien und im Irak sorgt für Verunsicherung. Dazu tritt aktuell auch noch der Konflikt der beiden Regionalmächte Saudi-Arabien und Iran. In der Auseinandersetzung geht es vordergründig um religiöse Weltanschauungen, de facto aber vor allem um die Machtstellung am persischen Golf.

Für Anleger bleibt die derzeitige Lage damit erst einmal brenzlig am Aktienmarkt. Wer bei den derzeit scheintbar "günstigen" Kursen auf Schnäppchenjagd geht, sollte sich der Risiken bewusst sein. Die anhaltende Geldflut durch die Notenbank allein sind jedenfalls kaum eine Gewähr für eine schnelle Erholung (dazu unser Ausblick "Pro und Contra Aktienmarkt").

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Fluchtburgen bei bröckelnden Aktienmärkten zu finden, fällt ebenfalls nicht leicht. Die Dauer-Niedrigzins-Phase hatte dem breiten Anleihenmarkt im vergangenen Jahr den ersten Verlust seit vielen Jahren beschert. Bundesanleihen, die Parade-Parkstation für langfristig denkende Anleger, liefern bestenfalls eine Nullrendite. Und selbst bei Gold funktioniert die langjährige Rolle als Krisenschutz nicht mehr. Wegen der Mini-Inflation in Euro- und Dollarraum bleiben die Goldkäufer aus - und die Notierungen reagieren kaum auf Börsenkrisen.

Geduldsprobe überstehen

Für langfristig orientierte Anleger dürfte aber die Devise "Ruhe bewahren" am Aktienmarkt die sinnvollste Strategie sein. Auf Sicht von einigen Monaten werden sich die Kurse am Aktienmarkt mangels Alternativen wohl wieder berappeln. Und nach mehreren guten Börsenjahren würde selbst ein schwaches Jahr nichts an der grundsätzlichen Attraktivität von Aktien ändern.

AB

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