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Anlagestrategie

Stockpicking ist Trumpf

Die Buffett-Methode

Stand: 08.05.2015, 15:55 Uhr

Ein halbes Jahrhundert Erfolg in der Finanzwelt ist kein Zufall. Warren Buffett, einer der reichsten Menschen der Welt, beachtet seit Jahrzehnten einige einfache Spielregeln bei der Vermögensanlage.

Seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway hat einen Börsenwert von über 350 Milliarden Dollar (umgerechnet 312 Milliarden Euro). Im letzten bilanzierten Geschäftsjahr 2014 lag der konsolidierte Umsatz der Gesellschaft bei 194 Milliarden Dollar. Die Unternehmen, an denen Berkshire beteiligt ist, beschäftigen gut 260.000 Menschen.

20 Prozent jährlich

Weil Warren Buffett seit mehreren Jahrzehnten unbeirrt seine "Value"-Strategie verfolgt und dabei trotz seiner Milliarden-Einnahmen (geschätztes Vermögen 2014: rund 70 Milliarden Dollar) auf dem Teppich geblieben ist, genießt der Milliardär Kultstatus. Nicht ganz so viele Anhänger hätte das "Orakel von Omaha" sicherlich, wäre da nicht der anhaltende Erfolg seiner Investitionen: Im Schnitt mehrte Buffett das Vermögen seiner Aktionäre im Schnitt um 20 Prozent jährlich- und das seit Beginn der 1960er Jahre!

Der Erfolg basiert auf einigen unumstößlichen Prinzipien, die er zum Teil von seinem Lehrmeister, dem Columbia-Professor Benjamin Graham, übernommen hat. Dessen "Dogs-of-the-Dow"-Strategie, nach der die jeweils dividendenstärksten Titel des Dow-Jones-Index gekauft werden, dürfte Pate gestanden haben bei Buffetts "Value"-Ansatz.

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Berkshire Hathaway A: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
223.295,04
Differenz absolut
2236,66
Differenz relativ
+1,01%
Berkshire Hathaway B: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
148,88
Differenz absolut
-1,67
Differenz relativ
-1,11%

Den haben Wissenschaftler der amerikanischen Yale-Universität 2012 noch einmal genauer betrachtet... und den Grund für Buffetts "Alpha", also seine Überrendite gegenüber dem Gesamtmarkt herausgearbeitet. Andrea Frazzini und David Kabiller sehen im Ansatz, "hervorragende Unternehmen" zu kaufen oder sich an ihnen zu beteiligen, das entscheidende Erfolgsprinzip des Investors. Sichere, günstig bewertete und qualitativ hochstehende Firmen ins Portfolio zu nehmen ist laut den Wissenschaftlern das A und O seines Erfolges.

Buffett hat sich in den vergangenen Jahrzehnten auch von einigen Fehlschlägen nicht von dieser Strategie abbringen lassen. Verluste bei einzelnen Investments hat der Börsenguru stets mit stoischer Gelassenheit weggesteckt.

Cash ist King - manchmal

Neben der Fähigkeit, günstig bewertete Unternehmen aus der Vielzahl von Investment-Chancen herauszufinden, gehören aber noch andere Aspekte zur Buffett-Methode. So ist sein Timing beim Ein- aber auch Ausstieg sicher ein weiterer Grund für die Überrendite, wenn Frazzini und Kabiller es auch nicht für so wichtig halten, wie dies viele Anleger glauben.

Eine Untersuchung der Analystin Alice Schroeder, die Buffett über Monate begleitete, gibt dazu einen weiteren Hinweis. Der Investor sieht Barmittel als Cash, nicht als renditeschwache Form der Anlage an, sondern als "Call Option" für das richtige Investment zum richtigen Zeitpunkt. Wenn die Gelegenheit zum Einstieg nicht gegeben ist, etwa weil viele aussichtsreiche Aktien schon gut gelaufen ist, stört ihn auch nicht die schwache Verzinsung der liquiden Mittel. Sie sind die Garantie dafür, dass zum richtigen Zeitpunkt Chancen auch wieder genutzt werden können.

Immer Herr im Hause

Ein weiterer Aspekt bei Buffetts Strategie ist der Hebel an Fremdkapital, den er einsetzt, um seine Firmenkäufe und -beteiligungen zu finanzieren. Dieser liegt laut der Experten beim 1,6-fachen der Eigenmittel, die er selbst für die Transaktionen einsetzt. Aus ihrer Sicht ist dies ein relativ kleiner Hebel. Zustatten kommt Berkshire Hathaway aber, dass das Unternehmen eine hervorragende Bonität besitzt, was dem Konzern sehr günstige Kredite ermöglicht und die Zinsbelastungen in engen Grenzen hält. Nicht zuletzt war Buffett dabei stets in der Lage, "Herr im Hause" zu bleiben, Entscheidungen über Kauf oder Verkauf von Beteiligungen konnten ihm nie von Kapitalgebern vorgeschrieben werden.

So konnte es Warren Buffett schaffen, aus einem Dollar binnen fünf Jahrzehnten 1.500 Dollar zu machen - ein Kunststück, an dem wohl alle anderen Investoren in der gleichen Zeit gescheitert sind.

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