Dax saisonal 30 Jahre

Gefährlichster Börsenmonat beginnt Angst vor dem September

Stand: 01.09.2017, 11:48 Uhr

Bis jetzt haben Aktienanleger eigentlich keinen Grund zu meckern. Dax & Co liegen seit Jahresbeginn deutlich im Plus. Doch nun beginnt der September, der traditionell schlechteste Börsenmonat. Ob die Statistik auch diesmal Recht behält?

Tatsächlich ist der September statistisch betrachtet der schlechteste Monat für Aktienanleger. Seit langer Zeit sind Untersuchungen bekannt, nach denen über einen Zeitraum von fast 100 Jahren der September im Durchschnitt der schlechteste aller Börsenmonate an der Wall Street war.

Auch für die Anleger an der Frankfurter Börse gilt im September höchste Alarmstufe. Sieben der zehn größten Monatsverluste seit der Einführung des Dax im Jahre 1988 entfallen auf die Monate Juli bis September. Auch die Turbulenzen an den Weltmärkten begannen nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008.

Fehlende Impulse

Ähnlich dramatische Kurseinbrüche gab es nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Und ein Jahr später stürzte der Dax im September um mehr als 20 Prozent ab. Die USA erlebten den allerschlimmsten Börsenmonat während der Weltwirtschaftskrise im September 1931 mit einem Minus von fast 31 Prozent.

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr
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Ein Grund für den saisonal schwachen Börsenmonat könnte die nachrichtenarme Zeit sein. Die Dividenden-Saison und die Halbjahres-Berichte sind vorbei, neue Impulse fehlen. Da können negative Nachrichten wie schlechte Konjunkturdaten oder politische Ereignisse besonders stark durchschlagen. Hinzu kam in der Vergangenheit oft das Phänomen, dass die Erwartungen der Analysten und Unternehmen häufig zu positiv waren und nach den Halbjahres-Zahlen im Spätsommer revidiert werden mussten.

Keine verlässliche Prognose

Werden die Börsenkurse also auch im September diesen Jahres nachgeben? Auch wenn der Septembereffekt häufig beobachtet wurde, lässt sich daraus keine verlässliche Prognose ableiten. So ist der Dax am ersten Tag des gefürchteten "Horrormonats" freundlich in den Handel gestartet.

Kein Wunder, befindet sich doch die deutsche Wirtschaft im Aufschwung, wie die jüngsten Konjunkturbarometer zeigen. Auch die Weltwirtschaft brummt, die neuesten Quartalszahlen der Unternehmen haben mehrheitlich die Erwatungen der Analysten übertroffen. "Vor allem in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften ist die wirtschaftliche Stimmung gut, aber auch in den Schwellenländern hat sich die konjunkturelle Lage spürbar verbessert", schreiben die Ökonomen des Kieler Weltwirtschaftsinstituts.

Politische Börsen haben kurze Beine

Auch ist im September wohl kaum von einem "Störfeuer" durch die Notenbanken zu rechnen. Weil eine Anhebung des Leitzinses zumindest in der Eurozone derzeit ausgeschlossen ist, dürften die geldpolitischen Schleusen unverändert weit geöffnet bleiben. Bisher haben auch die zunehmenden geopolitischen Risiken, von Syrien bis Nordkorea, die Anleger nicht wirklich aus der Bahn werfen können.

Ganz nach dem Motto "Politische Börsen haben kurze Beine" haben die Anleger bisher jeden Kursrückgang zum Einstieg oder Zukauf genutzt. Allerdings stellen die geopolitischen Unwägbarkeiten durchaus auch Risiken dar, die für die Märkte gefährlich sein können. Sollte es etwa in der Nordkorea-Krise zu einer militärischen Eskalation kommen, dürfte dies die Aktienmärkte weltweit in Panik versetzen.

Dax saisonal 30 Jahre

Dax saisonal 30 Jahre. | Bildquelle: seasonalcharts.com, Grafik: boerse.ARD.de

Bundestagswahl irrelevant

Dagegen ist der Ausgang der Bundestagswahlen in Deutschland für die globalen Aktienmärkte mehr oder weniger irrelevant. Den Investoren wird es nur darauf ankommen, dass Deutschland ohne Einschränkungen an seinem europafreundlichen Kurs festhält - was angesichts der Wahlchancen der etablierten Parteien wohl gesichert erscheint.

Anleger sollten sich aber nicht blind auf die saisonalen Effekte verlassen. Gerade in den vergangenen Jahren gab es auch positive Entwicklungen. "2010 und 2012 wurde das September-Gespenst durch Eingriffe der Zentralbanken vertrieben". Und 2013 machte der Dax im September gar einen satten Sprung von sechs Prozent nach oben und schaffte ein Rekordhoch. Im vergangenen Jahr sank der Dax gerade einmal um 1,5 Prozent.

Hoffnung im vierten Quartal

Sollte es doch kräftiger abwärts gehen, können die Anleger in der Regel auf Entschädigung in den Folgemonaten hoffen. Das Schlussquartal ist nämlich meist das beste im Jahr - im Oktober und November sind es seit 1988 jeweils 2,0 Prozent und im Rekordmonat Dezember mit seinen Jahresschlussdispositionen sogar 2,73 Prozent. Damit übertrifft Dezember sogar den Dividendenmonat April.

lg

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