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Liquiditätshausse

Billiges Geld treibt die Kurse

Dax klettert auf Allzeithoch

Am Dienstagvormittag war es soweit: Der Dax übersprang die bisherige Rekordmarke von 8.151,57 Punkten. Sie stammt vom Juli 2007. Werden die niedrigen Zinsen die Aktienkurse weiter nach oben treiben?

Bei der Diagnose sind sich die Börsenprofis einig. "Es ist letztlich das billige Notenbankgeld, durch das nun auch der Dax über sein bisheriges Hoch gehoben worden ist. Für die institutionellen Anleger gibt es keine wirklichen Anlagealternativen mehr zu deutschen Aktien. Anleihen werfen keine ordentlichen Renditen ab und die Rohstoffe sind zu volatil", sagt Händler Andreas Lipkow von Kliegel & Hafner.

Sein Kollege Oliver Roth von Close Brothers Seydler ergänzt: "Die Niedrigzinspolitik der Notenbanken liefert den Stoff, aus dem Träume gemacht werden."

"Mehr Kabbala als seriöse Analyse"

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr
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Am Nachmittag hat der Dax sogar die Marke von 8.200 Punkten überschritten. Doch wer vom Allzeithoch spricht, sollte auch ehrlich sein. Der Dax ist nämlich ein Performance-Index, bei dem ausgeschüttete Dividenden gleich wieder eingerechnet werden. Daher ist der Vergleich mit anderen Indizes wie dem amerikanischen Dow Jones, bei denen Dividenden nicht mit drin sind, eher schief. Der Dax-Kursindex - ohne Dividenden - liegt aktuell nur bei 4.383 Punkten. Dieser Index hatte sein Allzeithoch im März 2000 bei 6.266 Punkten aufgestellt. Hans-Jörg Naumer, Ökonom von Allianz Global Investors, sagt dazu: "Wer beim Dax nur auf Höchststände schaut, betreibt mehr Kabbala als seriöse Analyse."

Treibt die Geldschwemme weiter die Märkte?

Christian Schmidt, Aktienmarkstratege der Helaba schließt in seinem aktuellen Dax-Kommentar eine "Abwärtsreaktion" nicht aus. "Das nächste Kursziel auf der Oberseite findet sich bei 8.243 Punkten. Auf der Unterseite lässt sich ein erster Support bei 8.074 Zählern definieren", schreibt er. Etwas optimistischer klingt Uwe Streich, Aktienstratege bei der LBBW: "Die Geldschwemme weltweit trägt die Märkte und das dürfte auch erst einmal so bleiben."

Aktienmarktstratege Robert Halver von der Baader Bank sieht eher fundamentale Gründe für den weiteren Anstieg. "Die Weltwirtschaft wächst in diesem Jahr, davon profitiert natürlich auch Deutschland." Markus Wallner, Aktienstratege bei der Commerzbank, schränkt bereits ein: "Spätestens zur Jahresmitte muss von konjunktureller Seite nachgeliefert und der Aufschwung an den Märkten mit guten Unternehmensdaten unterfüttert werden - andernfalls drohen Rückschläge."

Dax in guter Gesellschaft

Auch die Wall Street verzeichnete zuletzt ein Allzeithoch. Der Dow Jones stieg bereits am Freitag über 15.000 Punkte. Der S&P 500 übersprang erstmals die Marke von 1.600 Punkten. Die Rally an den Börsen ist kein Wunder - sie hat naheliegende Gründe. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise haben die Notenbanken, allen voran die Fed, angefangen, Geld zu drucken. Seit der Finanzkrise hat sich durch die Geldmenge allein in den USA, Japan, Großbritannien und der Euro-Zone um mehr als fünf Billionen Dollar erhöht - und damit verdoppelt. Und das wird so weitergehen. Am radikalsten geht dabei die Bank of Japan vor, die damit den Teufelskreis aus fallenden Preisen und schwachem Wachstum durchbrechen möchte. Vergangene Woche hat die Europäische Zentralbank den Leitzins für die Euro-Staaten von 0,75 auf 0,5 Prozent gesenkt. Noch nie zuvor gab es auf der Welt eine solche Flut an Geld.

Geld versickert an den Finanzmärkten

Niedrige Leitzinsen sollen Unternehmen motivieren, mehr zu riskieren, günstig neue Kredite aufzunehmen und zu investieren. Ob das Geld wirklich auch bei ihnen ankommt, ist umstritten. Abzulesen an den Kreditzinsen in der Eurozone. Während kleine und mittlere Unternehmen in Südeuropa für geliehenes Geld immer mehr zahlen müssen, ist es in Deutschland und Frankreich günstig zu haben.

Die Währungshüter wollen deshalb über neue Instrumente beraten, um das Geld gezielter an die Unternehmen vergeben zu können. Als Beispiel dienen unter anderem die deutschen Förderbanken. Ein Teil des billigen Notenbankgeldes versickert an den Finanzmärkten - und treibt unter anderem die Kurse von Aktien.

as