Wall Street

Feiertagseffekt als Kurstreiber Alle Jahre wieder: Die Truthahn-Rally

von Angela Göpfert

Stand: 24.11.2016, 08:39 Uhr

Rund um Feiertage wie Thanksgiving zeigt sich die Wall Street für gewöhnlich von ihrer angenehmen Seite. Kurssteigerungen sind dann die Regel, nicht die Ausnahme.

Immerhin feiern die Amerikaner am heutigen 24. November Thanksgiving. Das Erntedankfest ist der höchste Familienfeiertag in den USA – in etwa vergleichbar mit Weihnachten in Deutschland. Am Tag des feierlichen Truthahnessens ist auch die Wall Street geschlossen, am Tag danach findet nur ein verkürzter Handel (bis 19:00 Uhr unserer Zeit) statt.

Eine wohlbekannte Anomalie

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
22.024,87
Differenz relativ
+0,12%

Und doch hat es diese verkürzte Handelswoche in aller Regel in sich, Kenner der Aktienmärkte verweisen in diesem Zusammenhang gerne auf den Feiertags-Effekt, auch Feiertags-Anomalie genannt.

Dieser Effekt beschreibt die anormal hohen Renditen, die an den Tagen vor den Feiertagen beobachtet werden können. Bereits in den 1960er und 1970er Jahren gab es erste Untersuchungen hinsichtlich dieses Effekts im Dow Jones Industrial Average sowie im S&P 500.

Sind die Shorties schuld?

Erklärungsversuche verweisen unter anderem auf das typische Verhaltensmuster von so genannten Shorties, also von Anlegern, die auf fallende Kurse setzen. Diese stellen, so die These, vor den Feiertagen ihre Positionen glatt, um nicht die Risiken über die handelsfreien Tage zu halten.

Einziger Haken: Warum sollen Anleger nur ihre Short-Positionen auflösen, nicht aber die Long-Positionen?!

Amerikaner ganz relaxt?

Robert Rethfeld von "Wellenreiter-Invest" hält daher eine ganz andere Erklärung für den Feiertagseffekt parat: Der Experte verweist auf die "relaxtere Grundstimmung" der Anleger rund um die Feiertage.

Das hat laut Rethfeld auch noch Auswirkungen auf den ersten Handelstag nach dem Feiertag: "Auch am Tag danach sehen wir häufig noch einen positiven Bias in den Märkten. Meistens gibt es sogar eine kleine Eröffnungslücke, ein Aufwärtsgap."

Nur verhaltener Optimismus

Rethfeld erklärt das ganz einfach so: "Die Anleger kommen positiv und beschwingt aus dem Kurzurlaub zurück. Gerade um Thanksgiving herum sind die Amerikaner in einer so dankbaren Stimmung, da lassen die sich ihren Truthahn doch nicht verderben."

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