Seitenueberschrift

Geldanlage

Eckhard Sauren

Eckhard Sauren im Interview

"Am Aktienmarkt kommen Anleger nicht vorbei"

Stand: 27.01.2015, 10:05 Uhr

Der Dachfondsmanager Eckhard Sauren will private Investoren, aber auch Anlageberater mit seinem Buch über die "Zinsfalle" wachrütteln. Alle Bestandteile des eigenen Vermögens sollten grundlegend überprüft werden, so Sauren. Die Zinsfalle schnappt in beinahe allen Anlageklassen zu.

boerse.ARD.de: Herr Sauren, Ihr Buch beschreibt die "Zinsfalle" sehr drastisch und detailliert. Was war Ihre Motivation, in dieser Form das Thema an die Öffentlichkeit zu bringen?

Eckhard Sauren: In den vergangenen Jahren haben wir uns viel mit den Marktrahmenbedingungen beschäftigt, unter denen die von uns analysierten Fondsmanager agieren. Wir haben immer wieder festgestellt, dass fast alle Anleger mit ihren Investments falsch positioniert sind. Viele private Anleger sind sich der Problematik der Dauerniedrigzinsen und der Auswirkungen auf fast alle Assetklassen gar nicht bewusst. Das Buch soll da Abhilfe schaffen.

boerse.ARD.de: Richten sich die Mahnungen aber nicht auch an Profis wie Anlageberater oder auch Fondsmanager?

Sauren: Vor wenigen Tagen waren wir bei einer Veranstaltung mit Beratern, auf der wir tatsächlich festgestellt haben: Viele von ihnen haben sich noch nicht wirklich klar gemacht, was die Zinsfalle auch für ihre Arbeit bedeutet. Sie werden mit den bisherigen Ansätzen ihren Kunden kaum nennenswerte Renditen verschaffen können. Was die Fondsmanager angeht: Ich denke, die wissen durchaus, wie die Problemlage beschaffen ist. Aber wenn man nun einmal einen Rentenfonds managt, der sich an einem Index orientiert, hat man nicht sehr viele Spielräume.

boerse.ARD.de: Die Zinsfalle schnappt ja beinahe in jeder Anlageklasse zu. Wo sehen Sie denn die größten Gefahren?

Sauren: Vor allem im Bereich der vermeintlich sicheren Staatsanleihen wiegt sich der Anleger in einer trügerischen Sicherheit. Ob er sie nun in Renten- oder Mischfonds besitzt oder in Form einer Lebensversicherung: Die Renditen werden hier auf Jahre hinaus eher kärglich ausfallen. Für den Vermögensaufbau sind Verzinsungen von weniger als einem Prozent jährlich natürlich kaum zu gebrauchen.

boerse.ARD.de: Im Fall von Lebensversicherungen sehen Sie sogar Risiken, dass die Unternehmen in eine Schieflage geraten können.

Sauren: Das System der Lebensversicherer ist prinzipiell nicht dafür ausgelegt, längere Phasen sehr niedriger Zinsen auszuhalten. Die Garantieversprechen für ältere laufende Verträge mit im Schnitt vielleicht 2,75 Prozent Zinsen einzuhalten, wird natürlich immer schwieriger.

boerse.ARD.de: Wie sollen Versicherungs-Kunden damit umgehen?

Sauren: Es ist schwer, einen individuellen Rat zu geben. Eine Entscheidung hängt sicher von dem einzelnen Vertrag und dessen Konditionen ab. Wichtig war uns, darauf hinzuweisen, dass das, was in den vergangenen 30 Jahren gut funktioniert hat, so nicht weiter funktionieren wird. Vom Abschluss neuer Lebensversicherungen raten wir derzeit auf jeden Fall ab.

boerse.ARD.de: Wie könnte denn eine sinnvolle Aufstellung für die Anlage in den kommenden Jahren aussehen?

Sauren: Aus meiner Sicht kommt man in der Phase dauerhaft niedriger Zinsen nicht an einer Beteiligung am Aktienmarkt vorbei. Anleger müssen sich klarmachen, dass es bei einer Aktie um eine langfristige Beteiligung an Unternehmen geht. Die täglichen Schwankungen und die aktuelle Nachrichtenlage sollten sie dabei ausblenden. Wir machen auch Vorschläge, wie man seine individuelle Aktienquote ermitteln kann.

boerse.ARD.de: Können Sie ein Beispiel geben?

Sauren: Wenn ich eine Aktienquote von 40 Prozent am gesamten Portfolio habe, muss ich in der Lage sein, schlimmstenfalls auch einen Rückschlag dieses Anteils um 50 Prozent hinzunehmen. Damit verliere ich dann unter Umständen bis zu 20 Prozent im Verlauf. Diesen Verlust muss man aber durchstehen können. Man muss im Zuge eines "Rebalancing" sogar dann gegebenenfalls wieder seine Aktienquote auf die ursprünglichen 40 Prozent erhöhen können, um langfristig attraktive Renditen einfahren zu können.

boerse.ARD.de: So viel Disziplin dürften nur wenig Anleger aufbringen.

Sauren: Das ist leider richtig. Als Hilfestellung raten wir: Einmal eine Aufstellung der eigenen Investments zu machen und sich einen Überblick zu verschaffen, wie weit man von der Zinsfallen-Thematik betroffen ist. Dann sollte man unter Einbeziehung der individuellen Risikobereitschaft schauen, welche Teile des Portfolios neben Bankeinlagen etwa in flexible Rentenstrategien, in Absolute-Return-Strategien beziehungsweise breit gestreut im Aktienmarkt angelegt werden können. Dies kann man auch zusammen mit einem Berater tun, dem man vertraut. Danach ist es aus meiner Sicht ausreichend, einmal im Jahr das Portfolio zu überprüfen und vielleicht ein "Rebalancing" vorzunehmen, damit die Aufteilung wieder passt. Auf dieser Basis verlieren Schwankungen im Verlauf deutlich an Bedrohung.

Das Gespräch führte Andreas Braun.

Darstellung: