Anlegermesse

World of trading Messe 2015

World of Trading Gewinne per Mausklick?

von Andreas Braun

Stand: 20.11.2015, 16:06 Uhr

Kletternde Dax-Kurse lassen auch die Kauflaune bei kurzfristig orientierten Anlegern wieder steigen. Auf der Anlegermesse in Frankfurt können sich an diesem Wochenende die Anbieter kaum vor Trading-Interessierten retten. Es locken gewaltige Gewinne – und manchmal auch heftige Verluste.

„3-2-1- Yesss!““. Am Messestand eines Anbieters von Binären Optionen auf der World of Trading im Frankfurter Messe-Zentrum werden Börsenwetten im Sekundentakt beklatscht und bestaunt. Trifft das Szenario, das der Trader selbst aufgebaut hat, zu? Wird ein Kursbereich erreicht und der Einsatz verdoppelt? oder verfällt die Option auf den Dax binnen eines Augenblicks wertlos?

Börse als Jahrmarkt, das ist aber nur eine Seite der alljährlichen Messe, auf der eine bunte Mischung von Trading-Interessierten aller Altersgruppen gebannt auf die flackernden Kurs-Charts an den Ständen der Broker schauen.

Von Deutscher Bank bis eToro

So bunt wie das Publikum, so gemischt auch die Aussteller. Die Deutsche Bank-Tochter xMarkets ist mit ihren Zertifikaten ebenso vertreten wie die niederländische Diba oder Direktbanken wie die DAB-Bank oder die Commerzbank-Tochter comdirect.

Mehr und mehr Platz an den Messeständen beanspruchen aber die Anbieter von Differenzkontrakten, kurz CFD (contract for difference). Mit den Derivaten kann per Mausklick der  Dax-Index oder der Euro-Dollar-Kurs „gekauft“ werden. Schon winzige Kursveränderungen sorgen für große Schwankungen in den Anlegerdepots, denn CFDs werden fast ausnahmslos mit hohen Hebeln gehandelt.

CFDs-Anbieter in der Übermacht

World of trading-Messe 2015 in Frankfurt am Main

World of trading. | Bildquelle: picture alliance / dpa, Montage: boerse.ARD.de

Der CFD-Handel ist gerade in den vergangenen Monaten deutlich gewachsen. Wie der neu aufgestellte Verband im Rahmen der Messe verkündet, nahm allein im dritten Quartal die Zahl der Konten um 28 Prozent auf 141.000 zu. Rund eine halbe Milliarde Euro an Handelsvolumen wurde in dem Zeitraum bewegt.

Beim praktischen Handel greifen die Anbieter den Trading-Novizen gerne unter die Arme. Jens Klatt vom Broker FXCM etwa rät, sich beim Trading auf die großen Trends im Chartbild zu konzentieren. „Überfrachten Sie Ihr Trading-Setup nicht mit Indikatoren“. Das meint auch Kollege Heiko Behrendt, der am Stand des Konkurrenten IG Markets nur ein paar Trendlinien zieht und dann kurzentschlossen „long geht“, also einen Dax-Kontrakt kauft. „Ich habe die Erwartung, dass der Index jetzt bald nach oben ausbricht“, sagt er unter dem Raunen des Publikums. Wenige Minuten später schließt er den Trade wieder – mit Verlust: Die Erwartung wurde diesmal nicht erfüllt.

"Lassen Sie doch die Könner machen“

Immer präsenter sind auch die Anbieter von Social-Trading auf der Messe. eToro, ayondo und Wikifolio ermöglichen es, den Trades von vermeintlichen Top-Tradern vollautomatisiert zu folgen, um dann, so die Hoffnung, die Gewinne der Könner ebenfalls einfahren zu können.

Am Stand von ayondo etwa hat der ehemalige TV-Moderator Stefan Riße und heutige Vermögensverwalter und Fondsmanager eine neue Aufgabe als Social-Trading-Experte gefunden. „Ich sehe hier glaube ich nicht nur Millionäre“, so Riße bei einem Vortrag am Messestand. Warum sollten Sie also nicht mit einem Teil Ihres Geldes auf einen Trader setzen, der für Sie Performance macht?“

Vollautomatisch und mobil

Für Performance sorgen sollen auch die mächtigen Handelssoftware-Tools, die ein privater Trader inzwischen nutzen kann. Eine übersehbare Anzahl von Indikatoren oder Ordertypen zur Verlustbegrenzung stehen dafür zur Verfügung. „Trailing Stops“ können Gewinne – so sie denn entstehen – so lange „verfolgen“, bis der Trend wieder kippt. Dann erfolgt die Ausführung vollautomatisch.

Auch mobiles Trading wird immer populärer. Mit Hilfe von entsprechenden Apps kann eine Position in Sekundenschnelle eröffnet und auch wieder geschlossen werden. Beim Broker FxFlat werden bereits 50 bis 60 Prozent aller Transaktionen von einem Mobilgerät aus durchgeführt. Die Börse ist vom großen Handelssaal in Hosentasche eines Smartphone-Besitzers gewechselt, so scheint es. Traden kann heutzutage Jeder, Gewinnen wohl aber nicht. Die Mehrheit aller Anleger, die mit Hebelprodukten tradet macht noch immer Verluste, das bestätigen Studien und Umfragen immer wieder. Bleibt also noch viel zu lernen, über den richtigen Einstieg, vor allem aber den gewinnträchtigen Ausstieg aus dem Markt.

Die World of Trading im Kongress-Zentrum der Frankfurter Messe ist am Freitag und Samstag von 9 bis 18 geöffnet.

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