Seitenueberschrift

Immobilien

Roter Würfel mit Prozentzeichen und angelehnter Leiter

Talsohle scheint erreicht

Bauzinsen auf dem Weg nach oben

Stand: 18.11.2016, 11:58 Uhr

Die Zeiten immer traumhafterer Niedrigzinsen für Hypothekendarlehen scheint sich in Deutschland so langsam ihrem Ende zu nähern. Gleichzeitig boomt der Bausektor ungebrochen weiter. Braut sich da größeres Ungemach zusammen?

Die Bundesbank jedenfalls, so ist sie eben, warnt in ihrem jüngst veröffentlichten Finanzstabilitätsbericht vor erhöhten Risiken im Immobiliensektor. Die niedrigen Zinsen, die hohe Nachfrage nach Immobilien, vor allem in Ballungsgebieten, sowie die derzeit sehr geringe Arbeitslosigkeit heizen den Markt für Hypothekendarlehen schon geraume Zeit kräftig an.

Aber gerade bei den Zinsen könnten die besten Zeiten für die Kunden jetzt vorbei sein. Die Raten ziehen nämlich an. Zwar nicht bedeutend und insgesamt bleibt das Zinsniveau nach wie vor sehr niedrig, aber die von vielen Bauherren befürchtete Zinswende könnte eingeläutet sein.

Rund ein viertel Prozent mehr

Konkret haben zuletzt zahlreiche Kreditinstitute - darunter die Deutsche Bank, die ING Diba, die Hypovereinsbank und die Postbank ihre Bauzinsen erhöht, zwischen 0,2 und 0,25 Prozent. Auch die Allianz, die auch im Baufinanzierungsgeschäft mitmischt, geht diesen Weg. Insgesamt haben nach einem Bericht der "FAZ" mehr als 50 Banken und Sparkassen die Bauzinsen angehobe - wohlgemerkt erst seit der Wahl von Donald Trump.

Donald Trump

Donald Trump. | Bildquelle: picture alliance / AP Photo

Die Erhöhungen sind nicht hoch, aber Finanzierungen unter einem Prozent für zehnjährige Laufzeiten werden wohl derzeit kaum noch zu bekommen sein. Auslöser für das Comeback des Zinses ist der Anstieg der Sätze am Kapitalmarkt, also den mittleren und langen Laufzeiten bei den Staatsanleihen. Während Einlagenzinsen wie etwa Sparzins und Tagesgeld dem kurzen Laufzeitenende folgen (dem sogenannten Geldmarkt), orientieren sich Hypothekenzinsen am langen Laufzeitende.

Und hier hat sich zuletzt Einiges getan, seit Donald Trump die amerikanische Präsidentschaftswahl gewonnen hat. So stieg die Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe (zu null Prozent!) in der Spitze bis 0,37 Prozent, nachdem sie lange Zeit im Minusbereich notierte. In den USA rentieren zehnjährige Staatsanleihen mittlerweile bei 2,33 Prozent, vor der Wahl waren es 1,85 Prozent.

Unternehmen in der Zinsfalle

Zinsfalle Zinsen Falle Geld Euro. | Montage: boerse.ARD.de, colourbox

Die vollmundige Ankündigung Trumps, die Staatausgaben auf Pump deutlich erhöhen zu wollen, hat die Inflationserwartungen der Märkte geschürt - Inflation aber bekämpfen die Notenbanken eben mit höheren Zinsen. Der Kapitalmarkt beginnt nun, genau dieses Szenario einzupreisen, mit den entsprechenden Folgen für die Hypothekenksätze, auch hierzulande. Die Geldmarktzinsen dürften in Amerika schon in gut einem Monat um voraussichtlich 0,25 Prozent erhöht werden.

Die Zinswende - also das Schreckensszenario für so manchen Bauherren - könnte sich somit anbahnen und für Inhaber langlaufender Staatsanleihen riecht es nach Kursverlusten.

Baustelle für Apartmentwohnungen

Bauboom. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Zwar ist die EZB in ihrem Zinsszenario noch nicht so weit wie die US-Notenbank (in Europa gibt es ja, zumindest noch nicht, einen wie Donald Trump); nur die Aussicht darauf, dass sie ihr exzessives QE-Programm aber nicht wie bisher weiterführen könnte, reicht schon, um die Kapitalmarktzinsen anzutreiben. Für Häuslebauer gilt also erhöhte Wachsamkeit, um nicht in die Zinsfalle zu rennen. Ein Blick über den Tellerrand was denn in zehn Jahren sein könnte, wenn die Traumfinanzierung ausläuft, bietet sich geradezu zwingend an.

Bauboom ungebrochen

Von solchen weitreichenden Überlegungen sind wir hierzulande aber noch ein ganzes Stück entfernt, im Gegenteil. In Deutschland setzt sich der Bauboom ungebrochen fort. In den ersten neun Monaten des Jahres 2016 wurden so viele Genehmigungen für den Bau neuer Wohnungen erteilt, wie seit 1999 nicht mehr. Insgesamt waren es 276.300, ein Zuwachs von 24 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Morgen bekannt gab. Der starke Zuwachs war zwar auch dem verstärkten Bau von Flüchtlingsquartieren geschuldet, aber auch nach wie vor von den bisherigen Treibern für den Boom.

Vonovia: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
35,12
Differenz relativ
-1,06%
Deutsche Wohnen: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
34,02
Differenz relativ
-0,98%
LEG Immobilien: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
84,34
Differenz relativ
-1,43%

Immobilienaktien unter Druck

Zudem gelten Immobilien bei so manchem Kapitalanleger derzeit als die bessere Alternative gegenüber einem Nullzins-Kupon bei deutschen Staatsanleihen. Ziehen die langfristigen Zinsen an, könnte auch diese Rechnung nicht mehr so gut aufgehen. Zur Erinnerung: Noch 2002, bei der Einführung des Euro, rentierten Bundesanleihen mit heute kaum mehr vorstellbaren fünf Prozent.

An der Börse ist der Trend auch schon zu erkennen. Die Aktien der zahlreichen Immobiliengesellschaften auf dem deutschen Kurzettel, wie etwa Dax-Wert Vonovia, Deutsche Wohnen o.a., die im Niedrigzinsumfeld nahezu nach Herzenslust wachsen konnten, haben zuletzt schon deutlich an Boden eingebüßt.

rm

1/10

Haussierende Betongold-Aktien

Von Conwert bis WCM

Gateway Real Estate: Kursverlauf am Börsenplatz Stuttgart für den Zeitraum 1 Jahr

Gateway Real Estate

Unter den deutschen Immo-Titeln sticht auf Ein-Jahres-Sicht am stärksten die Gateway Real Estate heraus. Die Papiere schossen um gut 230 Prozent in die Höhe. Der Spezialist für Logistik- und Gewerbeimmobilien gilt als Geheimtipp unter den Nebenwerten. Allerdings ist die im Freiverkehr gehandelte Aktie nur etwas für spekulative Anleger. Sie schwankt enorm. Gateway Real Estate schreibt noch rote Zahlen. Die Firma will nach dem Vorbild von WCM ein Portfolio mit renditestarken Gewerbeimmobilien in dreistelliger Millionenhöhe aufbauen. So erwarb Gateway ein Bürogebäude in Eschborn für vier Millionen Euro, einen Stil-Altbau am Frankfurter Hauptbahnhof und eine Gewerbeimmobilie in Erlangen. Eine Kapitalerhöhung spülte der Firma 19 Millionen Euro in die Kassen.

Darstellung: