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Charttechnik

Strategie für den ersten Handelstag

So können Anleger ihre Nerven schonen

von Angela Göpfert

Jörg Scherer, Leiter Chartanalyse HSBC Trinkaus, hält eine ganz besonders entspannte Dax-Strategie für Privatanleger parat. Sein Rat: "Anleger sollten den ersten Handelstag des Monats nicht verpassen!"

Einfach früh rein, abends raus - und das immer zum ersten Handelstag eines jeden Monats. Anleger, die beim Dax so vorgegangen wären, hätten zwischen Anfang 1995 und April 2013 ein Plus von 2.544 Dax-Punkten eingefahren. Ein Dax-Engagement zwischen dem zweiten und letzten Handelstag eines jeden Monats hätte hingegen einen deutlich schmäleren Kursgewinn von nur 1.931 Dax-Punkten bedeutet.

"Gutes Chance-Risiko-Verhältnis"

Im Testzeitraum betrug die Wahrscheinlichkeit für Kurszuwächse am ersten Handelstag gut 65 Prozent. Demnach weisen Long-Strategien zu Monatsbeginn ein "gutes Chance-Risiko-Verhältnis" aus, schlussfolgert Scherer. Der durchschnittliche Kurszuwachs am ersten Handelstag des Monats betrug dabei knapp 12 Indexpunkte beziehungsweise 0,27 Prozent.

»Es ist gefährlich, regelmäßig den ersten Handelstag eines Monats zu verpassen, denn die entgangene Performance muss erst einmal aufgeholt werden.«

Jörg Scherer, Leiter Chartanalyse HSBC Trinkaus

"Besonders nervenschonend"

Dabei spiele die Strategie, auf den Monatsersten zu setzen, besonders in Baisse-Phasen ihre Stärken aus. Die Strategie sei zudem "besonders nervenschonend", schließlich seien die Anleger nur an etwa 1/20 aller Handelstage investiert.

Dax Januar 1995 bis April 2013

Mit der grünen Anlagestrategie fuhren Anleger klar besser

Hinzu kommt: Die Performancekurve steigt bei dieser Strategie (grüne Kurve) kontinuierlich an. Bei der gelb gekennzeichneten Anlagestrategie ist die Schwankungsbreite der Kurse, also die Volatilität, hingegen merklich höher. Die Chancen auf sowohl deutlich höhere als auch deutlich niedrigere Kursgewinne sind in dieser Variante stark erhöht.

"Liquidität als Kurstreiber"

Jörg Scherer, HSBC Trinkaus & Burkhardt AG (Quelle: Unternehmen)

Jörg Scherer, Leiter Chartanalyse HSBC Trinkaus & Burkhardt AG

Doch woher rührt dieses interessante saisonale Muster? "Bei dem von uns untersuchten Effekt zum ersten Tag des Monats kann man als Begründung anführen, dass viele Fonds auch eine monatliche Performance-Berechnung haben", unterstreicht Scherer.

"Zudem fließt etwa über Sparpläne auch etwas mehr Geld in den Markt, der Faktor Liquidität könnte also auch ein Kurstreiber hinter diesem Muster sein."

"Das gewisse Etwas"

Diese nervenschonende Anlagestrategie lässt sich übrigens noch weiter verfeinern: Dehnt der Anleger die Halteperiode vom Eröffnungskurs des letzten bis zum Schlusskurs des ersten Handelstages des Monats aus, so steigt die punktemäßige Dax-Ausbeute bei einer Trefferquote von knapp 67 Prozent auf 4.615 Zähler.

Zum Vergleich: Die Strategie, die nur auf den ersten Handelstag setzte, brachte es auf einen Zuwachs von 2.544 Punkten. "Der letzte Tag des Monats scheint also beim Dax ebenfalls über das 'gewisse Etwas' zu verfügen", schlussfolgert Scherer.

Stand: 31.05.2013, 08:51 Uhr

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