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Frappierende Statistik
Phänomen Jahresendrally
Der Dezember hat begonnen und wieder mal zeigen sich die Anleger in Kauflaune. Ein Verhaltensmuster, das es schon seit Jahren gibt. Was steckt dahinter? boerse.ARD.de hat nachgehakt.
Durchschnittlich vier Prozent Performance schafft der Dax zur Jahreswende
Zahlen lügen nicht: In den vergangenen zwanzig Jahren hat der deutsche Leitindex Dax in den letzten Tagen des alten Jahres fast immer deutlich zugelegt.
Wie die auf einen Zeitraum von zwanzig Jahren zurückgehende Grafik zeigt, ist der Index im Mittel seit 1992/93 in diesem Zeitraum sage und schreibe um mehr als vier Prozent gestiegen. Nach Berechnungen des Börsenstatistikers Dimitri Speck immerhin im Schnitt rund die Hälfte des Jahresertrages.
Auch in einem längeren Betrachtungszeitraum zeigt sich das Verhaltensmuster deutlich und gewinnt dadurch an Aussagekraft. Der zweite Chart zeigt den Durchschnitt von 30 Kalenderjahren, der den typischen saisonalen Verlauf abbildet. Er weist von Mitte Dezember an eine Steigerung des Indexwertes von 106,7 auf 109,5 Punkte aus, ein überproportional starker Anstieg.
Vor allem ab Mitte Dezember gewinnt der Dax überproportional
Börsianer sprechen daher seit Jahren lapidar von der "Jahresendrally". Das Phänomen gehört in der Tat zum festen Ritual am Aktienmarkt, übrigens nicht nur in Deutschland. Was aber sind die Gründe dafür, dass es fast immer zum Jahresende mit den Kursen bergauf geht?
Emotionale Gründe
Für den Experten Speck, der sich speziell mit saisonalen Effekten beschäftigt, liegen die Gründe auf zwei Ebenen. Zum Einen auf einer emotionalen, also börsenpsychologischen Sichtweise. Denn laut Speck ist es statistisch erwiesen, dass Menschen eher bereit sind Aktien zu kaufen, wenn sie gute Laune haben, sich also "gut fühlen". In der in der Regel stimmungsvollen Vorweihnachtszeit ist genau dies oft der Fall.
Ein weiterer psychologischer Grund ist der, dass der Mensch sich gerade zum Jahresende darüber Gedanken macht, "wie es weitergehen soll". Auf die Börse bezogen also die Frage, in was denn mit Blick auf das neue Jahr investiert werden soll.
Ein ähnlicher Zusammenhang ergibt sich auch in den ersten Handelstagen des neuen Jahres, die saisonal betrachtet eine Wertentwicklung von rund einem Prozent ergeben. "Zusammen mit den gut drei Punkten seit Mitte Dezember also fast vier Prozent Wertentwicklung", erläutert der Experte.
Finanzielle Gründe
Aber zum Anderen es gibt auch handfeste finanzielle Gründe. Beispielsweise Ausschüttungen oder aber das berühmte "Window Dressing" institutioneller Investoren zum Jahresende. Dabei versuchen die Profis, noch vor dem Jahresende schlechte Aktien schnell noch aus dem Portfolio rauszuwerfen und gute Titel zuzukaufen. Ein geringere Marktliquidität unterstützt diese Tendenzen. Damit kann dann dem Kunden im Jahresausweis eine bessere Portfoliozusammensetzung präsentiert werden.
Unabhängig davon, welchen Argumenten man nun folgen mag, 2012 würde die Jahresendrally entscheidend von der Aussicht getragen, dass die drohende Fiskalklippe in den USA umschifft werden kann. Deshalb sieht Marktanalyst Robert Halver von der Baader Bank auch gute Chancen für eine Jahresendrally 2012. "Zudem sind viele institutionelle Investoren bislang immer noch nicht investiert", konstatiert der Analyst weiter. Auf ein Neues also.
Stand: 05.12.2012, 15:47 Uhr