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US-Berichtssaison 1. Quartal

US-Bilanzsaison beginnt

Alle Augen auf die Ölfirmen

Stand: 13.04.2017, 11:01 Uhr

In den USA startet die heiße Phase der Berichtssaison. Den Anfang machen die Banken. Die robuste Konjunktur der letzten Monate spricht für steigende Gewinne: Besonders die Energie- und Techkonzerne dürften zugelegt haben.

Die Schätzungen der Analysten für den S&P-500-Index, in dem die 500 größten börsennotierten Unternehmen Amerikas enthalten sind, gehen von einem kräftigen Gewinnwachstum aus. Dabei erwarten die Experten im Schnitt eine Zunahme von 6,5 Prozent. Andere Quellen prophezeien sogar einen Gewinnwachstum der Firmen aus dem S&P 500 von 8,9 Prozent. Die Umsätze dürften im Schnitt um 6,3 Prozent zulegen.

Damit dürften die Wachstumsraten etwas schwächer ausfallen als im vierten Quartal 2016. Damals haben die S&P 500-Firmen ihren Gewinn noch um 7,4 Prozent gesteigert, die stärkste Zuwachsrate seit zwei Jahren. Auch liegen die derzeitigen Schätzungen unter denen von Ende Dezember. Zu dem Zeitpunkt waren die Analysten noch von einer Gewinnsteigerung der S&P-500-Firmen im ersten Quartal von 10,4 Prozent ausgegangen. Ungewöhnlich ist die jetzt erfolgte Revidierung nicht. Im Gegenteil, ein solcher Schritt erfolgt regelmäßig. Zudem fällt die Zurücknahme der ersten Schätzung geringer aus als in den vergangenen Jahren. Es gibt also keinen Grund zur Sorge, so die Botschaft.

Gewinne in Höhe von 8,1 Milliarden

S&P 500: Kursverlauf am Börsenplatz S&P Indizes für den Zeitraum Intraday
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Es sind die Versorger, allen voran die Öl- und Gasförderer wie Exxon und Chevron, die zu alter Stärke zurückkehren und wesentlich zu den freundlichen Aussichten beitragen. Dank des im Vergleich zum Vorjahr kräftig gestiegenen Ölpreises erwarten die Analysten, dass die Energiekonzerne des S&P 500 im ersten Quartal 8,1 Milliarden Dollar verdient haben, nach einem Verlust von 1,6 Milliarden im Vergleichsquartal 2016.

Der Gewinnzuwachs der Energiefirmen ist so gewaltig, dass er die Schätzung für die gesamte Wirtschaft in die Höhe treibt. Ohne diesen Beitrag dürfte das Gewinnwachstum der im S&P 500 enthaltenen Unternehmen lediglich 2,5 Prozent betragen, erklären die Ökonomen.

Auch Techfirmen unter den Favoriten

Noch besser dürften die Bilanzen der Techfirmen ausfallen. Hier erwarten die Experten sogar zweistellige Wachstumszahlen, sowohl beim Gewinn als auch beim Umsatz. Besonders der Google-Mutterkonzern Alphabet und Facebook gelten als Favoriten, während Apple eine im Jahresvergleich unveränderte Bilanz vorlegen dürfte.

Bei Bankaktien warnen die Experten vor allzu großen Erwartungen, seien die Finanzwerte doch bereits extrem gut gelaufen. Tatsächlich haben die im S&P 500 enthaltenen Banken seit der Wahl von Donald Trump im Schnitt 20 Prozent zugelegt, während der gesamte Index "nur" um 5,8 Prozent gestiegen ist. Trotzdem sollten auch die Geldhäuser im ersten Quartal mehr verdient haben als im Vorjahreszeitraum. Experten erwarten einstellige Zuwachsraten.

Hohe Erwartungen eingepreist

Anleger sollten indessen folgendes beachten: An der Börse wird die Zukunft gehandelt, so dass die hohen Gewinnerwartungen schon weitgehend in den Kursen enthalten sein dürften. Kommt es bei den Quartalsausweisen zu größeren Enttäuschungen, sind entsprechende Kursreaktionen nach unten zu erwarten.

Warten auf die Steuerreform

Auch für die kommenden Monate sehen die Auguren freundliche Perspektiven, steht die amerikanische Wirtschaft doch so gut da wie lange nicht. Die Arbeitslosenquote ist auf 4,5 Prozent zurückgegangen und alle Konjunkturindikatoren deuten auf eine Fortsetzung des Aufschwungs hin. So notiert etwa der ISM-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungsbereich seit Anfang 2010 deutlich oberhalb der Marke von 50 Punkten, und damit im expansiven Bereich. Der ISM-Index für die Industrie erreichte im März 57,2 Zähler.

Für das Gesamtjahr 2017 prognostizieren Analysten übrigens ein Ergebniswachstum von 9,8 Prozent und ein Umsatzwachstum von 5,3 Prozent. Basierend auf den Schätzungen der Gewinne je Aktie in den kommenden zwölf Monaten beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des S&P 500 nach wie vor rund 18.

Wie es mit den US-Unternehmen weitergeht, besonders im Hinblick auf den Aktienkurs, hängt entscheidend von der Politik Donald Trumps ab. Sollte der Präsident seine Versprechen einlösen und tatsächlich im Herbst einen Gesetzentwurf zu Steuererleichterungen vorlegen und dieses dann auch erfolgreich durch den Kongress bringen, dann werde das den Börsen weiteren Schub verleihen, so die Analysten.

lg

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