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Smart Money auf dem Rückzug
"Das schlaue Geld geht raus aus den Märkten"
An der Wall Street haben die Profis zuletzt regelmäßig Gewinne mitgenommen. Auch die Euphorie der Privatanleger ebbt langsam ab. Für den Börsenexperten Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest sind das beunruhigende Signale.
Big Money übt sich in Zurückhaltung
boerse.ARD.de: An der Wall Street wird es nach 20 Uhr häufig erst so richtig spannend. Dann wird nämlich das "schlaue Geld" aktiv. Herr Rethfeld, welche Signale bekommen Sie denn derzeit von den Profis?
Robert Rethfeld: Hier hat sich zuletzt eine leicht negative Divergenz ausgeprägt. Derzeit wird nach 20:00 Uhr eher verkauft, Gewinne werden mitgenommen. Das smarte Geld ist also nicht unbedingt erpicht darauf, in die Märkte zu gehen. Sollte diese Entwicklung weiter anhalten und die Divergenz noch größer werden, so deutet sich eine kurzfristige Topbildung an. Dann kann man von einer Konsolidierung des Marktes ausgehen. Diese leichte negative Divergenz hat sich übrigens bereits Ende Januar ausgeprägt, als der Dow-Jones-Index erstmals die 14.000-Punkte-Marke überwand. Just seither laufen die US-Märkte auch eher seitwärts.
boerse.ARD.de: Und was machen die Privatanleger?
Rethfeld: Die US-Privatanleger haben laut AAII ebenfalls Ende Januar – insofern scheint das ein wichtiges Datum zu sein – ein bullishes Sentiment-Hoch erreicht bei 52,3 Prozent. Seither ist diese Euphorie etwas gewichen, mittlerweile liegt der Bullen-Anteil nur noch bei rund 42 Prozent.
Dow-SMFI (16:00 Uhr) vs. Dow Jones Index
boerse.ARD.de: Auch das ist ein eher beunruhigendes Signal, oder?
Rethfeld: Tatsächlich wurden bei den vorgehenden Bullen-Tops die Divergenzen stets zu Ungunsten des Marktes ausgelöst: Erst fiel das Sentiment, dann die Märkte. Insofern sind die Sentiment-Zahlen von der AAII tatsächlich eher ein Signal für eine vorläufige Hochbildung bei den Aktienmärkten.
boerse.ARD.de: Kommen wir von New York nach Frankfurt: Der Dax führt überraschenderweise zunehmend ein Eigenleben. Während die US-Indizes weiterhin höchstens leichte Schwächen zeigen, hat der deutsche Leitindex seit seinem Jahreshoch kräftig korrigiert...
Rethfeld: Tatsächlich ist eine solch unterschiedliche Entwicklung ein sehr seltenes Phänomen an der Börse. Normalerweise laufen die US-Märkte und der Dax synchron. Wobei der wegweisende Index der Dow Jones oder vielmehr der S&P 500 ist. Der Dax verhält sich normalerweise wie ein Optionsschein auf den Dow. Lediglich bei der deutschen Wiedervereinigung hatten wir für ein halbes Jahr unterschiedliche Verläufe.
boerse.ARD.de: Und woher rührt jetzt diese unterschiedliche Entwicklung?
Rethfeld: Vielleicht ist es so, dass die Investoren ihr Geld in Europa derzeit tatsächlich eher vorsichtig anlegen. Natürlich wegen der Wahlen in Italien, aber auch wegen der seit Januar leicht gestiegenen Renditen in den Peripherieländern. Es gibt offenbar nach wie vor die eine oder andere Befürchtung im Markt, dass es in Europa nochmals schiefgehen könnte. Hinzu kommt: Der Dax ist im vergangenen Jahr fantastisch gelaufen. Da geht das vagabundierende Kapital dann auch rasch mal wieder raus auf der Jagd nach Rendite. China und Japan sind jetzt en vogue, da fließt einfach viel Geld hin.
Robert Rethfeld
boerse.ARD.de: Was sollten Anleger aus technischer Sicht beachten?
Rethfeld: Wir haben beim Dax die Unterstützung bei 7.500 Punkten, auf die wir auch durchaus nochmals zurückfallen könnten. Diese Marke muss aber unbedingt halten, damit der Dax nicht in eine Abwärtsspirale gerät. Nach oben sind die 8.000 erst einmal Beton. Sollten die US-Märkte aber tatsächlich, wie wir es erwarten, im zweiten Quartal auf neue Allzeithochs gehen, dann sollte das auch dem Dax Rückenwind geben und ihn an die 8.200 herantragen. Allerdings sind wir skeptisch, ob der Dax wirklich diese Marke überwinden kann. Grundsätzlich wäre eine solche Nicht-Bestätigung negativ zu werten. Wir rechnen für den Herbst mit einem größeren Rutsch im Dax, der dann auch durchaus 10 bis 15 Prozent vom Top nach unten betragen kann.
Das Gespräch führte Angela Göpfert.
Stand: 18.02.2013, 14:29 Uhr