Comdirect startet eigenen Robo-Advisor

Robo-Advisor stellt Insolvenzantrag Cashboard geht das Cash aus

Stand: 12.05.2017, 15:37 Uhr

Hochgeflogen und hart gelandet - so sieht es derzeit beim Berliner Finanz-Startup Cashboard aus. Mit einer Online-Vermögensverwaltung, kurz Robo-Advisor, wollten die Gründer Kundengelder anlocken, bis ihnen offenbar selbst das Geld ausging.

In der Krisenkommunikation tun sich die Macher hinter Cashboard um die Brüder Robert und Stephan Henker schwer. Dass Cashboard am Mittwoch einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg gestellt hat (Aktenzeichen: 36c IN 2469/17) erfuhr die Öffentlichkeit nicht vom Unternehmen selbst, sondern es wurde vom Branchenportal deusche-startups.de in Erfahrung gebracht. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist der Berliner Rechtsanwalt Torsten Martini.

Verhandlungen im Hintergrund?

Auch zwei Tage nach Bekanntwerden der möglichen Pleite gibt sich Cashboard verschlossen. Wiederum gegenüber einem Fachmedium, grunderszene.de, hat Robert Henker den Insolvenzantrag bestätigt und erklärt, man sei derzeit in Verhandlungen mit Investoren, um das Schlimmste abzuwenden. Auf der Cashboard-Website fehlt jeder Hinweis auf die Vorgänge. Auf Mails antwortet das Unternehmen nicht, die Telefon-Hotline scheint nicht mehr besetzt.

Cashboard war 2014 aus dem Vorgänger-Unternehmen Refined Investment hervorgegangen, bei dem die Henker-Brüder Trading-Strategien zum Kopieren gegen Gebühr angeboten hatten. Eine ganze Reihe von Investoren, darunter Earlybird oder Digital Space Ventures, hatten Cashboard in der Startphase unterstützt. Erst Ende 2016 verkündete man eine neue Finanzspritze im Volumen von drei Millionen Euro. Eine weitere Finanzierungsrunde soll kurz vor dem Abschluss gestanden haben.

ETFs und mehr

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Cashboard. | Bildquelle: Cashboard

Die Berliner boten - und bieten noch immer - eine Online-Vermögensverwaltung an. Dabei werden Kundengelder im Auftrag und je nach ausgewähltem Risikoprofil in ein Wunschportfolio investiert und überwacht. Ähnlich wie bei anderen Robo-Advisors wurde dabei auf Indexfonds/ETFs zurückgegriffen. Cashboard empfahl aber bei einigen Portfolios auch Investments in aktiv gemanagte Fonds, Immoblien- und Geldmarkt-Produkte und sogar neue Formen des Anlegens und Sparens wie Peer-to-Peer-Lending, Crowdinvesting oder sogar Social-Trading-Strategien.

Die Kundenmittel flossen dabei stets auf ein Konto unter derem Namen und mit deren alleinigem Zugriff bei der Partnerbank, der comdirect-Tochter ebase. Eine Pleite von Cashboard, das nur als Vermittler fungierte, betrifft damit die Kunden nicht. Selbst im Fall einer Pleite von ebase wären Bareinlagen im Rahmen der deutschen Einlagensicherung bis 100.000 Euro abgesichert. Fondsanteile, also auch ETF-Anteile, sind ohnehin als Sondervermögen gesetzlich geschützt.

Knappe Margen, engerer Markt

Über die Gründe der Insolvenz kann derzeit nur gemutmaßt werden. Möglich sind mehrere Szenarien: So könnte das Wachstum des Unternehmens höhere Kosten verursacht haben als erwartet, vor allem, wenn eine eigentlich eingeplante Finanzspritze ausgeblieben sein sollte. Auf der Einnahmenseite dürfte Cashboard das Problem vieler Finanz-Start-ups teilen - in den Startjahren läuft ein reines Zuschussgeschäft. Die Umsatzerlöse sind noch gering; positive Erträge werden erst ab einer kritischen Menge an Kunden beziehungsweise verwaltetem Vermögen (Assets under Management) erreichbar. Viele der Robo-Advisors dürften an dieser Hürde noch zu kämpfen haben, die vermutlich im mittleren dreistelligen Millionenbereich angesiedelt ist. Da die Online-Vermögensverwaltungen mit niedrigen Gebühren gegenüber klassischen Banken und Vermögensverwaltungen punkten wollen, sind die Margen sehr knapp bemessen.

Nicht zuletzt buhlen inzwischen rund ein Dutzend Robo-Advisors um Kundeneinlagen. Marktführer nach verwaltetem Vermögen ist derzeitdie Münchener Scalable Capital, deren verwaltetes Vermögen derzeit rund 250 Millionen Euro betragen dürfte. Auf das Erscheinen der unabhängigen Firmen reagieren aber längst auch die etablierten Banken und Direktbanken mit eigenen Angeboten. Die Deutsche Bank arbeitet seit längerem an einem ausgereiften "Robo", hat aber ein Anlage-Tool bereits bei der Tochter Maxblue bereitgestellt. Auch die comdirect will in den kommenden Monaten ein entsprechendes Angebot machen. Von Seiten der Vermögens-Profis gibt es ebenfalls Bewegung. In dem Start-up "Liqid" etwa steckt das Anlage-Know-how von HQ Trust dem Finanzverwalter eines Teils der Quandt-Familie.

Zu viel Mindestrendite?

Im Fall von Cashboard könnte auch das spezielle Preismodell des Unternehmens Probleme bereitet haben: Denn anders als die Konkurrenz der "Robos" gibt es bei Cashboard keine fixe Gebühr. Cashboard ist nur per "Performance Fee" an den Erträgen der Kunden beteiligt. Darüber hinaus zahlte Cashboard den Kunden sogar noch eine Mindestverzinsung von zwei Prozent jährlich (bis 10.000 Euro). Diese sollte aus Provisionen der Partnerunternehmen bestritten werden. Vielleicht ein ruinöser Fehler.

AB

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