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Tag eins nach dem Hexensabbat

O je! Wird der März wieder zum Turnaround-Monat?

von Angela Göpfert

Der März gilt an den Finanzmärkten als der Turnaround-Monat schlechthin. Im März haben sich einige der spektakulärsten Trendwenden der jüngeren Börsengeschichte abgespielt. Werden wir das Dax-Hoch vom Freitag also so schnell nicht wiedersehen?

Wiederholt sich im März 2013 die Geschichte?

Der Tag eins nach dem Hexensabbat, an dem der Dax bei 8.074 Punkten ein neues Fünf-Jahres-Hoch markieren konnte, lässt sich jedenfalls denkbar schlecht an. Nach den Hiobsbotschaften aus Zypern durchbricht der Dax gleich zu Handelsauftakt die 8.000-Punkte-Marke und rauscht bis auf 7.901 Zähler in die Tiefe. Das Hoch vom Freitag rückt zunächst in weite Ferne.

Marktexperten wie Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest und Ronald Gehrt von ING Markets hatten bereits im Vorfeld gemahnt, dass der große Verfallstermin für Futures und Optionen am 15. März maßgeblich für den Anlauf des Index an neue Höchstkurse sein könnte.

Sind die 8.074 Punkte im Dax ein wichtiges vorläufiges Hoch?

Märkte bereit für einen Trendwechsel?
Tatsächlich bildet der Markt häufig an Verfallsterminen (oder am Positionierungstag eine Woche vor dem jeweiligen Verfallstermin) wichtige vorläufige Hoch- oder Tiefpunkte aus, die dann für viele Monate bestimmend sind.

Denn viele professionelle Anleger schließen an diesen Tagen ihre Long- oder Short-Positionen. Damit tritt eine Bereinigung ein, die durchaus den Boden für einen längerfristigen Trendwechsel bilden kann.

Auch in den Jahren 2000…

Das Dotcom-Fieber bläst eine gewaltige Blase auf.

Die Dotcom-Blase platzte just im März 2000

Hinzu kommt: Vor allem im März haben sich in der jüngeren Börsengeschichte häufig wichtige Trendwechsel ergeben. Im Rückblick sticht als erstes natürlich das Dax-Hoch vom 7. März 2000 ins Auge.

An diesem Tag, eine Woche vor dem großen Verfallstermin, markierte der Dax sein Allzeithoch bei 8.151 Punkten. Es folgte das Platzen der Dotcom-Blase, der Dax rauschte bis 2003 bis auf 2.188 Zähler in die Tiefe.

… 2007, 2008, 2009, 2011 und 2012…

Auch in den vergangenen sechs Jahren – mit Ausnahme des Jahres 2010 – brachten entweder der Positionierungstag oder der Verfallstag einen zumindest einige Monate andauernden Trendwechsel: Im März 2007 bedeutete der Verfallstag das Jahrestief.

Im März 2008 war der Positionierungstag das Frühjahrs-Tief, ein Jahr später bedeutete er sogar das Bärenmarkt-Tief: Von dem März-Tief 2009 bei 3.588 Punkten aus startete der Dax seine Rally. Im März 2011 markierte er am Verfallstag und im März 2012 am Positionierungstag jeweils ein Tief, das über viele Monate hinweg Bedeutung hatte.

… war der März ein Turnaround-Monat

Diese Statistik liest sich in der Tat beeindruckend. Doch warum haben sich ausgerechnet im März häufig Wendepunkte im Markt ergeben? Experten rätseln noch. Historisch Bewanderte mögen allerdings zu bedenken geben, dass der März schon bei den Römern ein Monat der Aufruhr war ("Iden des März").

Fazit: Ein Blick auf die jüngere Börsengeschichte lässt den Kursverfall vom Montag, am Tag eins nach dem Verfallstermin, besonders kritisch erscheinen. Zumindest in der kurzfristigen Perspektive.

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