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Dax 12000

Warum steigen die Kurse?

Dax springt über 12.000 Punkte

von Detlev Landmesser

Stand: 16.03.2015, 17:32 Uhr

Die Dax-Kurve wird steiler und steiler: Die aktuelle Liquiditätsrally hat den deutschen Leitindex am Montag erstmals über die Marke von 12.000 Punkten getrieben. Was steht sonst dahinter?

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Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Um 9:42 Uhr war die runde Marke erstmals in der Geschichte des Dax gefallen. Das Tageshoch lag bei 12.219 Zählern, ein Tagesplus von 2,6 Prozent. "Da staunt der Fachmann und der Laie wundert sich", kommentierten die Marktexperten von "Index-Radar".

Genauer gesagt kommen die Profis aus dem Staunen nicht mehr heraus. Zwar hatten viele von ihnen steigende Kurse auf der Rechnung, aber ein derart steiler Anstieg verblüfft selbst erfahrene Marktbeobachter. So hatten die technischen Analysten von HSBC Trinkaus, die in den vergangenen Jahren recht treffsicher waren, noch zu Jahresbegnn ein Jahresziel von 11.600 Dax-Punkten ausgegeben, das sie im Zuge der atemlosen Rally des Frühjahres einkassieren mussten. In diesem Jahr hat der Dax damit um fast 25 Prozent zugelegt!

Die runde Marke des führenden deutschen Aktienindex hat nicht nur eine psychologische Wirkung beispielsweise auf potenzielle Käufer. Viele Derivate wie Optionen oder Zertifikate sind auf diese Marke bezogen. So wurden heute um 9:42 Uhr viele dieser Produkte "ausgestoppt", was den Marktteilnehmern entsprechende Gewinne oder Verluste bescherte.

Was aber hat diese atemlose Rekordjagd ausgelöst, und wo soll das enden?

Geldschwemme der EZB

Die wichtigste fundamentale Erklärung für die zuletzt beschleunigte Rally ist die beispiellose Geldschwemme von Seiten der Europäischen Zentralbank. Diese hat am vergangenen Montag begonnen, über den Kauf von Staatsanleihen jeden Monat 60 Milliarden Euro in die Finanzmärkte zu pumpen. Ob diese Geldflut wie beabsichtigt tatsächlich in den Kreditmärkten landet, ist noch nicht ausgemacht - am Aktienmarkt wird das Geschenk jedenfalls dankend angenommen.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 1 Jahr
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Zumal das allgemeine Zinsniveau damit weiter gedrückt wird und Zinsanlagen im Vergleich zu Aktien noch unattraktiver werden. Ein weiterer, sicher erwünschter Effekt der europäischen Geldpolitik ist die Schwächung des Euro, die wie ein Extra-Konjunkturprogramm für die deutschen Exporteure wirkt, die für ihre Waren außerhalb des Euroraums deutlich mehr erlösen.

Wie weit die Liquiditätsschwemme die Kurse noch treiben kann, vermag niemand zu sagen. Das Ausmaß der geldpolitischen Stimulation ist ohne historisches Beispiel.

US-Investoren

Als zusätzlicher Kurstreiber lassen sich internationale Investoren ausmachen, insbesondere aus den Vereinigten Staaten. Schon seit einigen Wochen werden in den USA Investments in Europa als lohnende Alternative zum Heimatmarkt beworben - nicht zuletzt wegen des seit Monaten andauernden Abstiegs des Euro gegenüber dem Dollar, der Investments in europäische Wertpapiere deutlich günstiger gemacht hat. Sollte sich der Euro wieder erholen, winken den Amerikanern zusätzliche Devisenkursgewinne.

Zudem gelten deutsche Aktien im Vergleich zu ihren US-Pendants als unterbewertet. Nach Daten von Reuters liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) aller 30 Dax-Werte derzeit bei durchschnittlich 15,8 gegenüber 17,2 im Dow Jones. Der historische Durchschnitt des Dax-KGVs liegt bei 14,8.

Und anders als der Dow Jones hat der deutsche Dax-Kursindex, der wie der Dow die gezahlten Dividenden nicht enthält, seine alten Höhen erst just am Montag wieder erreicht. Im März 2000 notierte der Kursindex bei 6.266 Punkten, und hat genau diesen Wert gegen 17:00 Uhr kurzzeitig wiedergesehen. Gut möglich also, dass die zuletzt an der Wall Street abgezogenen Gelder zum Teil in den deutschen Markt fließen, womit sich die Schere zwischen Dax und Dow Jones immer weiter öffnet.

