Charttechnik

Wie auf Schienen abwärts? Wall Street: Transportwerte funken SOS

von Angela Göpfert

Stand: 22.12.2015, 13:57 Uhr

Der älteste Aktienmarkt-Index der Welt schreit: Verkaufen! Der Dow Transportation Index ist richtig angeschlagen. Und das ist nicht das einzige Verkaufssignal von der Wall Street.

Anhänger der Dow-Theorie sind überzeugt: Die US-Börsen laufen unter der Motorhaube nicht rund. Denn laut Dow-Theorie ist der Gesamtmarkt nur dann gesund, wenn sich sowohl Dow Transportation als auch Dow Jones Index in einem stabilen Aufwärtstrend befinden. Im Fachjargon: Die beiden Indizes müssen sich gegenseitig bestätigen.

Offiziell im Bärenmarkt

Der Hintergedanke ist der, dass die Industrieunternehmen Güter produzieren, die von den Transportfirmen verteilt werden. Geht es den Transportwerten gut, geht es auch der US-Wirtschaft und dem Gesamtmarkt gut.

Doch genau das ist aktuell so gar nicht der Fall. Es zeigt sich vielmehr eine große negative Divergenz. Während der Dow Jones nur 6,0 Prozent unterhalb seines Rekordhochs steht, notieren die Transportwerte 20,4 Prozent unter ihrem zyklischen Hoch und befinden sich damit offiziell in einem Bärenmarkt. Am vergangenen Freitag markierten sie ein neues Jahrestief.

Frisches Verkaufssignal!?

Laut dem Herausgeber des Newsletters "The Dow Theory", Jack Schannep, liegt denn auch just seit Freitag ein Verkaufssignal vor. Allerdings gilt es zu beachten, dass die Interpretation der Dow-Theorie recht subjektiv ist. Potenzielle Verkaufs- oder Kaufsignale sind daher mit einer gewissen Vorsicht zu genießen.

Fakt ist aber: Das Warnsignal von der Dow-Theorie passt hervorragend in das doch nunmehr stark eingetrübten technische Gesamtbild an der Wall Street. So war beim S&P 500 zuletzt ein so genanntes "bearish engulfing" zu beobachten – ein starkes Signal für eine bevorstehende Trendumkehr.

Mangelnde Marktbreite

Die technische Situation im S&P 500 bleibt prekär, solange es dem Index nicht gelingt, seine 200-Tage-Linie (2.061 Punkte) zurückzuerobern.

Um das negative Bild noch zu komplettieren, sei auf die bei allen großen US-Indizes fallende AD-Linie – ein Beleg der mangelnden Marktbreite – ebenso verwiesen wie auf die saisonal untypische ausgeprägte Schwäche der Nebenwerte im Russell 2000.

Unschöne Zeiten voraus?

Fazit: Eine kurzfristige Erholung – etwa im Rahmen einer für diese Jahreszeit nicht ungewöhnliche Weihnachtsrally – ist zwar durchaus denkbar. Mittel- bis langfristig hat sich das technische Bild aber zuletzt deutlich eingetrübt.

Behält die Dow-Theorie ihre Gültigkeit, so stehen den US-Aktienmärkten unschöne Zeiten bevor.

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