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Wenn Analysten irren

Ja, ist denn Dax die Möglichkeit!

von Ursula Mayer

Die Dax-Rally kam für die meisten Analysten dieses Jahr völlig überraschend. Ihre Prognosen fielen 2011 viel düsterer aus: Sie sahen den Leitindex, durch die Schuldenkrise gebeutelt, schon tief im Börsensumpf herumschlurfen.

Blick auf die Daxtafel durch ein Fernrohr

Die Dax-Rally 2012 hatten Analysten nicht auf dem Schirm.

Auf turbulente Zeiten stellte sich beispielsweise Ulrich Stephan ein. Der Global Chief Investment Officer für Privat- und Geschäftskunden bei der Deutschen Bank prognostizierte, dass der Jahresanfang 2012 durch die volkswirtschaftliche Unsicherheit und hohe Volatilität geprägt sei.

Die Zukunft des Aktienmarkts hing für seinen Kollegen Jörg Krämer, Chefvolkswirt bei der Commerzbank, wie für andere Experten davon ab, wie effektiv die Schuldenkrise bekämpft werden könne. "2012 wird ein Schicksalsjahr für die europäische Währungsunion", brachte es Krämer auf den Punkt.

Kursverfall auf bis zu 4.000 Punkte denkbar

Die Schuldenkrise dürfte die Konjunktur und die Gewinne der Unternehmen stark beeinträchtigen, folgerte Commerzbank-Analyst Andreas Hürkamp. Er senkte deshalb die Wachstumsprognosen für Deutschland und den Euroraum und vermutete den Dax 2012 in einem Spektrum zwischen 5.200 und 6.200 Punkten.

Die Experten der DZ Bank gingen noch einen Schritt weiter: Sie hielten im Falle einer Rezession sogar einen Kursverfall auf bis zu 4.000 Dax-Punkte für möglich. Davon ist der Dax mit seinen derzeit 7.630 Zählern Lichtjahre entfernt. Kaum jemand ahnte 2011, dass der Dax dieses Jahr knapp 30 Prozent gewinnen und auf bis zu 7.682,90 Zähler klettern würde. Aber irren ist menschlich oder, um es mit Mark Twain zu sagen: "Prognosen sind äußerst schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen."

EZB schlägt Analysten einen Haken

Schließlich konnten Analysten selbst mit modernsten mathematischen Modellen nicht vorhersehen, dass die europäische Zentralbank eine dramatische Wende in ihrer Geldpolitik vollziehen würde. Völlig überraschend versicherte EZB-Chef Mario Draghi im Sommer, alles zu tun, um den Euro zu retten. Das war Balsam für die verunsicherten Anleger. Sie zeigten sich wieder risikofreudiger und investierten mehr in Aktien. Dass die EZB genau wie die Fed den Geldhahn in historisch einmaligem Ausmaß aufgedreht haben, dürfte so manche Prognose zu Fall gebracht haben.

Zugegeben: Das Geschäft mit den Zukunftsprognosen ist ein zweischneidiges Schwert: Alle Jahre wieder nötigen Kunden und Journalisten Finanzexperten, einen Blick in die Kugel zu werfen. Das tun diese Fachleute oft nur ungern, gerade weil sie um die Kurzlebigkeit solcher Voraussagen wissen. Und damit haben sie recht: Denn stellen sich die Aussagen als falsch heraus, werden sie dafür oft genug von der Medienwelt im Nachhinein zur Rechenschaft gezogen.

Ich sehe was, was du nicht siehst

Die Wirtschaft dürfte sich 2013 erholen und die Börsenrally damit in gemilderter Form fortsetzen, da sind sich die meisten Experten einig. Die Analysten der Deutschen Bank sehen den Dax bei 8.000 Punkten, die Helaba vermutet ihn sogar noch darüber, sollte die europäische Schuldenkrise beendet werden. Am optimistischen ist die Commerzbank, die einen Sprung des Dax auf bis 8.500 Punkte prophezeit.

Die Pessimisten sind in der Minderheit. So rechnet William De Vijlder, Chefanlagestratege der BNP Paribas Investment Partner, mit einem "schwierigen Aktienjahr". Völlig aus der Reihe schert Steen Jakobsen, Chefökonom bei der Saxo Bank. Er hält es für möglich, dass der Dax im neuen Jahr um ein Drittel auf 5.000 Punkte abstürzt. "2013 ist das Jahr, in dem Deutschland von der Realität eingeholt wird," so lautet seine Begründung. Von einer Prognose würde er selbst nicht einmal sprechen, sondern eher von einem Gedankenspiel. Er erklärt:"Bevor wir Anlageentscheidungen treffen, sollten wir uns jeglicher Risiken bewusst sein und auch ein Worst-Case-Szenario durchdacht haben."