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Geldanlage

Roboter

Online-Vermögensverwaltung auf dem Vormarsch

Angriff der Robo-Advisors

Stand: 12.06.2015, 16:24 Uhr

In der Geldanlage ist eine Zeitenwende im Gange. Der Vermögensberater könnte in den kommenden Jahren zunehmend durch Online-Werkzeuge ersetzt werden, mit denen sich im Handumdrehen ein Anlage-Portfolio maßschneidern lässt.

Der Vermögensverwalter der Zukunft ist eine ausgeklügelte Software. Sie ermittelt die Anlagebedürfnisse des Kunden in ein paar kurzen Fragen, checkt seine Risikobereitschaft und errechnet in wenigen Millisekunden eine Anlagestrategie, die aus einem Dutzend passiver Indexfonds auf den Aktien-, Renten- oder Rohstoffmarkt in bestimmten Abmischungen besteht.

Gefällt dem Nutzer das Musterportfolio, kauft er es mit wenigen Mausklicks direkt beim angeschlossenen Broker. Je nach Ausgestaltung des Angebots wird in zeitlichen Abständen ein vollautomatisches "Rebalancing" durchgeführt, die Anteile der verschiedenen Fonds werden auf ihre Ausgangsquote "zurückgesetzt".

Kosten im Promillebereich

Die Kosten spielen sich zwischen einem viertel und einem Prozent des Anlagebetrags jährlich ab. Transaktionsgebühren gibt es bei Kauf und Verkauf der Index-Produkte praktisch nicht. Die komplette Vermögensübersicht kann der Anleger auch jederzeit auf seinem Smartphone abrufen, ja sogar der gesamte Auswahl- und Abschlussprozess ist mobil möglich. Eine Bankfiliale hat der Kunde der Zukunft ohnehin noch nie von innen gesehen.

Die Kurzbeschreibung der Robo Advisors, die auch in Deutschland immer mehr Anlegergelder einsammeln, enthält eine Menge Drohpotenzial für Bankberater, aber auch Vermögensberater und -verwalter.

Zwei Milliarden in fünf Jahren

Entstanden sind die cleveren Tools vor rund fünf Jahren in den USA. Betterment, die Gründung des damals 30-jährigen Jon Stein, startete 2010 mit einem ersten Angebot der online-basierten Vermögensanlage, die auf Prinzipien der Diversifikation für ein "effizientes Portfolio" beruht, wie sie von Nobelpreisträger Harry Markowitz postuliert wurden. Abgebildet wird das Portfolio mit kostengünstigen passiven Indexfonds (ETF). Stein sammelte mit der Idee im ersten Jahr von Betterment zehn Millionen Dollar ein, inzwischen managt das Unternehmen Vermögen im Volumen von 2,2 Milliarden Dollar und hat 85.000 Kunden.

Bereits 2011 folgte mit Wealthfront ein Mitbewerber, der inzwischen gleich groß ist. Es dauerte allerdings bis zum Frühjahr 2015,  bis ein erster großer Akteur der Finanzbranche in den USA selbst ein Angebot zur Online-Vermögensanlage machte: Charles Schwab startete seine Intelligent Portfolios, die nach wenigen Wochen mehrere Milliarden Dollar an Mitteln verwalteten.

Anfang Mai schließlich startete der US-Fondsgigant Vanguard mit einem eigenen "Personal Advisor Service", der allerdings erst ab Beträgen von 50.000 Dollar nutzbar ist.

Fintech-Szene setzt erste Roboter aus

In Deutschland ist das Thema "Robo Advisors" vor allem über Start-up-Unternehmen aus der so genannten "Fintech"-Szene eingesickert. Anbieter wie Cashboard aus Berlin oder die Frankfurter Vaamo locken internetaffine, überwiegend junge Kundschaft mit ihren einfach zu bedienenden Tools an. Mit diesen lassen sich in Windeseile Sparziele definieren oder eine langfristige Vermögensanlage zusammenbauen (siehe unsere Übersicht: Portfolio per Mausklick).

Im deutschen Bankensystem haben die Direktbanken naturgemäß als erste die Zeichen der Zeit erkannt. Ein echter Robo Advisor tarnt sich bei der Commerzbank-Tochter Comdirect als "Bessere Geldanlage". Auch die DAB-Bank, inzwischen Tochter der französischen Großbank BNP Paribas, bietet ETF-Musterportfolios an, die je nach Anlagebetrag und Risikoneigung zusammengestellt und kostengünstig gekauft werden können.

Vorteile auf der Kostenseite…

Die Anlage-Roboter haben aus Sicht der Anleger vor allem auf der Kostenseite Vorteile. Die Gebühren für das "Management" des jeweiligen Portfolios liegen zumeist klar unter einem Prozent jährlich. Durch den Einsatz von passiven Indexfonds entstehen keine sonst üblichen Ausgabeaufschläge oder Managementgebühren auf Fondsebene. Und Einstiegshürden in Form eines Mindestanlagebetrages wie bei der klassischen Vermögensverwaltung sind bei den "Robos" praktisch unbekannt. Auch mit kleinen Beträgen ist damit der Aufbau eines komplexen Anlageportfolios möglich.

… Nachteile durch starres Regelwerk

Die Schwächen der Tools liegen freilich auch auf der Hand. Wo statt eines Befragungs-Gesprächs das Ausfüllen eines Online-Fragebogens steht, kann die reale Anlagesituation des Nutzers nicht wirklich differenziert und individuell erfasst werden. Die Produkte selbst sind gezwungenermaßen an recht starre Regeln bei der Fondsauswahl und möglichen Umschichtungen gebunden. So gelten etwa Renten-ETFs per Definition als "sichere" Anlage. Eine Grundvoraussetzung, die gerade in der derzeitigen Situation eines drohenden Renten-Crashs in Frage steht.

Für viele Anleger, gerade der jüngeren Generation, dürfte ein Robo-Advisor aber in naher Zukunft wohl wirklich die wichtigste Anlaufstelle in Sachen Geldanlage darstellen.

AB

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Portfolio per Mausklick

Übersicht Robo-Advisors

Robo Advisors Betterment

Betterment

Das 2010 gegründete US-Unternehmen gilt als Pionier in der Online-Vermögensverwaltung und verwaltet inzwischen ein Vermögen von 2,2 Milliarden Dollar. Die Gebühren liegen je nach Anlagehöhe zwischen 0,35 und 0,15 Prozent jährlich. Ein Mindestinvestment gibt es nicht. Nutzer und künftige Kunden stellen im Tool von Betterment zunächst einen Anlagehorizont ein. Das Credo: Die Zeit im Markt macht die Rendite, nicht das Timing für einen "richtigen" Einstieg.

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