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Interview

Christian Schmidt, technischer Analyst im Research der Helaba

Dax am Scheideweg

"Nächste Haltemarke bei 9.200 Punkten"

Stand: 20.01.2016, 13:54 Uhr

Der Dax testet derzeit sein Unterstützungsniveau aus dem vergangenen Jahr. Was aber, wenn diese Marke fällt? boerse.ARD.de sprach mit dem technischen Analysten Christian Schmidt von der Helaba.

boerse.ARD.de: Schon seit einiger Zeit stehen die Dax-Tiefs aus dem vergangenen Herbst als markante Unterstützung zur Disposition. Jetzt hat der Dax sogar das Jahrestief von 9.325 Punkten kurzzeitig unterschritten. Wie sieht es aus technischer Sicht aus?

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
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Christian Schmidt: Wir haben aktuell einen weiterhin hohen Abwärtsdruck im Dax. Dieser leitet sich daraus ab, dass sowohl in der mittelfristigen, als auch in der langfristigen Betrachtung nahezu alle Dax-Aktien im Abwärtstrend sind (außer RWE, die kurzfristig etwas besser dastehen). Langfristig, gemessen an der 200-Tage-Linie, sind 80 Prozent der Dax-Aktien betroffen, mittelfristig ist dies bei 93 Prozent der Fall. Bei der mittelfristigen Betrachtung stellen wir auf die 55-Tage-Linie ab.

Zudem ist es typisch, dass Erholungen innerhalb intakter Abwärtstrends tendenziell klein ausfallen, während die Ausschläge nach unten sehr dynamisch und prozentual hoch ausfallen. Entsprechend sind die Blicke aktuell auf die immens wichtigen Unterstützungsmarken bei 9.338 beziehungsweise 9.325 Punkten gerichtet. Sollte der Rutsch unter diese zudem von einem darunterliegenden Schlusskurs bestätigt werden, dürfte es mit wehenden Fahnen weiter nach unten gehen.

boerse.ARD.de: Von Bodenbildung also keine Spur?

Schmidt: Nein, derzeit ist es ratsam, sich nicht gegen den dominanten Abwärtstrend zu stellen. Wie heißt es so schön: "The trend is your friend."

boerse.ARD.de: Sollte die Unterstützung auch auf Schlusskursbasis fallen, wohin kann dann die Reise dann gehen und wie kommen Sie auf Ihre neuen Marken?

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ARD-Börse: Dax fällt immer weiter - was ist los an der Börse?

Schmidt: Eine weitere, wichtige Haltemarke findet sich bei 9.200 Punkten, danach sind die Marken 8.900 und 8.645 Punkte zu nennen. Wir gehen bei der Bestimmung solcher Marken dabei zum einen davon aus, dass sich Bewegungen der Vergangenheit auch in Zukunft periodisch wiederholen. Zudem werden mit Hilfe von Fibonacci-Ratios weitere Kursziele projiziert.

Auch dienen markante Punkte der Vergangenheit vielen Marktteilnehmern zur Orientierung, wo Unterstützungen zu finden sind. Auch bei dieser Methode wird deutlich, dass die 8.900er-Marke bereits im Jahr 2014 eine sehr wichtige Rolle spielte. Zunächst beim (erfolgreichen) Test im April, dann im Oktober mit dem Durchbruch nach unten.

boerse.ARD.de: Möglich ist aber auch, dass die derzeitige Unterstützung letztlich hält. Was dann?

Schmidt: Wenn die 9.300 auf Schlusskursbasis hält, besteht eine kleine Chance, dass sich der Dax kurzfristig bis maximal 9.674 Zähler erholt. Viel weiter sollte es aber nicht gehen.

Das Gespräch führte Robert Minde.

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