Seitenueberschrift

Charttechnik

"10.000 Punkte sind im Dax möglich"

Zum dritten Mal seit dem Jahr 2000 befindet sich der Dax in einer Topbildungsphase und nimmt Kurs auf die magische Marke von 8.000 Punkten. Droht damit der nächste Rückschlag? Jörg Scherer, technischer Analyst bei HSBC Trinkaus, ist optimistisch, dass es weiter aufwärts geht.

Dax seit 1982: Dritter Gipfel oder Durchmarsch?

boerse.ARD.de: Beim Blick auf den Langfristchart des Dax zeigt sich, dass es immer, wenn der Index die 8.000er-Marke erreicht hatte, danach deutlich abwärts ging. Zeit also, um auszusteigen?

Jörg Scherer: Nein, im Gegenteil, wir gehen von neuen Hochs aus, die der Dax erreichen kann.

boerse.ARD.de: Was macht Sie so optimistisch?

Scherer: Grundlage unserer Betrachtung sind zwei technische Formationen, die Hand in Hand gehen. Da ist zunächst einmal der seit 1982 intakte langfristige Aufwärtstrend, der über das Tief des Jahres 2003 hinaus geht. Zusammen mit der oberen Begrenzung, dem Hoch aus dem Jahr 2000, bildet diese Formation ein langfristiges, aufsteigendes Dreieck.

Innerhalb dieses langfristigen Dreiecks hat sich, ausgehend vom 2009er-Tiefpunkt, ein weiteres, ebenfalls aufsteigendes, kleineres Dreieck gebildet. Solche aufsteigenden Dreiecke gelten als trendbestätigende Formation.

Aus diesem zweiten Dreieck ist der Dax bereits Ende 2012 bei einem Niveau von 7.360 Punkten ausgebrochen. Aus dieser Entwicklung leiten sich neue, höhere Kursziele für den Index ab, die auch über das bisherige Hoch bei 8.151 Punkten hinausgehen.

boerse.ARD.de: Wohin könnte die Dreiecksformation den Dax denn führen?

Scherer: Man muss sich die beiden Dreiecke vorstellen wie zwei Räder, die ineinander greifen und sich antreiben. Sie haben schon im vergangenen Quartal positive Signale ausgesandt, so dass wir für 2013 mit neuen Hochs rechnen.

Auf Sicht zwei bis drei Jahre könnten auch fünfstellige Niveaus erreichbar sein, die 10.000 Punkte sind also im Dax möglich. Insgesamt sieht die Lage damit sehr gut aus, das Chartbild ist ausgesprochen konstruktiv.

boerse.ARD.de: Wo würde die Reißleine für den technisch orientierten Anleger liegen ?

Scherer: Schlecht wäre es, wenn der Dax unter die 7.360 Punkte und damit zurück in das alte Dreieck fällt. Den ultimativen Stopp setzen wir bei einem Unterschreiten der 7.000er Marke, konkret bei der Marke von 6.950 Punkten. Ganz in der Nähe, bei 6.953 Punkten, verläuft zudem auch die gleitende 200-Tage-Durchschnittslinie.

boerse.ARD.de: Langfristig ähnlich sieht es beim amerikanischen S&P-500-Index aus, der für viele Fondsmanager der entscheidende Index ist. Worauf ist hier zu achten?

Wichtige Weichenstellung: Der S&P nähert sich seinen alten Höchstständen

Scherer: Zur Einordnung der grundsätzlichen Marktverfassung ist die Analyse der Marktbreite unerlässlich. Erst vor kurzem hat der Dow-Jones-Transportation-Index eine neues Allzeithoch markiert. Auch der Russell-2000-Index, der den wirklich breiten Markt abbildet, ist in guter Form und zu erwähnen ist darüber hinaus die intakte A/D-Linie, die das Verhältnis von steigenden zu fallenden Aktien anzeigt und ebenfalls eine breite Unterstützung signalisiert.

All dies kommt natürlich auch dem S&P-500-Index zu Gute. Dieser ist unterwegs, das bisherige Allzeithoch bei 1.576 Punkten anzugreifen. Wirklich langfristig betrachtet ist der S&P sogar seit den 30er-Jahren im Aufwärtstrend, es handelt sich sozusagen um die Mutter aller Aufwärtstrends.

boerse.ARD.de: Welche neuen Niveaus peilt der Index Ihrer Meinung nach an und wann rechnen Sie hier mit einem Durchbruch?

Scherer: Hier muss man vorsichtig sein, langfristige Trends sind keine Timing-Hilfen, sie dienen eher der groben Einordnung, der Abbildung der Tendenz also. Es kann auch sein, dass der Index noch eine ganze Weile seitwärts geht. Dadurch kann sich eine überkaufte Situation auch über die Zeitachse abbauen.

Für den S&P 500 spricht auch, dass das Tief 2009 technisch gesehen ein Fehlausbruch nach unten war, da der Rückgang sofort korrigiert wurde. Eine alte Tradingweisheit besagt: "Was es nach unten versucht hat und gescheitert ist, versucht es in der Folge nach oben!" Demzufolge halten wir 2013 einen Test der historischen Hochstände für wahrscheinlich. Wird dieser Deckel gelüftet, müsste übergeordnet sogar von einem Ende der Konsolidierungsphase seit Beginn des Jahrtausends und dem Start eines neuen primären Aufwärtstrends ausgegangen werden.

Das Gespräch führte Robert Minde.

Stand: 18.01.2013, 14:08 Uhr

Darstellung: