Erstes Halbjahr 2017

Halbjahres-Bilanz Börsen im Rekordfieber

von Notker Blechner

Stand: 30.06.2017, 14:35 Uhr

2017 könnte ein gutes Börsenjahr werden. In den ersten sechs Monaten zogen die Kurse weltweit an. Besonders europäische Aktien waren gefragt. Dax, Dow & Co kletterten auf neue Rekordhochs. Die Angst vor einem Durchmarsch der Populisten in Europa und dem Trump-Protektionismus war übertrieben.

Da hatten sich einige Finanzexperten wohl verschätzt. Anfang des Jahres hatten viele von ihnen noch vor großen politischen Risiken und unruhigeren Zeiten gewarnt. Tatsächlich verlief das erste Halbjahr an den Aktienmärkten ungewohnt stabil - ohne große Kursturbulenzen.

Ganz im Gegensatz zum vergangenen Jahr. Damals hatten der China-Crash und der Brexit die Kurse zeitweise in den Keller gedrückt, bevor sie sich wieder erholten. Erst zum Jahresendspurt nach der Trump-Wahl in den USA kam der Ausbruch nach oben.

Nasdaq hängt Dow ab

Eine solche Achterbahnfahrt blieb den Anlegern 2017 bisher erspart. Die Wall Street setzte ihren Höhenflug fort. Ohne große Rücksetzer eilte der Dow von Rekordhoch zu Rekordhoch. Auch der S&P 500 und die Nasdaq schafften neue Bestmarken. Auf Sechs-Monats-Sicht gewannen der Dow und der S&P 500 rund acht Prozent. Der Nasdaq 100 schaffte gar ein Plus von knapp 16 Prozent.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
22.349,59
Differenz relativ
-0,04%
S&P 500: Kursverlauf am Börsenplatz S&P Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
2.502,22
Differenz relativ
+0,06%
Nasdaq 100: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
5.932,32
Differenz relativ
-0,04%

Dax gewinnt neun Prozent

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.592,35
Differenz relativ
-0,06%

Erstmals seit langer Zeit hängten europäische Aktien die US-Standardwerte ab. Nach anfänglicher Zurückhaltung brachte der Sieg von Emmanuel Macron bei den französischen Präsidentschaftswahlen den ersehnten Befreiungsschlag. Der Dax knackte endlich sein ein Jahr altes Rekordhoch und stürmte Richtung 13.000 Punkte. In den ersten sechs Monaten konnte der deutsche Leitindex knapp neun Prozent zulegen.

Größte europäische Outperformer waren Griechenland und Lettland. Die Börse in Riga schnellte um fast 30 Prozent nach oben. Der Athener Leitindex katapultierte sich um rund 28 Prozent auf ein Zwei-Jahres-Hoch. Ebenfalls heiß begehrt waren österreichische Aktien. Der Wiener Leitindex ATX stieg in den ersten sechs Monaten um 18 Prozent. Überdurchschnittlich hohe Kursgewinne gab es auch in den anderen Ländern Südeuropas. Der spanische Ibex 35 zog um rund 14 Prozent an, der portugiesische PSI 20 Index gewann knapp zehn Prozent.

Geldumschichtungen nach Europa

Angelsächsische Anleger schichteten zunehmend ihr Geld von US-Aktien auf europäische Titel um. Denn nachdem sich bei den Wahlen in den Niederlanden und Frankreich die Populisten nicht durchgesetzt haben, sind die politischen Risiken deutlich gesunken. Zudem kommt die europäische Wirtschaft immer besser in Fahrt. Im ersten Quartal wuchs das BIP in der Eurozone um 0,5 Prozent und damit doppelt so schnell wie in Amerika. Bereits 2016 war das Wachstum in der Eurozone mit 1,8 Prozent größer als in den USA (1,6 Prozent). Inzwischen verlaufe der wirtschaftliche Aufschwung fast auf der ganzen Welt synchron, sagte jüngst Luca Paolini, Chefstratege von Pictet Asset Management.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1948
Differenz relativ
+0,07%

Nicht einmal der stärkere Euro konnte den Höhenflug an den europäischen Aktienmärkten entscheidend bremsen. Die Gemeinschaftswährung kletterte auf über 1,14 Dollar, den höchsten Stand seit einem Jahr - seit dem Brexit-Votum. Denn die Gefahr eines Auseinanderbrechens des Euroraums wird inzwischen deutlich geringer eingeschätzt.

Trump schwächt den Dollar

Die widersprüchlichen Signale des neuen US-Präsidenten Donald Trump schwächten indes den US-Dollar - trotz zweier Zinserhöhungen der Fed. "Die Trump-Euphorie hat sich verflüchtigt", meinen die Anlagestrategen der Deutschen Asset Management. "Der Präsident hat es noch nicht geschafft, sein Wahlkampfversprechen einzuhalten und der Wirtschaft durch Steuersenkungen und Infrastruktur-Ausgaben neue Impulse zu geben", meint Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers.

Nutznießer waren die Emerging Markets. Dank der Dollar-Schwäche und der robusten Konjunktur zeigten sie im ersten Halbjahr eine solide Performance. Der MSCI Emerging Markets zog um knapp neun Prozent an. Der Hang-Seng-Index der Sonderverwaltungszone Hongkong schaffte ein Plus von 17 Prozent. Dagegen erlitten Anleger, die auf Brasilien, Russland oder Katar setzen, Verluste von bis zu 20 Prozent.

Gold wirft keine Gewinne ab

Auch mit Gold war bisher 2017 nichts zu verdienen - in Euro gerechnet. Das gelbe Edelmetall stagnierte bei knapp unter 1.100 Euro je Feinunze. Deutlich besser lief es für ein anderes Edelmetall: Der Preis für Palladium zog in den ersten sechs Monaten um rund 15 Prozent an.

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