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Anlagestrategie

Kurstafel an der Deutschen Börse in Frankfurt

Aktienmarkt mit neuem Schwung

Ist das die Trendwende?

Stand: 14.03.2016, 11:36 Uhr

Unter gewaltigen Schwankungen hat sich der Dax in den vergangenen Handelstagen erst dramatisch abwärts und nun wieder aufwärts geschwungen. Das Schlimmste könnte hinter den Anlegern liegen, meinen Experten.

Keine leichten Tage für Aktien-Besitzer. Nach der Entscheidung der EZB vom Donnerstag, den Leitzins in der Euro-Zone auf "null" zu senken, gehorchte der Dax den bisherigen Gesetzen nicht. Nach einem kurzen Ausflug in Richtung 10.000er Marke brach er erst einmal um rund 500 Punkte ein. Die Angst, die EZB habe ihr "Pulver" nun endgültig verschossen, ging auf dem Parkett um. Stefan Kreuzkamp, Chief Investment Officer der Deutschen Asset Management fragt sogar in einem aktuellen Kommentar, ob die Notenbanken ihre "Zauberkraft" verloren haben: "Zeigt eine Notenbank Entschlossenheit oder handelt sie einfach nur aus Verzweiflung?"

15 Prozent aufwärts seit dem Tief

Nach dem kurzfrstigen Einbruch fassten die Anleger aber bereits am Freitag wieder Mut,und am Montag war es soweit: Die runde fünfstellige Marke wurde wieder erobert, erstmals seit dem 13. Januar übrigens. Der MDax hat gleichzeitig die runde Marke von 20.000 Punkten zurückerobert. Die Verluste des bisherigen Börsenjahres sind damit freilich noch nicht wettgemacht - schließlich notierte der Dax Ende Dezember bei 10.743 Punkten. Doch seit dem Februar-Veraufstief, das bei 8.699 Zählern markiert wurde, hat der Leitindex bereits wieder rund 15 Prozent an Wertzuwachs erreicht.

MDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
20.105,23
Differenz absolut
261,80
Differenz relativ
+1,32%
Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9.776,12
Differenz absolut
96,03
Differenz relativ
+0,99%

"Techniker" sehen weitere Chancen

Für weiter steigende Kurse spricht nun aus Expertensicht einiges. Rein "technisch" sieht der Dax-Chart inzwischen hoffungsstiftend aus. Laut Jochen Stanzl, Marktstratege bei CMC Markets, etwa "sind 10.500 Punkte in den kommenden Handelstagen drin". Stanzl verweist auf eine Besonderheit der derzeitigen Aufwärtsbewegung: Der Goldpreis steige, anders als in den vergangenen Jahren, erstmals parallel zum Aktienmarkt weiter. Offenbar wollen Anleger sich trotz steigender Kurse stärker auch gegen neue "Krisenerscheinungen" wappnen.

Auch die Technischen Analysten der LBBW sind eher bullish für die kommenden Tage und Wochen gestimmt. Sollte der Dax auf seinem Weg nach oben einen wichtigen Widerstand bei 10.076 Punkten überwinden, wäre der Weg in weitere Höhen frei, heißt es in einem Kommentar am Montag.

Niedrigzins-Phase...

Wichtiger noch als reine Charttechnik scheint derzeit aber noch die fundamentale Ausgangslage zu wiegen. Der "Draghi"-Effekt hat zwar mit Verspätung eingesetzt, doch seine Wirkung dürfte er nicht verfehlen. Eine Reihe von Argumenten für steigende Aktienkurse in Deutschland und Europa in den kommenden Wochen liefert Fondsmanager und Börsenexperte Jens Ehrhardt, der sich am Montag mit einer ausführlichen Analyse zu Wort meldete. Danach lässt die jüngste Erholung an den Aktienmärkten "trotz des anhaltenden Pessimismus vieler Stimmungsindikatoren an den weltweiten Börsen auf eine Trendwende hoffen".

Begründet ist dies laut Ehrhardt durch eine Reihe von Faktoren. Der Zinsentscheid der EZB habe die bestehende Niedrigzins-Konstellation zementiert. Und daran werde sich auf längere Sicht nichts ändern. Auch aus den USA sei hier kaum zinstechnisches Störfeuer zu erwarten. Die Konjunkturerholung dort sei nicht so stark, dass ein baldiges Drehen an der Zinsschraube durch die US-Notenbank Fed zu erwarten sei.

... und gleichzeitig attraktive Dividendenrenditen

Den tendenziell schon negativen Zinsen stünden Dividendenrenditen von bis zu fünf Prozent am Aktienmarkt gegenüber. Auch dies ein schlagendes Argument für die Aktienmärkte in den kommenden Wochen und Monaten. Und dass diese Dividendenrenditen nachhaltig seien, dafür spricht laut Ehrhardt einiges, eine Rezession sei weder in Deutschland noch in der gesamten Euro-Zone abzusehen.

Die hohe Nervosität an den Aktienmärkten kann die Kurse aber durchaus weiterhin in ihrem Bann halten, da ist sich auch Fondsmanager Ehrhardt sicher. Als nächsten Termin für eine mögliche kleine Achterbahnfahrt können sich Investoren den kommenden Freitag vormerken. Traditionell legt der Dax während den "Iden des März" (auch an der Börse) eine wilde Achterbahnfahrt aufs Parkett, die sogar gelegentlich in einen neuen Trendwechsel mündet. Auch wenn also die allgemeine Börsentendenz aufwärts gerichtet bleiben dürfte, sollten Anleger weiter angeschnallt bleiben.

AB

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