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Anlagestrategie

Die saisonale Super-Strategie

Sell in Summer: Jetzt besser verkaufen?

von Angela Göpfert

Stand: 03.08.2015, 13:45 Uhr

Die Sonne scheint, die Temperaturen steigen – und an der Börse beginnt mal wieder das große Zittern. boerse.ARD.de erklärt, wie Anleger ihre Nerven schonen können.

Börsenprofis wissen: Schon ein paar Tage können an der Börse maßgeblich über die Jahresperformance entscheiden. Gelingt es Anlegern, einige dieser großen Minus-Tage zu meiden, können sie hohe Gewinne einfahren. Oder um es mit dem Finanzmathematiker Benoît Mandelbrot zu sagen: "Den Rest können Sie Urlaub machen, in die Oper gehen oder Solitär spielen."

Ein Blick auf die durchschnittlichen Dax-Renditen seit 1988 gibt einen ersten Hinweis, in welchen Monaten Anleger der Börse besser fern bleiben sollten:

Durchschnittliche Dax-Renditen seit 1988

Durchschnittliche Dax-Renditen seit 1988. | Bildquelle: HSBC Trinkaus & Burkhardt AG, Grafik: boerse.ARD.de

Im Sommer ist für Anleger nichts zu holen

Während die außerordentlich gute Performance im Dezember (plus 3,1 Prozent) auf das saisonale Phänomen der Weihnachtsrally zurückzuführen ist, stechen einzig die Monate August und September mit einer negativen Dax-Performance ins Auge. Im Durchschnitt betrug das Dax-Minus seit 1988 im August 2,6 Prozent, im September 2,4 Prozent.

Fast noch wertvoller als die Höhe der durchschnittlichen Performance ist deren Regelmäßigkeit zu werten: In den Sommermonaten August und September ließen sich nur in 46 Prozent aller Fälle Kursgewinne erzielen. Zum Vergleich: Für den Dezember liegt die Trefferquote für Kursgewinne bei stolzen 84,6 Prozent!

Durchschnittliche Trefferquote seit 1988

Durchschnittliche Trefferquote seit 1988. | Bildquelle: HSBC Trinkaus & Burkhardt AG

"Sell in Summer" besticht durch Einfachheit

Für Anleger, die dieses starke statistische Muster zur Handelstaktik erheben wollen, erscheint einem mögliche Umsetzung sehr einfach: Sie könnten am 1. Oktober einen Dax-ETF kaufen - einen Indexfonds, der exakt die Kursentwicklung des Dax abbildet. Diesen verkaufen sie dann am 31. Juli des darauf folgenden Jahres. Anschließend halten sie zwei Monate Cash, bevor das Spiel von Neuem beginnt.

Diese saisonale Börsenstrategie ist unter dem Namen "Sell in Summer" bekannt. Sie gehört zu den mechanischen Timing-Strategien, die feste Regeln für das Investment vorschreiben und zugleich bestimmen, zu welchem Zeitpunkt welche Aktien zu kaufen oder verkaufen sind. Dabei gehört "Sell in Summer" zu den mit Abstand einfachsten Börsenstrategien.

Das kann doch kein Zufall sein?!

Quelle: Colourbox

Jetzt lieber ein Eis statt Aktien kaufen?.

Doch woher rührt diese saisonal schwache Performance? Schuld sind vor allem die Institutionellen: Fondsmanager investierten im Winter mehr Kapital, heißt es. Im Sommer versuchten sie dann, ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen und agierten weit weniger aggressiv. Zudem dämpften in der Urlaubszeit dünne Börsenumsätze und heißes Wetter die Euphorie.

Darüber hinaus verzerren zahlreiche Crashs die Statistik zu Ungunsten der Monate August und September: Die Asienkrise im Sommer 1997, die Russlandkrise im August 1998, der Börsencrash am 11. September 2001 nach dem Einsturz der Twin Towers in New York und die Lehman-Pleite im September 2008.

Saisonale Strategie kann punkten

Der Erfolg der "Sell in Summer"-Strategie hat auch die Deutsche Börse auf den Plan gerufen: Die Frankfurter haben 2005 dafür eigens einen Index ins Leben gerufen, den DAXplus Seasonal Strategy Performance Index (WKN: A0C4BV).

Die Statistik liefert kein eindeutiges Bild: In den vergangenen fünf, sieben und zehn Jahren lieferte der DAXplus Seasonal Strategy Performance Index eine klare Outperformance zum Dax. In der Ein- und Drei-Jahres-Perspektive hatte dagegen der deutsche Leitindex die Nase vorn.

Dax Performance Index vs. DAXplus Seasonal Strategy Performance Index
Dax Performance IndexDAXplus Seasonal Strategy Performance Index
1 Jahrplus 25 Prozentplus 19 Prozent
3 Jahre plus 36 Prozentplus 50 Prozent
5 Jahreplus 66 Prozentplus 112 Prozent
7 Jahreplus 80 Prozentplus 110 Prozent
10 Jahreplus 132 Prozentplus 146 Prozent
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