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Dax-Ausblick

Blick auf die Daxtafel durch ein Fernrohr

DZ Bank: Rückschlaggefahr steigt

Kommt 2016 der Crash?

Stand: 23.11.2015, 14:49 Uhr

Anleger darben an den niedrigen Zinsen. Deshalb hoffen sie auch ganz dringend darauf, dass wenigstens die Rally am Aktienmarkt weitergeht. Die DZ Bank kann sie da nicht ermutigen. Im Gegenteil.

Während viele Experten in den Bankhäusern in Erwartung einer erneuten Lockerung der europäischen Geldpolitik nicht müde werden, die Jahresendrally auszurufen, sagt die DZ Bank in ihrem neuen Jahresausblick: Große Sprünge sind beim Dax nicht drin. Chefanlagestratege Christian Kahler erwartet für das Jahresende einen Stand von 11.000 Punkten beim Deutschen Aktienindex, also unterhalb des aktuellen Niveaus von 11.100 Punkten.

Im nächsten Jahr sieht es kaum besser aus. "Neue geldpolitische Stimuli der EZB könnten dem Dax bis in das Frühjahr 2016 hinein zu einem Anstieg verhelfen", sagt Kahler. Der Index könnte in dieser üblicherweise starken saisonalen Phase durchaus auf 11.500 Punkte oder darüber steigen. "Agiert die EZB aber weniger expansiv, besteht noch im Dezember ein hohes Rückschlagrisiko", so Kahler.

Sind Aktien schon zu teuer?

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
10.480,33
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Auf mittlere Sicht dürften sich Anleger ohnehin nicht allzu lange von der Geldflut blenden lassen. Kahler hält es für wahrscheinlich, dass den Aktienmärkten, ähnlich wie im April 2015 sowie im Frühjahr 2012 nach der ersten Liquiditätsflut, die Luft ausgeht. "Steigt die Unsicherheit über den tatsächlichen Zustand der Weltwirtschaft wieder an, drohen Dax & Co. neue Enttäuschungen, weil das erreichte Bewertungsniveau nur bei einem dynamischen Gewinnwachstum zu rechtfertigen ist, nicht aber bei Stagnation auf solidem Niveau", führt Kahler aus. Impulse für die Aktienmärkte kommen kaum noch von steigenden Unternehmensgewinnen. Stattdessen habe gerade die zu Ende gehende Berichtssaison gezeigt, wie übertrieben sensibel die Märkte auf leichte Verfehlungen der Gewinnziele reagiert hätten.

Fast alle Aktienmärkte sind nach Kahlers Ermessen inzwischen recht teuer. Dax, MDax, EuroStoxx 50 genauso wie S&P 500 sind höher bewertet als im Mittel in den letzten zehn Jahrem. Bei den 30 großen deutschen Standardwerten liege das KGV inzwischen bei 13,2. Insbesondere am größten Markt der Welt, den USA, liege das Bewertungsniveau von Aktien schon relativ hoch.

Es bleibt stürmisch

Die weitere Prognose der DZ Bank: Mitte nächsten Jahres dürfte das Börsenbarometer sogar auf 10.500 Punkte zurückfallen, um am Jahresende wieder die 11.000 zurückzuerobern. Dabei dürfen die Aktien volatil bleiben. Kahler gibt eine Schwankungsbreite für den Dax zwischen 9.400 und 12.000 Zählern an.

Die Rückschlaggefahr sieht Kahler deutlich wachsen. Die seit langem ultraniedrigen Zinsen hätten sowohl bei Anlegern als auch bei Unternehmen für Fehlanreize gesorgt. So würden sich die Unternehmen immer höher verschulden, Übernahmen zu überhöhten Preisen finanzieren oder Aktien zu überteuerten Kursen zurückkaufen. Und die Investoren gehen auf der verzweifelten Suche nach Rendite immer höhere Risiken ein. Heftige Schwankungen sind damit fast garantiert.

Gibt es einen Crash?

"Dass es bislang noch keinen Crash gab, liegt vor allem daran, dass sowohl Öl als auch frisches Geld weiterhin billig sind. Die Frage ist, ob ein sanfter Ausstieg aus dieser ungewöhnlichen Konstellation gelingt", so Kahler. Immerhin ist der Preis für das Nordseeöl Brent in diesem Jahr um knapp 22 Prozent gefallen.

Für die Weltwirtschaft zeichnen die Volkswirte der DZ Bank ebenfalls ein eher verhaltenes Bild und rechnen 2016 wie in diesem Jahr mit einem Plus von rund drei Prozent. Die Schwellenländer hätten für die Weltkonjunktur wie auch für die deutschen Unternehmen als Wachstumstreiber ausgedient. Dafür belebt die binnenwirtschaftliche Nachfrage in den Industrieländern.

»Selbst ein exportstarkes Land wie Deutschland wird sein Wachstum im nächsten Jahr nicht steigern können. Dass es mit 1,8 Prozent stabil bleibt, verdanken wir einer wachsenden Binnennachfrage und der weiterhin unterstützenden lockeren Geldpolitik.«

Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank

Mehr öffentliche Ausgaben!

Für die Eurozone erwartet Chefvolkswirt Stefan Bielmeier einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 1,5 Prozent im Jahr 2016 und eine leichte Steigerung auf 1,7 Prozent im Jahr 2017.

Dass die Konjunktur in den Industrieländern relativ robust ist, führt Bielmeier auf eine verhaltene Entwicklung der Arbeitskosten und eine Stärkung der öffentlichen Nachfrage zurück. Vor allem die deutsche Wirtschaft profitiere von den strukturellen Verbesserungen der vergangenen Jahre. "Wir müssen aber aufpassen, dass wir diesen Vorsprung nicht aufzehren", gibt Bielmeier zu bedenken. "Insbesondere Entscheidungen wie die Einführung des Mindestlohnes können dazu beitragen, dass das Produktivitätswachstum hinter dem Lohnwachstum zurückbleibt. Darunter würde die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft leiden."

Auch wenn die Binnenwirtschaft derzeit von der positiven Einkommensentwicklung der privaten Haushalte profitiere, dürfe eine Stärkung des Konsums nicht zu Lasten des langfristigen Wohlstands der Gesellschaft gehen. Der Chefvolkswirt fordert deshalb eine Strategie zur Stärkung der Binnenwirtschaft, die auch öffentliche Investitionen einschließe.

bs

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