Illustration: auf einer Blumenwiese wächst ein Pfeil in Richtung Sonne

Anlagestrategie auf dem Prüfstand Frühjahrs-Rally statt Sell in May?!

von Angela Göpfert

Stand: 02.05.2017, 07:58 Uhr

Die Chancen auf eine ausgedehnte Frühjahrs-/Sommer-Rally stehen wahrlich nicht schlecht. boerse.ARD.de erklärt, warum "Sell in May" dieses Jahr eine schlechte Idee sein könnte.

Alle Jahre wieder: Jedes Jahr, Ende April, Anfang Mai wabert ein äußerst populärer Anlagetipp durch die Medien und die Köpfe der Anleger: "Sell in May and go away!" Die Aufforderung an die Anleger ist klar: Sie sollen alle ihre Aktien verkaufen und ab dem 1. Mai für fünf Monate Cash halten – "but remember to come back in September".

Eine Statistik nur fürs dritte Jahr!?

"Sell in May" ist wohl die einzige Saisonalität, die es wirklich ins Bewusstsein der meisten Privatanleger geschafft hat. Schade, denn ausgerechnet diese Saisonalität ist bei näherem Hinsehen nur mit geringer Treffsicherheit ausgestattet.

So fanden Anfang des Jahres zwei Forscher, Kam Fong Chan von der Queensland-Universität in Australien und Terry Marsh, ein emeritierter Finanzprofessor der kalifornischen Berkeley-Universität, heraus, dass die ganzen vordergründig positiven Statistiken zu "Sell in May" letzten Endes auf einer Anomalie im dritten Amtsjahr des US-Präsidenten beruhen.

Kein Unterschied zwischen Sommer- und Winter-Performance

Während seines ersten, zweiten und vierten Amtsjahres sind dagegen keinerlei Unterschiede bezüglich der Markt-Performance in den Sommer- und Wintermonaten statistisch messbar.

Da wir uns aktuell im ersten Amtsjahr von Donald Trump befinden, gibt es somit keine saisonalen Statistiken, die Kursverluste ab dem 1. Mai nahelegen würden. Mal ganz zu schweigen von den unglaublichen Transaktionskosten, die eine solche Strategie mit sich bringt.

April – letzter Halt vor der Frühjahrs-/Sommer-Rally

Apropos US-Präsident: Der US-Präsidentschaftszyklus ist einer der wenigen wirklich funktionierenden Zyklen an der Börse überhaupt. Dieser legt für ein Nachwahljahr wie 2017 jedoch keineswegs Kursverluste ab Mai, sondern – ganz im Gegenteil – sogar eine ausgeprägte Frühjahrs-/Sommer-Rally nahe.

Demnach wird Ende April ein wichtiger Tiefpunkt markiert, bevor es im Mai dann so richtig losgeht und die Kurse bis August steigen.

Chart Dow Jones Nachwahljahre

Chart Dow Jones Nachwahljahre. | Grafik: boerse.ARD.de, Dimitri Speck / www.seasonalcharts.com

Verblüffende Ähnlichkeit zwischen 2016/17 und 1986/87

Übrigens: Auch der Dekadenzyklus, also der typische Verlauf des Dow Jones Index in 7er-Jahren, legt eine solche Rally nahe. Frappierend ist überdies die Ähnlichkeit der Verlaufsmuster 2016/2017 zu 1986/1987.

Dow Jones 1986/1987 und 2016/2017

Dow Jones 1986/1987 und 2016/2017. | Bildquelle: Wellenreiter.de, Grafik: boerse.ARD.de

Dazu meint Robert Rethfeld, Marktexperte und Wellenreiter-Invest und Kenner von Saisonalitäten:

»Der Verlaufsvergleich 1986/87 und 2016/17 bleibt intakt. Der tatsächliche Verlauf in 2017 wird sicherlich abweichen. Exakte Kopien kommen an den Märkten eher selten vor.«

Es gibt doch nichts über "Buy and Hold"!?

Zusammenfassend sollten Anleger sich von dem alljährlichen Gerede von "Sell in May" also besser nicht verrückt machen lassen.

»Der beste Ratschlag ist immer noch dieser: Investiere in einen breit aufgestellten ETF und halte ihn – in guten wie in schlechten Zeiten. Dein Profit wird langfristig sicherlich höher sein als bei einer "Sell in May"-Strategie.«

Diesem Ratschlag von Mark Hulbert, Gründer von Hulbert Financial Digest und Marketwatch-Kolumnist, kann man sich nur anschließen.

Das dicke Ende kommt noch…

Anleger sollten angesichts der aus saisonaler Perspektive kurzfristig positiven Perspektiven allerdings eines nicht vergessen: Im Herbst droht den Aktienmärkten laut 7er-Zyklus und US-Präsidentschaftszyklus ein empfindlicher Rückschlag.

Anleger, die das Risiko in ihrem Portfolio etwas abfedern wollen, sollten daher spätestens im Laufe des Sommers über eine Absicherungsstrategie nachdenken. Dazu bietet sich etwa der Kauf eines Mini-Shorts an.

Sollte es an den Märkten im Herbst wirklich bergab gehen, dann verschafft man sich mit einem solchen Papier Zeit, um in Ruhe nachzudenken und rationale Anlage-Entscheidungen zu treffen.

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