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"Dax-Hausse dürfte bis 7.500/7.600 laufen"

Commerzbank-Analyst Achim Matzke traut dem Dax für dieses Jahr noch viel zu. Woher sein Optimismus rührt und welche Einzeltitel dabei technisch besonders vielversprechend aussehen, verrät Matzke im Gespräch mit boerse.ARD.de.

Commerzbank-Analyst Achim Matzke (Quelle: Unternehmen)

Achim Matzke, Leiter Technische Analyse & Index Research bei der Commerzbank

boerse.ARD.de: Der Dax befindet sich seit Juni in einem beeindruckenden mittelfristigen Aufwärtstrend und konnte seither gut 1.000 Punkte gutmachen. Doch so langsam scheint ihm die Puste auszugehen. Müssen wir nun mit einer Korrekturbewegung rechnen?

Achim Matzke: Nein. Aus technischer Sicht befindet sich der Dax seit Ende September 2011 - Start bei zirka 4.965 Punkten - in einer technischen Hausse. Diese war durch die technische Korrektur von Mitte März bis Anfang Juni diesen Jahres mit einem Kursrückgang von 7.195 auf 5.914 Punkten lediglich unterbrochen. Doch Korrekturen und Konsolidierungen sind aus technischer Sicht Teil einer Hausse. Seit Anfang Juni bewegen wir uns nun in einer Art Sommerrally. Diese ging allerdings etwas schnell, die Aufwärtsdynamik war schon recht groß. Hier deutet sich nun eine deutliche Verlangsamung an. Technische Hinweise auf eine neue Korrektur - also einen Kursrückgang um zehn Prozent oder mehr - liegen aber nicht vor.

boerse.ARD.de: Was trauen Sie dem Dax bis zum Jahresende noch zu?

Matzke: Die Kurse werden unter hohen Schwankungen weiter steigen und die bisherigen Jahrestops bei knapp 7.200 Punkten überbieten. Im Anschluss dürfte der Dax bis in die Nähe der Jahrestops von 2011 bei 7.500/7.600 laufen.

boerse.ARD.de: Spielen dabei auch saisonale Faktoren wie etwa der US-Präsidentschaftszyklus eine Rolle?

Matzke: Solche saisonalen Effekte lassen sich zwar statistisch beobachten. Dies gilt aber für einen langen Zeitraum, also für viele Jahre. Deshalb macht es Sinn, sich die Lage immer von Fall zu Fall genau anzuschauen und nicht einfach auf diesen langfristigen Effekt zu setzen. So befinden sich die führenden US-Aktienindizes - also Dow Jones, S&P 500, aber auch Nasdaq Composite - unverändert in technischen Haussen, die im März 2009 starteten. Zwar ist die mittel- und langfristige Aufwärtsdynamik dieser Haussen im historischen Vergleich nicht sonderlich groß, jedoch weisen diese Haussen dafür eine hohe technische Stabilität auf. Von daher dürften wir von der Weltleitbörse in New York weiterhin Rückenwind auch für die europäischen Aktienindizes inklusive des Dax bekommen.

boerse.ARD.de: Was bestärkt Sie noch in Ihrem Optimismus?

Matzke: Sehr positiv auf der technischen Seite fällt auf, dass zahlreiche Dax-Einzeltitel neue Allzeithochs markiert haben. Das heißt: Wann immer die Investoren diesen Titel gekauft haben, haben sie Gewinn gemacht. Dazu zählen Werte wie die Henkel Vorzüge oder aber Fresenius SE und Fresenius Medical Care. Hinzu kommt, dass weitere Standardwerte wie zum Beispiel Bayer und die Deutsche Post zuletzt mehrjährige Widerstandszonen mit neuen technischen Kaufsignalen überwunden haben.

boerse.ARD.de: Wo machen Sie denn mit Blick auf den Dax - jenseits des Jahreshochs bei 7.194 Punkten - noch Widerstände auf dem Weg nach oben aus?

Matzke: Im Bereich von 7.500 bis 7.600 Punkten. Im Jahr 2011 wurde dieser Bereich dreimal getestet. Deshalb sollte es dem Dax schwer fallen, diese kräftige Widerstandszone zu überwinden.

boerse.ARD.de: Lassen Sie uns abschließend einen Blick auf die im Dax vertretenen Branchen werfen: Ist nun die große Branchenrotation angesagt?

Matzke: Die aktuelle technische Lage favorisiert weiterhin den defensiven Sektor. Es sind hier vor allem die defensiven Sektoren mit Wachstumscharakter, wozu die Bereichen Food & Beverages, Personal & Household Goods sowie Health Care (inklusive Pharma) gehören. Aus dem Dax sind hier vor allem die bereits erwähnten Werte wie Henkel Vorzüge, Fresenius und Fresenius Medical Care zu nennen. Blickt man über den Dax-Tellerrand hinaus nach Europa, so sind aus dem Bereich Nahrungsmittel & Getränke Titel wie Nestlé, Unilever sowie Diageo und Pernod Ricard hervorzuheben. Im Bereich der Personal & Household Goods sind die Tabak-Konzerne wie zum Beispiel British America Tobacco sowie die Luxusgüterhersteller LVMH und Compagnie Financière Richemont hervorzuheben. Telekommunikationsunternehmen und Versorger fungieren hingegen aktuell - wegen ihrer attraktiven Dividenden - eher als eine Art Anleiheersatz. Bei diesen Titeln deutet die technische Lage aktuell nur eine geringe Chance auf Kursgewinne an.

Das Interview führte Angela Göpfert.

Stand: 13.08.2012, 14:36 Uhr