Technische Analyse

Explosion des Luftschiffs Hindenburg am 6. Mai 1937 in Lake Hurst, New York

Technischer Indikator Grund zur Panik? Kein Crash ohne Hindenburg-Omen

Stand: 15.12.2014, 13:20 Uhr

Das Hindenburg-Omen ist ein eher seltener Gast an den Aktienmärkten. Doch wenn es sich zeigt, dann gefriert selbst so manchem hart gesottenen Profi das Blut in den Adern.

Schon der Name klingt dramatisch: Das Hindenburg-Omen wurde benannt nach dem Luftschiff, dessen Wasserstofffüllung sich 1937 bei der Landung in Lakehurst, USA, entzündete. Damals kamen 36 Menschen ums Leben.

Am Aktienmarkt ist der Name Hindenburg eng mit fallenden Kursen verknüpft. Dabei können Hindenburg-Omen durchaus mit einem größeren zeitlichen Vorlauf auftreten.

Crashs von 1987, 2000, 2007/2008 vorhergesagt

1999 gab es zwischen dem 3. und 13. Dezember sieben Hindenburg-Omen, ein achtes folgte am 20. Dezember. Diese Hindenburg-Omen haben sehr schön das Hoch im Dow Jones Index am 14. Januar 2000 vorhergesagt, S&P 500 und Nasdaq bildeten erst im März ihre Hochpunkte aus.

Die Hindenburg-Omen signalisierten somit frühzeitig das Ende der "New Economy" und läuteten einen mehrjährigen Bärenmarkt ein. Auch dem Crash von 1987 und der Finanzkrise 2007/2008 gingen Hindenburg-Omen voraus.

Kein ganz banaler Indikator

Doch was genau besagt eigentlich dieser technische Indikator? Grob gesagt ist ein Hindenburg-Omen ein Indikator für die Zerrissenheit eines Marktes. Ein solches charttechnisches Signal entsteht nämlich immer dann, wenn es einem Markt im Aufwärtstrend an Marktbreite mangelt. Gemäß der traditionellen Definition müssen folgende drei Kriterien erfüllt sein:

  • 1. Die tägliche Zahl der neuen 52-Wochen-Hochs und der neuen 52-Wochen-Tiefs an der NYSE müssen sich beide oberhalb von 2,2 Prozent der an diesem Tag an der NYSE gehandelten Werte befinden.
  • 2. Der gleitende Durchschnitt der vergangenen 10 Wochen an der NYSE steigt (manchmal wird auch der 50-Tage-GD betrachtet).
  • 3. Der McClellan Oszillator ist an diesem Tag negativ.

Falsche Trading-Signale?

Dass im Anschluss auch wirklich ein signifikanter Kurseinbruch folgt, ist aber keineswegs ausgemachte Sache. Einige Experten verspotten das Hindenburg-Omen sogar, es liefere mehr falsche Trading-Signale als richtige.

Belächeln sollte man das Hindenburg-Omen trotzdem besser nicht. Seine Aussagekraft, die statistische Korrelation, kann deutlich erhöht werden, indem man diese beiden Kriterien hinzufügt:

  • 4. Die Zahl der neuen 52-Wochen-Hochs darf nicht mehr als zweimal so groß sein wie die Zahl der neuen 52-Wochen-Tiefs. Umgekehrt ist es in Ordnung.
  • 5. Ein Hindenburg-Omen gilt offiziell erst dann als bestätigt, wenn es innerhalb von 36 Tagen erneut auftritt.

Auf die Häufigkeit kommt es an

"Je mehr Hindenburg-Omen auftreten, desto größere Bedeutung gewinnt dieses Phänomen im Hinblick auf die Vorhersage eines Markthochs", unterstreicht Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest.

Legt man die strenge, fünf Kriterien umfassende Definition zugrunde, gibt es kaum ein Markt-Top, dem nicht ein Hindenburg-Omen vorausging. Bis auf eine Ausnahme – den Mini-Crash im Juli/August 2011 – wurden alle Markt-Crashs (Kurseinbruch von mehr als 15 Prozent) der vergangenen 30 Jahre durch Hindenburg-Omen frühzeitig angezeigt.

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