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MDax

"Für 2013 bin ich verhalten optimistisch"

Der MDax wird geprägt von Immobilien- und Industrieunternehmen. Die waren 2012 besonders erfolgreich, erklärt Marcus Ratz, Fondsmanager und Partner bei Lupus Alpha. Im neuen Jahr könnte das so weitergehen.

Porträr Marcus Ratz

Marcus Ratz. | Quelle: Lupus alpha

boerse.ARD.de: Der MDax hat dieses Jahr besser abgeschnitten als der Dax. Haben die Konzerne der zweiten Reihe ein Geheimrezept?

Marcus Ratz: In diesem Jahr gab es zwei Sektoren im MDax, die besonders erfolgreich waren: Immobilien- und Industrieunternehmen. Eben diese "Favoriten-Sektoren" sind besonders stark im MDax gewichtet. Das sorgt schon seit mehreren Jahren dafür, dass die Mid Caps gegenüber den Dax-Größen besser abschneiden. Was dazu kommt: Die mittelgroßen Unternehmen hatten 2011 stärker unter Ängsten vor einer Rezession weltweit und speziell in Europa gelitten. Die daraus resultierenden Kursverluste konnten sie dieses Jahr wieder aufholen.

boerse.ARD.de: Waren es nur ein paar Top-Unternehmen, die den MDax nach oben gezogen haben? Oder sind MDax-Unternehmen generell erfolgreicher als andere börsennotierte Gesellschaften?

Ratz:
Generell kann man auf jeden Fall sagen, dass sich mittelgroße Unternehmen leichter an konjunkturelle Entwicklungen anpassen und schneller reagieren können.

boerse.ARD.de: Zu den eindeutigen Gewinnern im MDax zählen zum Beispiel die Aktien von Sky, Gagfah, Kuka und Dürr. Wovon haben diese Unternehmen profitiert?

Ratz: Der Boom bei deutschen Immobilien hat sich für das Unternehmen Gagfah bezahlt gemacht. Der Roboterhersteller Kuka profitiert davon, dass jetzt auch die Chinesen zunehmend auf Automatisierung setzen. Ähnlich kommt dem Lackieranlagenbauer Dürr die starke Nachfrage nach Automobilen und Automobilwerken in Asien entgegen. Dazu kommt, dass beide Unternehmen generell international sehr gut aufgestellt sind. Was Sky betrifft, hat der Bezahlsender eine entscheidende Wende geschafft. Die Gefahr der Insolvenz ist dort vom Tisch.

boerse.ARD.de: Es gab aber auch im MDax klare Verlierer, zum Beispiel SGL Group, Metro, HHLA, Wacker Chemie und Klöckner & Co.

Ratz: SGL hat unter anderem unter Abschreibungen im Karbongeschäft gelitten,HHLA dagegen unter den Verzögerungen im Elbeausbau. Wacker Chemie hat das schwache Solargeschäft zu schaffen gemacht, Klöckner und Co. die fallenden Stahlpreise.

boerse.ARD.de: Während der MDax so erfolgreich war, hat sich der SDax nicht so gut geschlagen. Haben Sie dafür auch eine Erklärung?

Ratz: In diesem Jahr lag der Fokus der Investoren auf liquideren Titeln. Mittelgroße Unternehmen waren stärker nachgefragt als kleine, was bei letzteren für einen Preisabschlag sorgte. Darüber hinaus haben mehr Unternehmen aus dem SDax als aus dem MDax für Enttäuschungen gesorgt, wie etwa Delticom, Ströer oder Air Berlin.

boerse.ARD.de: Und zuletzt - Ihre Prognose für das neue Jahr. Wird sich der MDax wieder so gut schlagen?

Ratz: Alle bisher genannten Punkte spielen weiterhin eine Rolle, daher bin ich für das kommende Jahr verhalten optimistisch.

Das Gespräch führte Ursula Mayer.

Stand: 27.12.2012, 17:10 Uhr

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