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Geld

Eingerollte Euroscheine mit Kette umwickelt und durch Zahlenschloss gesichert

Kampf gegen Schwarzgeld und Steuerhinterziehung

Ökonomen fordern: Weg mit dem Bargeld

Stand: 17.05.2015, 16:59 Uhr

Brauchen wir noch Münzen und Geldscheine? Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger meint nein. Das Bargeld fördere nur Schwarzarbeit und den Drogen-Handel. Auch der Harvard-Professor Ken Rogoff plädiert dafür, keine großen Geldscheine mehr auszugeben.

Was sich in skandinavischen Ländern zunehmend durchsetzt, könnte auch irgendwann in Deutschland Realität werden: das Ende des Bargelds. In Dänemark brauchen voraussichtlich ab dem kommenden Jahr Tankstellen, Restaurants und kleine Läden kein Bargeld mehr annehmen. Die dänische Notenbank will ab Ende 2016 keine neuen Banknoten drucken - mangels Nachfrage. 2014 wurden nur noch rund ein Viertel aller Zahlungen im Einzelhandel mit Bargeld oder Scheck vorgenommen. Nahezu jeder erwachsene Däne besitzt eine Bank-Karte.

"Bargeld braucht nur doch Deine Oma und der Bankräuber"

Auch Schweden entwickelt sich zur bargeldlosen Gesellschaft – vor allem aus logistischen Gründen. Denn angesichts der geringen Bevölkerungsdichte ist es aufwendig, Bargeld von Bank zu Bank zu transportieren, meinen Experten. "Bargeld braucht nur noch Deine Oma - und der Bankräuber", heißt ein Slogan der schwedischen Bargeld-Gegner. Besonders radikal ist Abba-Gründer Björn Ulvaeus. Er will, dass alle auf das Bargeld verzichten.

Kenneth Rogoff

Kenneth Rogoff. | Quelle: picture-alliance/dpa

Unterstützung erhalten die Bargeld-Gegner von Wirtschaftswissenschaftler Kenneth Rogoff. Er plädiert dafür, Bargeld als Zahlungsmittel allmählich auslaufen zu lassen. Besonders große Geldscheine sollten von den Notenbanken nicht mehr ausgegeben werden, fordert er. Damit würde man das Geschäft vieler Verbrecher erschweren. Die Anonymität von Bargeld werde gern für illegale Transaktionen genutzt oder um Steuern zu hinterziehen, sagte er gegenüber dem "Handelsblatt". Rogoff sprach sich dafür aus, als ersten Schritt nur noch die kleineren Banknotenstückelungen herauszugeben.

Rogoff warnt vor Bargeld als Wertaufbewahrungsmittel

Hinzu kämen geldpolitische Erwägungen. "Wenn die Geldhalter auf zinsloses Bargeld ausweichen können, kann die Zentralbank den Leitzins nicht allzu weit unter null senken", meint er. Tatsächlich wird Bargeld zunehmend als Wertaufbewahrungsmittel verwendet. Bei Negativ-Zinsen ist Bargeld eine Alternative. So zeigen in der Schweiz angeblich größere Vermögensverwalter Interesse an der Lagerung umfangreicher Bargeldbestände, berichtete unlängst die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Bofinger: "Münzen und Geldscheine sind ein Anachronismus"

Peter Bofinger. | Quelle: Unternehmen

In Deutschland macht sich der Wirtschaftsweise Peter Bofinger für die Abschaffung des Bargelds stark. "Bei den heutigen technischen Möglichkeiten sind Münzen und Geldscheine ein Anachronismus", sagte er dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Fallen diese weg, könnten die Märkte für Schwarzarbeit und Drogen ausgetrocknet werden.

Der Volkswirtschaftsprofessor forderte die Bundesregierung auf, auf internationaler Ebene für eine Abschaffung des Bargelds zu werben. "Das wäre jedenfalls ein gutes Thema für die Agenda des G-7-Gipfels in Elmau Anfang Juni."

Deutsche bezahlen immer noch am liebsten bar

Bei der Deutschen Bundesbank sieht man derzeit keinen Anlass, den Bargeld-Verkehr einzuschränken. Die meisten deutschen Bürger würden auf Bargeld nicht verzichten wollen. Laut einer aktuellen Studie werden 53 Prozent der Waren und Dienstleistungen hierzulande mit Münzen und Geldscheinen bezahlt. Das mobile Bezahlen steckt in Deutschland in den Kinderschuhen. Laut der Bundesbank werden nur zwei Prozent der Zahlungen mit dem Handy beglichen.

nb

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