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Geldanlage

Goldenes Null Prozent-Zeichen vor dunklem Hintergrund

Niedrigzinsen mit verheerenden Folgen

Die Zinsfalle schnappt zu

Stand: 27.01.2015, 10:11 Uhr

Ob Aktien, Anleihen, Bankeinlagen, Lebensversicherungen oder Immobilien: Die historisch niedrigen Zinsen in Euroland ändern das Umfeld für alle Anlageklassen dramatisch. Dachfonds-Manager Eckhard Sauren beschreibt in einem "Weckruf" an Anleger den Anlagenotstand in Buchform.

Ein Schaubild sagt mehr als 1.000 Worte. Ein Blick auf die durchschnittliche Aufteilung des Vermögens der Deutschen zeigt, wie sehr die privaten Anleger auf die "Zinsfalle" zusteuern. Nach einer Untersuchung des Steinbeis Instituts in Berlin lagern im Schnitt 52 Prozent des Vermögens in Immobilien. Die nächstgrößten Postionen sind Bankeinlagen mit 18 und Lebensversicherungen mit knapp 14 Prozent. Investmentfonds (vier Prozent) spielen eine untergeordnete Rolle, Aktien fasst der risikoscheue Deutsche nach wie vor nur mit der Kneifzange an (durchschnittlicher Vermögensanteil 2,5 Prozent).

"Fast alle falsch positioniert"

Das Bild von der Vermögenslandschaft der Deutschen war ein Auslöser für Eckhard Saurens Öffentlichkeits-Offensive. "Wir haben gesehen, dass fast alle Anleger falsch positioniert sind", sagt der Dachfonds-Manager im Gespräch mit boerse.ARD.de (s. unser Interview).

Sein Buch wird Ende Januar erscheinen, und Sauren legt in allen Einzelheiten dar, welche Anlageklasse wie unter dem Dauer-Zinstief leidet. Für Einsteiger in die Finanzmaterie ist das Buch ebenso geeignet wie für Finanzinteressierte, Sauren erläutert die Anlageformen und auch etwa das Funktionieren der Versicherungswirtschaft zunächst grundlegend, bevor er auf die jeweiligen Folgen der Zins-Situation für jede einzelne Anlageform zu sprechen kommt.

Tagesgeld bietet realen Negativzins

Und die sind gravierend, wie Sauren mit seinem Autorenteam detailliert darlegt. Das Tagesgeldkonto wirft kaum mehr ein Prozent Zinsen ab. Die wird auf Sicht von mehreren Jahren wohl eine reale Negativrendite für den Sparer bedeuten. Denn die Inflation dürfte sich hierzulande wohl zwischen einem und 1,5 Prozent bewegen, sobald der Verfall der Energiepreise einmal zum Stillstand gekommen ist.

Wackelt die Lebensversicherungs-Branche?

Eine Lieblingsanlageform der Deutschen, die Kapitallebensversicherung, hat danach auf Sicht der nächsten Jahre ebenfalls ausgedient. Neuabschlüsse bieten nur noch einen mickrigen Zins, der nach Kosten der Versicherer ebenfalls in den realen Verlust für Kunden führen muss. Mehr aber noch: Durch die Verpflichtungen der Versicherungs-Unternehmen, für Altverträge noch höhere Zinsen zahlen zu müssen, können die Konzerne selbst an den Abgrund der Zahlungsunfähigkeit schliddern. Denn dort wo die Versicherer ihr Geld anlegen, ist nichts mehr zu verdienen.

Kursverluste im Anleihemarkt vorprogrammiert

Dieser Ort ist der Anleihemarkt. Rentenpapiere haben in den vergangenen Jahren wegen der sinkenden Zinsen und damit Anleiherenditen (dank der Kursgewinne) teils traumhafte Renditen erzielt. Doch mit dem Erreichen eines faktischen "Nullzins"-Niveaus ist das Ende der Fahnenstange auf absehbare Zeit erreicht. Sauren rechnet düstere Szenarien für Staatsanleihen-Besitzer aus, die auch in vielen Standard-Rentenfonds stecken. Wer etwa Ende 2014 eine Bundesanleihe gekauft hat, die mit einem Zinskupon von 3,75 Prozent ausgestattet ist und noch acht Jahre läuft, wird während der restlichen Laufzeit nur noch durchschnittlich 0,14 Prozent an Rendite einfahren können. Denn der Kurs der Anleihe, die jetzt bei 112 Prozent steht, geht bis zum Laufzeitende auf den Nennwert von 100 Prozent zurück.

Jede Zinsänderung nach oben würde den Kurseinbruch im Anleihen-Sektor noch beschleunigen. Und die Flucht in Unternehmensanleihen bringt laut Sauren auch nicht viel. Zu heiß gelaufen sind auch hier die Kurse, zu gering die Risikoaufschläge gegenüber den "sichereren" Staatstiteln.

Hohe Risiken mit Immobilien

Nicht einmal vor der Immobilie, der Deutschen liebste Anlageform als Vermögensbildung und Altersvorsorge, macht Saurens "Abrechnung" halt. Zwar sind die Hypothekenzinsen analog zum allgemeinen Zinsniveau ebenfalls fast auf null gefallen. Damit klettern allerdings die Preise für Wohnimmobilien gerade in Ballungsräumen gleichermaßen auf neue Höchststände. Das Risiko, beim Verkauf mit einem Haus oder einer Eigentumswohnung herbe Verluste einzufahren, blendeten die Anleger aber gerne aus.

Sicherer Hafen: Aktien!

Fatalerweise sehen gerade die Deutschen bei der Aktienanlage ein solches Verlustrisiko überdeutlich. Dabei ist die Aktienanlage die einzige Anlageform, bei der Anleger nicht unmittelbar von den Auswirkungen der Zinskrise betroffen sind. Denn als Anteile an Unternehmen sind Aktien als eher "zinsneutral" einzustufen. Entscheidend für den Kurs und den Wert einer Aktie ist das Gewinnpotenzial des Unternehmens.

Allerdings hat das niedrige Zinsniveau schon in den vergangenen Jahren einen kleinen Run auf die Dividendenpapiere eingeleitet, der die Bewertungen für den gesamten Aktienmarkt nach oben getrieben hat. Sollte sich eine deutliche Zinsabhebung in den kommenden Jahren konkretisieren, wäre ein Abfluss aus dem Aktienmarkt zurück zu den Festverzinslichen wohl eine Belastung für Dax und Co. Um der Zinsfalle in den kommenden Monaten und Jahren aber wenigstens zum Teil zu entkommen "geht am Aktienmarkt kein Weg vorbei", so  Sauren.

AB

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