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FinTech

Erik Podzuweit

Interview

"Fein abgestimmte Portfolio-Zusammensetzung"

Stand: 15.01.2016, 16:09 Uhr

Eine Vermögensverwaltung per Mausklick, die es mit professionellen Anlagelösungen aufnimmt. Die Latte haben sich die Gründer von Scalable Capital bewusst hoch gelegt. Erik Podzuweit, einer der Macher des Unternehmens, im Interview mit boerse.ARD.de.

boerse.ARD.de: Herr Podzuweit, Scalable Capital ist bereits seit Herbst letzten Jahres "am Markt". Wie sieht der Kundenzuspruch aus?

Erik Podzuweit: Sehr erfreulich, wobei wir bislang ja noch Interessenten auf Anfrage für unsere Plattform freischalten. Das wollen wir aber in wenigen Wochen ändern und werden dann Scalable Capital komplett öffnen.

boerse.ARD.de: Wer findet sich bislang auf Ihrer Kundenliste, und können Sie schon Aussagen zur Kundenzahl und der Höhe der Mittel angeben, die Sie verwalten?

Podzuweit: Letzteres wollen wir tun, sobald wir eine "kritische Masse" beziehungsweise Zahl erreicht haben. Unsere bisherigen Kunden würde ich als "smart Professionals" bezeichnen. Dazu gehören viele private Anleger aus der Finanzbranche, aber auch viele Mediziner und Ingenieure, die ihr Geld professionell managen lassen wollen.

boerse.ARD.de: Und genau darum soll es bei Ihrem "Robo Advisor" gehen. Wie sieht denn das Management des Kapitals bei Ihnen im Gegensatz zu einer klassischen Bankberatung oder einer großen Vermögensverwaltung aus?

Podzuweit: Nun, in den Genuss einer individuellen Vermögensverwaltung kommen Sie ja in der Regel erst ab einem Millionenbetrag. Und von der Bankberatung in der Filiale wollten wir uns natürlich ganz bewusst abkoppeln. Dort werden unserer Erfahrung nach Produkte verkauft, die oft vom Vertrieb platziert werden, aber wenig mit dem Anlagebedürfnis und der Risikobereitschaft der Kunden zu tun haben. Bei uns wird nicht "das Produkt der Woche" verkauft, sondern eine fein abgestimmte Portfolio-Zusammensetzung.

boerse.ARD.de: Im Gegensatz zu anderen Anlage-"Robos" begnügen Sie sich nicht damit, Anlagebeträge über eine breite Diversifikation auf mehrere Anlageklassen zu verteilen. Sie schichten fortlaufend um, warum?

Podzuweit: Unser zentrales Element dafür ist das Risiko, das wir über die Kenngröße "Value at risk" (VaR) abbilden. Damit wird, vereinfacht gesagt, prognostiziert, wie hoch ein bestimmter Verlust in einem bestimmten Zeitrahmen mit einem bestimmten Portfolio ausfallen wird. Erscheint eine Anlageklasse oder eine Anlageregion zu einem Zeitpunkt nach diesen statistischen Daten als zu riskant, bauen wir entsprechend diese Position im Anleger-Portfolio ab.

boerse.ARD.de: Wie oft werden solche Umschichtungen vorgenommen?

Podzuweit: Wir tun das in der Regel einmal wöchentlich. Die Veränderungen der Risiken werden aber für die Anleger-Depots täglich gemessen.

boerse.ARD.de: Sie greifen damit direkt auf diese Kundendepots zu und nehmen Veränderungen vor. Sind Sie damit quasi ein Vermögens-Verwalter?

Podzuweit: Wir haben in der Tat eine BaFin-Erlaubnis zur aktiven Verwaltung unserer Kundenvermögen. Ohne diese Erlaubnis wäre unsere Systematik auch gar nicht umsetzbar.

boerse.ARD.de: Wie kann der Kunde dann noch Einfluss auf sein Depot nehmen?

Podzuweit: Der Kunde erteilt uns vertraglich die Erlaubnis zu diesem Management. Das Depot selbst liegt aber bei unserem Partner, der Baader Bank. Und die einzelnen Anlageprodukte, also die ETFs (Exchange Traded Funds) sind natürlich wie in jedem anderen Depot gesetzlich geschütztes Sondervermögen. Der Kunde kann unsere Betreuungsfunktion natürlich jederzeit mit sofortiger Wirkung beenden.

boerse.ARD.de: Sie selbst und ein Großteil Ihrer Gründungspartner sind ehemalige Investmentbanker bei Goldman Sachs. Inwieweit hat diese Vergangenheit Ihr heutiges Unternehmen beeinflusst?

Podzuweit: Wir haben natürlich über einige Jahre beobachten können, wie ein großer Player am Kapitalmarkt agiert und seine Portfolios verwaltet. Dabei geht es vor allem darum, langfristig investiert zu sein, seine Kosten niedrig zu halten und sein Risiko unter Kontrolle zu halten. Mit den Erkenntnissen und Technologien, die wir heute haben, ist das auch für Privatanleger möglich, das war unsere Motivation.

Das Gespräch führte Andreas Braun.

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