Die Hausse nährt die Hausse

Von technischer Seite lassen sich weitere Gründe für das Kursfeuerwerk anführen, die man unter der Überschrift "Die Hausse nährt die Hausse" zusammenfassen könnte. So ist ein Aufwärtstrend mit neuen Rekordständen das beste Kaufsignal, das die technische Analyse zu bieten hat. "Der Dax ist also weiterhin bestens unterstützt", erklärt beispielsweise Jörg Scherer, technischer Analyst bei HSBC Trinkaus.

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Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 5 Jahre
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Ein weiterer technischer Kurstreiber ist die Skepsis der Anlageprofis, von denen viele auf fallende Kurse gesetzt hatten. Diese Investoren sind nun gezwungen, ihre Positionen zu schließen, was sie im Falle von Leerverkäufen zu Aktienkäufen zwingt - ein "Short Squeeze" genanntes Phänomen, mit dem meist steile Anstiege gegen Ende einer Aufwärtsbewegung zu erklären sind.

Alle Kommentare (12)

Kommentar von "Hans Albert" am 16.03.2015, 23:12 Uhr

An dieser neuen Blase am Aktienmarkt kann man sehen, wohin die EZB Milliarden gehen. Nicht zu den Kleinbetrieben, die ihr Geschäft erweitern wollen. Die werden mit BWA-Kennziffern und Basel 2 geknebelt. Die EZB Milliarden sind neues Spielgeld fürs Casino der Zocker. In 2 Jahren werden die Bankmanager wieder bei den Regierungen stehen und erklären, wie systemrelevant sie sind, und nicht untergehen lassen darf.

Kommentar von "91541Matthias" am 16.03.2015, 22:10 Uhr

DerTanz um Geoldene Kalb Börse geht also weiter..der Absturz wird bald kommen und wieder viele Menschen in Verzweiflung stürzen..wie lange noch? Ist es das,was 1949 ff als soziale Marktwirtschaft installiert wurde oder ist dies der Ausverkauf unserer nationalen Interessen an "Europa",was immer das sein soll?

Kommentar von "Friederich Prinz" am 16.03.2015, 22:01 Uhr

Ich hoffe, daß Draghi für diese Schweinerei zur Rechenschaft gezogen wird - egal von wem und wie :-(

Kommentar von "AbseitsDesMainstreams" am 16.03.2015, 21:41 Uhr

Vielleicht haben es jetzt auch die Amerikaner kapiert, dass der Performance-Dax eine Mogelpackung ist?! Der ehrliche Dax ist der Kursdax! Und der Kursdax hängt seit rund 15 Jahren im Tal. Wenn das in den USA auch noch beworben wird und zusätzliche Wechselkursgewinne winken, fließen riesige Summen in den deutschen Aktienmarkt. Wo gibt es sonst soviel solide Wirtschaftskraft zu moderaten Preisen?

Kommentar von "Homunkulus" am 16.03.2015, 18:20 Uhr

Was Herr Draghi entgangen ist, Investitionen hängen nicht nur mit "billigem" Geld zusammen, sondern auch mit Vermögensverteilung und Perspektive. Leute mit Vermögen brauchen weniger Kredite und die ohne, die Kredite brauchen, bekommen keine oder nur sehr teure. Wobei immer mehr Leute, die Geld "gebrauchen" könnten, zu wenig verdienen. Das hemmt die Nachfrage, so dass Unternehmen bei Investitionen vorsichtiger werden. Durch zunehmende Komplexität und "neue Techniken" werden Aktivitäten von kleinen auf große Unternehmen verlagert, z.B. Einkaufen via Internet statt via Einzelhandel. Und Produktentwicklung/Verteilung kommen bei weiterer Automatisierung mit weniger Personal aus. Kurz: Wir verlassen gerade die "Wirtschaften für alle"-Zone hin zu "Wirtschaften für wenige" mit massiven sozialen Problemen. Die nächste Wirtschaftskrise ist schon zu sehen und wird auch die Aktienkurse massiv treffen. Und Börsenkurse stürzen meist wesentlich schneller ab als sie sich zuvor nach oben bewegt haben

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