Bronzebulle bei der Börse in New York

Das Ende kommt immer näher Das letzte Hurra des Bullenmarktes!

von Angela Göpfert

Stand: 11.07.2017, 11:20 Uhr

An der Wall Street mehren sich die Warnsignale. Die Aktienmärkte steuern auf den letzten großen Höhepunkt des achtjährigen Bullenmarktes zu.

Nein, auch wir haben keine Glaskugel. Aber was wir sicher wissen: Die Gefahr einer größeren Korrektur steigt mit jedem Tag, an dem die Kurse weiter steigen. Das zeigt allein schon ein Blick auf die Statistik: 99 Monate dauert der aktuelle Bullenmarkt bereits an, ausgehend von dem März-Tief 2009 an der Wall Street.

Es wäre durchaus an der Zeit…

Er ist damit der zweitlängste Bullenmarkt in der Geschichte der Wall Street überhaupt. Bei 113 Monaten liegt der Rekord aus den Jahren 1990 bis 2000.

Die letzte Korrektur von zehn Prozent oder mehr im S&P 500 liegt überdies bereits 515 Kalendertage zurück. Laut einer Statistik des renommierten Stock Trader's Almanac beläuft sich die durchschnittliche Dauer zwischen Korrekturen in den Jahren seit 1950 auf exakt 515 Tage.

Dauer historischer Bullenmärkte

Nur ein Bullenmarkt dauerte länger als der aktuelle. | Bildquelle: Fidelity International, Thomson Reuters

Rückschläge sind Einstiegsgelegenheiten – immer?!

Das allein ist sicherlich kein Grund, jetzt gleich sein Depot aufzulösen. Doch es ist eine wichtige Facette des Gesamtbildes. Zu diesem Gesamtbild gehört auch: Die Anleger sind im Laufe dieses Bullenmarktes immer risikobereiter geworden.

Schließlich mussten sie – sehr viele von ihnen auf die harte Tour – lernen, dass Rückschläge im Nachhinein stets Einstiegsgelegenheiten waren. Wie oft haben wir in den vergangenen Jahren das V-förmige Erholungsmuster schon gesehen…

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 10 Jahre
Kurs
12.592,35
Differenz relativ
-0,06%
Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum 10 Jahre
Kurs
22.349,59
Differenz relativ
-0,04%
S&P 500: Kursverlauf am Börsenplatz S&P Indizes für den Zeitraum 10 Jahre
Kurs
2.502,22
Differenz relativ
+0,06%

Extremer Optimismus gibt zu denken

Doch mittlerweile hat die Risikobereitschaft der Anleger bedenkliche Ausmaße angenommen. Der Optimismus der institutionellen Investoren ist überbordend, nachgerade extrem.

Die Citigroup hat in einer aktuellen Analyse nachgewiesen, dass institutionelle Investoren derzeit gerade einmal 2,25 Prozent ihres Portfolios in bar halten. Die Cash-Bestände der Profis sind damit so niedrig wie noch nie seit Beginn des Bullenmarktes. Ende September 2016 beliefen sich ihre Cash-Bestände noch auf 7,5 Prozent.

 Cash-Positionen der institutionellen Investoren

Nur Bares ist Wahres? Das sehen institutionelle Anleger derzeit aber anders. | Bildquelle: Citigroup/Businessinsider

Typisches Phänomen am Ende von Bullenmärkten

Und das ist nicht das einzige Anzeichen einer zunehmenden Euphorie unter den Anlegern. Laut dem so genannten "sell side indicator" der Bank of America hat der Optimismus an der Wall Street mittlerweile den höchsten Stand seit Juni 2011 erreicht.

»Dies könnte der erste Schritt in Richtung Markteuphorie sein, wie wir ihn typischerweise am Ende von Bullenmärkten sehen.«

Bank of America

Wie sagte der berühmte Investor John Templeton so schön: "Bullenmärkte werden im Pessimismus geboren, sie wachsen bei Skepsis, reifen im Optimismus und sterben bei Euphorie."

Zahlreiche Hindenburg-Omen, siehe Marktbericht

Und auch von Seiten der Markttechnik häuften sich zuletzt die Warnsignale. So hatten sich an der NYSE im Juni insgesamt drei Hindenburg-Omen gebildet.

»Die Omen-Dichte ist erstmals seit Ende 2015 hoch und sollte in ihrer Bedeutung nicht unterschätzt werden. Je mehr Omen auftreten, desto höher die Wahrscheinlichkeit für eine Abwärtsbewegung.«

Robert Rethfeld, "Wellenreiter-Invest"

Das verflixte siebte Jahr

Auch wenn das Hindenburg-Omen in der Fachwelt ein durchaus umstrittener technischer Indikator ist: Dabei handelt es sich um ein Warnsignal, das – bis auf eine Ausnahme – alle Crashs der vergangenen 32 Jahre korrekt angezeigt hatte.

Hinzu kommt die negative Saisonalität im zweiten Halbjahr: Üblicherweise bildet sich in 7er-Jahren nämlich im Juli/August ein Aktienhoch aus, bevor es dann im Rahmen einer Herbstkorrektur scharf nach unten geht. Ein solcher Verlauf würde mit der etwas längeren Vorlaufzeit eines Hindenburg-Omens gut harmonieren.

Dow Jones 1986/1987 und 2016/2017 (Stand 10.07.2017)

Wie sehr sich doch die Verläufe des Dow Jones 1986/1987 und 2016/2017 bislang ähneln - erschreckend!. | Bildquelle: Wellenreiter.de, Grafik: boerse.ARD.de

Charles Dow wäre glücklich

Entwarnung kommt allerdings von der Dow-Theorie: Der Dow Transportation Index ist erst am Montag auf ein frisches Allzeithoch (9.717 Punkte) gestiegen. Er liefert damit die ultimative Bestätigung für das Rekordhoch im Dow Jones vom 3. Juli.

Die beiden Indizes bestätigen sich damit gegenseitig in ihrem Aufwärtstrend. Gemäß der Dow-Theorie lässt das noch einigen Spielraum nach oben.

So kommt es bestimmt nicht!

So widersprüchlich die Signale von der Wall Street aber auch sein mögen - eines ist gewiss: Langweilig wird es im zweiten Halbjahr bestimmt nicht. Zwar rechnen die Analysten der großen Banken im Schnitt für das zweite Halbjahr mit so gut wie keiner Bewegung auf den amerikanischen wie den europäischen Aktienmärkten. Sie sehen die großen Indizes am Jahresende in etwa auf dem heutigen Niveau.

Doch wenn wir eines wissen, dann das: Die Wahrscheinlichkeit, dass der Konsens am Jahresende Recht bekommen wird, ist für gewöhnlich äußerst gering.

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