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World of Trading

"Neuer Tag – neue Chancen"

von Andreas Braun

Egal was die Märkte machen, mit Traden kann man immer gewinnen, ist die Botschaft der Tradermesse "World of Trading" in Frankfurt. Banken und Broker wetteifern mit einer Leistungsschau ihrer Plattformen und Produkte um Kunden, und sie nehmen den Trader auf dem Weg in die Börsengeschäfte auch bei der Hand.

3.000 Euro am Tag? Das schaffen wenn überhaupt nur wenige

"Sie sollten sich vor allem wohlfühlen mit Ihrer Strategie", mahnt Erdal Cene auf seinem Seminar "Handelsstrategien entwickeln und bewerten". Der erfahrene Börsenhändler zeigt anhand flackernder Charts mit bunten Candlestick-Formationen, wann ein echter Trend im Markt zu beobachten ist und wann der Markt nur seitwärts trottet. "Irgendwann kommt es danach immer zum Ausbruch", sagt Ceran und schüttelt dazu eine Mineralwasser-Flasche mit Kohlensäure, "und dann muss man dabei sein".

Von "Pyramidisierung" und "Positionsgrößen" erfahren die – ganz überwiegend männlichen – Seminarteilnehmer einiges. Besonders aufmerksam sind die Zuhörer, wenn der Referent Anekdoten aus seinem eigenen Trader-Leben zum Besten gibt: "Ein ehemaliger Kollege von mir macht 50 Trades am Tag und ist mit ganz kleinen Gewinnen pro Trade zufrieden, der macht trotzdem jeden Tag 3.000 Euro". "Ich habe Ihr Buch gelesen", raunt ein Teilnehmer am Ende der Veranstaltung dem Referenten zu, "es hat mich sehr motiviert".

Mit Speed zum Gewinn

Mit insgesamt 60 Seminaren und Fachvorträgen will die World of Trading in ihrem achten Jahr ihre 4.000 erwarteten Besucher mit dem nötigen Handwerkszeug versorgen, um im schnellen Markt mit Aktien, Währungen und Rohstoffen auf der Gewinnerseite zu bleiben. Dass an der Börse mit spekulativen Investments schnell viel Geld zu verdienen ist, suggerieren auf der Messe schon die Stände der Aussteller. Hochgezüchtete Software-Produkte verbreiten die Hoffnung, dass der Profit beinahe automatisch zu erzielen ist, erfahrene Trader zeigen im "Live-Trading", wie per Mausklick ein Wert gekauft und wenige Minuten später schon mit Gewinn verkauft wird.

Der Schweizer Broker MIB Trading hat eigens eine Formel 1-Wagenattrappe auf seinem Stand aufgebaut, mit der die Besucher ein Gefühl für den "Speed" der Finanzwelt erfahren können. Auf Kundenfang gehen auf der "WOT" vor allem Broker, die den Handel  mit hochspekulativen Derivaten wie CFDs und Optionsscheinen oder Forex-Produkten anbieten. Aber auch die Commerzbank-Tochter Comdirect oder der S-Broker des Sparkassen-Systems sind auf der Messe vertreten. Die eigentlich eher für Tagesgeld-Konten bekannte niederländische ING ist ebenfalls mit ihrer Trading-Plattform und dem Slogan "Neuer Tag – neue Chancen" präsent.

Kunden mit Tradingguthaben gelockt

Für die Eröffnung eines neuen Broker-Kontos überbieten sich die Anbieter inzwischen mit Start-"Geschenken". Hier 100, dort sogar 300 Euro als Guthaben zur Kontoeröffnung sind keine Seltenheit. Allerdings wird das Guthaben nur mit den Trading-Gebühren oder bei einer Mindestanzahl von Geschäften verrechnet.

"Eine Art Märchenstunde"

Doch auch durchaus kritische Töne sind auf der Messe zu hören. Börsenhändler Jens Rabe ist ganz überrascht, dass bei seinem Seminar: "Vom Hobbytrader zum Berufshändler, so überleben Sie die Lernkurve" der Saal aus allen Nähten platzt. "So eine Messe wie diese hier ist ja eigentlich so eine Art Märchenstunde", sagt er. Den Neueinsteigern im Börsengeschäft rät er vor allem, Vorsicht walten zu lassen und schockt mit einer Statistik: "90 Prozent aller Neukunden im Trading vernichten innerhalb von sechs Monaten ihr komplettes Konto." Eine Strategie zu finden, die zur eigenen Persönlichkeit passt, sich eine mehrjährige Lehrzeit einzuräumen und nicht auf astronomische Gewinne zu spekulieren, verlängere das Überleben an der Börse erheblich, so Rabe.

Stand: 16.11.2012, 17:25 Uhr