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Charttechnik

Aktienmärkte vor saisonaler Schwächephase

Saisonarbeit – ein Modell auch für Privatanleger?

von Angela Göpfert

An der Börse ist Timing (fast) alles. Auf der Suche nach dem richtigen Zeitpunkt für ein Investment leisten saisonale Effekte eine wichtige Hilfestellung. Worauf sich Anleger im Juni gefasst machen müssen.

Zugegeben: Saisonale Effekte dürften nach diesem Mai etwas in Verruf geraten sein. Schließlich waren Anleger mit der Börsenweisheit "Sell in May" ordentlich auf die Nase gefallen. Die US-Aktienmärkte beendeten den Mai den siebten Monat in Folge mit Kursgewinnen. Der Dax kletterte im Mai stolze 5,5 Prozent in die Höhe.

Da können Profis nur lachen

Doch Anleger sollten bedenken, dass trotz ihrer ungeheuren medialen Präsenz die Regel "Sell in May" von den meisten Profis ohnehin nur belächelt wird. boerse.ARD.de hatte daher bereits Ende April in einem Hintergrund-Artikel und einem Experten-Interview erläutert, warum sich Anleger generell und ganz besonders in diesem Jahr besser nicht an die Regel "Sell in May" halten sollten.

Schließlich gilt diese als hoffnungslos veraltet, laut jüngeren Statistiken lautete das Gebot der vergangenen Jahre vielmehr "Sell in Summer". Hinzu kommt: Wir befinden uns aktuell in einem US-Nachwahljahr. Und in solchen Jahren gelten besondere Regeln: So erzielte der Dow Jones in Nachwahljahren seit 1958 im Mai stets ein positives Ergebnis.

Juni mit negativem Bias

Sollte der US-Präsidentschaftszyklus die Märkte auch im Juni bestimmen, so sollten Anleger weniger über den Aufbau neuer Positionen denn über das Sichern ihrer Gewinne nachdenken.

Schließlich ist die Durchschnittsperformance des deutschen Leitindex Dax im Juni in US-Nachwahljahren leicht negativ. Das lässt sich auf der Seite seasonalcharts.de von Dimitri Speck hervorragend nachvollziehen.

Jahresgewinne schon "im Kasten"?

Auch der Dow Jones sendet trübe saisonale Signale. So endete der Index der US-Bluechips seit 1945 in einem Nachwahljahr im Juni deutliche 14 Mal im Minus. Nur schlappe 2 Mal konnte der Dow ein Plus herausholen. Darauf weist Marktexperte Robert Rethfeld in seinem handelstäglichen Newsletter "Der Wellenreiter" hin.

»Die Wahrscheinlichkeit für einen positiven Juni 2013 erscheint demnach gering. Wir neigen – auch angesichts der von uns erwarteten Schwächephase ab dem Sommer – zu der Einschätzung, dass die Jahresgewinne im Wesentlichen im Kasten sind.«

Robert Rethfeld, Wellenreiter-Invest

Fazit: Auch wenn aus der saisonalen Perspektive vieles für einen schwachen Juni spricht: Es wäre Unsinn, aus statistischen Zusammenhängen direkte Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung an den Börsen zu ziehen. Anleger sollten sich hüten, einzig und allein aufgrund eines einzigen Saisonmusters zu handeln. Saisonalitäten können die Basis einer Investment-Entscheidung sein, sollten aber niemals im Automatik-Modus umgesetzt werden.

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