Rekordhoch kein Verkaufsgrund Aktien jetzt?!

von Angela Göpfert

Stand: 20.06.2017, 13:49 Uhr

Der Dax notiert auf Allzeithoch. Anleger, die jetzt mit dem Verkauf ihrer Aktien liebäugeln, sollten das hier besser zuerst lesen.

Wie erkennt man, ob eine Aktie ihren Hochpunkt erreicht hat und fallen wird? Gar nicht! Wer etwas anderes behauptet, der lügt.

Aus der Forschung ist hinlänglich bekannt, dass sich Anleger mit dem Timing von Investitionsentscheidungen an der Börse unglaublich schwertun. Den richtigen Zeitpunkt zum Ein- und Ausstieg finden stets nur die wenigsten.

Wenige Tage sind entscheidend

Eine Studie von Fidelity International lässt in diesem Zusammenhang aufhorchen. Demnach neigten viele Anleger dazu, in volatilen Börsenphasen Aktien und Fonds schnell zu verkaufen.

»Mit Blick auf die Rendite der Anlage ist das eine denkbar schlechte Entscheidung, denn die größten Kurssteigerungen an der Börse finden an nur wenigen Tagen statt. Durchhalten zahlt sich aus – Kontinuität ist bei der Aktienanlage wichtiger als der vermeintlich richtige Zeitpunkt. Ganz nach der Börsenweisheit: Hin und Her macht Taschen leer.«

Andreas Telschow, Anlageexperte bei Fidelity International

Buy and Hold zahlt sich aus

Eine langfristige Betrachtung des deutschen Aktienmarktes zeigt: Ein Anleger, der mit der Einführung des Euros am 31.12.1998 1.000 Euro in deutsche Standardwerte – gemessen am MSCI Germany – investiert hatte, erzielte damit bis Ende April 2017 2.557 Euro.

Hätte der Anleger dagegen die zehn besten Tage dieses Zeitraums verpasst, wären daraus nur 1.159 Euro geworden. Hätte er die Kurssteigerungen der 40 besten Tage nicht mitgenommen, wären sogar nur noch 260 Euro übrig gewesen.

Durchhalten lohnt sich

Wertentwicklung einer Anlage in deutsche Standardaktien gemessen am MSCI (LC) Germany
Zeitraum: 31.12.1998-28.4.2017durchgehend investiertOhne die 10 besten TageOhne die 20 besten TageOhne die 30 besten TageOhne die 40 besten Tage
Aus einem Betrag von 1.000 Euro wurden2.557 Euro1.159 Euro665 Euro406 Euro260 Euro

Was diese Berechnung außer Acht lässt, sind die teils hohen Transaktionskosten, welche die Rendite einer Rein-Raus-Strategie zusätzlich schmälern. Hinzu kommt: Aus technischer Perspektive ist das Erreichen eines frischen Allzeithochs eines der besten Kaufsignale überhaupt.

Teure Fehleinschätzung

Wenn es aber so rational ist, Aktien auf lange Sicht zu halten anstatt zu traden, warum können das nur so wenige Anleger? Es scheint, als ob uns hier unsere Psyche einen Streich spielt.

In der Behavioral Finance spricht man vom "alltime-high-bias", welcher uns vorgaukelt, dass ein weiterer Anstieg unwahrscheinlich ist. Diese Fehleinschätzung kostet allerdings ordentlich Depotperformane.

Das kann nicht jeder!

Eines ist jedenfalls sicher: Einfacher ist eine Buy-and-Hold-Strategie allemal, kostengünstiger auch. Doch sie verlangt dem Anleger auch einiges ab: Er muss Kurseinbrüche von 40 Prozent oder mehr in seinem Depot aushalten können – im Vertrauen darauf, dass in einem, fünf oder spätestens 15 Jahren die Börsenwelt schon wieder viel rosiger aussieht.

Renditedreieck

Renditedreieck Aktien. | Bildquelle: Deutsches Aktieninstitut

Laut dem aktuellen Renditedreieck des Deutschen Aktieninstituts lag das Verlustrisiko im Dax ab einer Haltedauer von 15 Jahren bei sensationellen 0 Prozent. Doch so lange warten – das können leider nur die wenigsten.

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